Unternehmen schreibt tiefrote Zahlen

Erneut massiver Umsatzeinbruch bei SMA

Die Talfahrt des Niestetaler Solartechnik-Produzenten SMA hält an. In den ersten neun Monaten dieses Jahres brach der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22,5 Prozent auf 549,3 Millionen Euro ein.

Aktualisiert um 21.07 Uhr

In der Folge verzweieinhalbfachte sich der Verlust auf 54,1 Mio. Euro. Operativ, also vor Guthabenzinsen und Steuern, lag das Minus sogar bei 72,7 Mio. Euro. Dennoch hält das Unternehmen an der jüngsten Ganzjahresprognose von 850 bis 950 Mio.

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Euro Umsatz und bis zu 45 Mio. Euro Defizit ohne Sonderaufwendungen für den angekündigten Personalabbau fest. Allerdings mit Einschränkungen: „Voraussetzung ist, dass die für das vierte Quartal erwarteten Vertragsabschlüsse im Projektgeschäft in diesem Jahr Lieferungen vorsehen“, heißt es in einer Mitteilung.

SMA stellt Wechselrichter her, die in Solaranlagen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom wandeln. Grund für die schlechte Entwicklung ist der weiter rückläufige Absatz in Europa infolge von Förderkürzungen und Schuldenkrise vor allem in den südlichen Ländern sowie die dramatische Marktverschiebung der vergangenen Jahre. Während 2010 fast zwei Drittel der weltweit neu installierten Leistung in den europäischen Stammmärkten verbaut wurden, waren es im vergangenen Jahr nur noch 24 Prozent.

Umgekehrt schoss der Absatz in China und Japan regelrecht durch die Decke. 2013 wurden dort 62 Prozent der global installierten Leistung verkauft. Das Problem: SMA ist in diesen beiden Boommärkten so gut wie nicht vertreten. Alle Hoffnungen richten sich jetzt auf das laufende Quartal. Nach Angaben von Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon lässt der gute Auftragsbestand einen höheren Umsatz erwarten. Seine Strategie sei es, „SMA (...) wieder in die Profitabilität zurückzuführen“.

Mit einer Nettoliquidität von 224,8 Mio. Euro könne man die erforderlichen Maßnahmen aus eigener Kraft umsetzen. Im Klartext: Für den angekündigten Abbau von weiteren 600 Jobs müssen die Niestetaler auch im nächsten Jahr wieder viel Geld in die Hand nehmen. Stellenstreichungen und Umstrukturierungen haben SMA bereits in der Vergangenheit viel Liquidität gekostet. In nicht einmal vier Jahren sanken die Barreserven um mehr als 307 Mio. Euro. Das heißt: Das Unternehmen lebt erheblich von der Substanz, und ein Ende dieser Entwicklung ist derzeit nicht absehbar. Die Zahl der Beschäftigten sank im Berichtszeitraum um 630 auf aktuell gut 5000, wobei sie im Ausland sogar um 200 auf 1500 stieg.

Das heißt: Im Inland, insbesondere in Nordhessen fielen 830 Jobs weg. Die Anleger reagierten prompt auf die schlechten Nachrichten. Sie hatten offenbar Besseres erwartet. Der Aktienkurs sank gestern um 2,35 Prozent auf 18,69 Euro – ein Minus von fast 40 Prozent binnen Jahresfrist. (jop)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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