Interview mit Vorstandssprecher Urbon

Stellenabbau bei SMA: "nicht leicht" - Aktie stürzt ab

Niestetal. Der massive Stellenabbau beim Solartechnik-Hersteller SMA trifft vor allem Niestetal und den Standort Kassel. Insgesamt sollen in Nordhessen 750 Jobs wegfallen. Nach dieser Nachricht rutschte die Aktien am Freitag ab.

Von den 600 Zeitarbeitern, von denen sich SMA trennen will,

- HNA-Interview im O-Ton: Das sagt SMA-Vorstandssprecher Urbon:

SMA-Interview

sind etwa 400 in Nordhessen beschäftigt und 200 im Ausland. Auch bei der Streichung von festen Stellen sind Niestetal und Kassel besonders betroffen. Von den 450 in Frage stehenden Arbeitsplätzen entfallen 350 auf Nordhessen und 100 auf das Ausland.

Aktualisiert am 20.10.2012 um 13.15 Uhr

Nach dieser Nachricht stürzte die Aktie des einstigen Vorzeige-Unternehmens am Freitag regelrecht ab. In der Spitze verlor das Papier gut 32 Prozent auf ein Rekordtief von 17,66 Euro, erholte sich am Ende nur leicht und schloss bei 17,88 Euro 31,2 Prozent im Minus. Zur Erinnerung: Beim fulminanten Börsendebüt Ende Juni 2008 war das Papier bei 47 Euro gestartet und markierte im Januar 2010 bei 106,70 Euro sein bisheriges Allzeithoch. Allein seit Beginn dieses Jahres verlor die Aktie zwei Drittel ihres damaligen Wertes.

Im Gespräch mit der HNA zeigte sich Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon am Freitagmittag aber zuversichtlich, dass SMA 2014 wieder in die Gewinnzone zurückkehrt.

SMA: Die Geschichte des Unternehmens in Bildern

1981: Die drei Elektroingenieure, Günther Cramer, Peter Drews und Reiner Wettlaufer, gründen ein Ingenieurbüro für Regelsysteme. SMA wird unter dem damaligen Namen SMA Regelsysteme als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gegründet.
1981: Die drei Elektroingenieure, Günther Cramer, Peter Drews und Reiner Wettlaufer, gründen ein Ingenieurbüro für Regelsysteme. SMA wird unter dem damaligen Namen SMA Regelsysteme als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gegründet. © HNA/Archiv
1981: Die Erfolgsgeschichte von SMA begann mit sieben Mitarbeitern in den Räumen einer ehemaligen Bäckerei in der Kasseler Kohlenstraße. Bereits im Jahr darauf zog das Unternehmen an den heutigen Firmensitz in Niestetal. Damals hieß die heutige SMA Solar Technology AG noch „System-, Mess- und Anlagentechnik Regelsysteme GmbH“.
1981: Die Erfolgsgeschichte von SMA begann mit sieben Mitarbeitern in den Räumen einer ehemaligen Bäckerei in der Kasseler Kohlenstraße. Bereits im Jahr darauf zog das Unternehmen an den heutigen Firmensitz in Niestetal. Damals hieß die heutige SMA Solar Technology AG noch „System-, Mess- und Anlagentechnik Regelsysteme GmbH“. © HNA/Archiv
1998: An der firmeneigenen Photovoltaikanlage erläutert SMA-Geschäftsführer Peter Drews (links) dem hessischen CDU-Chef Roland Koch die Funktionsweise eines Solarwechselrichters. © HNA/Archiv
SMA-Geschäftsführer Günther Cramer (rechts) erläuterte Gerhard Schröder und Hessens Ministerpräsident Hans Eichel die Produktion des Wechselrichters "Sunny Boy". Ganz links Cramers Geschäftsführerkollege Peter Drews.
1998: SMA-Geschäftsführer Günther Cramer (rechts) erläuterte Gerhard Schröder und Hessens Ministerpräsident Hans Eichel die Produktion des Wechselrichters "Sunny Boy". Ganz links Cramers Geschäftsführerkollege Peter Drews. © HNA/Herzog
2000: Die erfolgreiche Internationalisierung der SMA mit der Gründung der SMA America beginnt. Die erste Auslandsgesellschaft residierte zunächst in einem Container in Kalifornien. Heute befindet sich der US-Firmensitz in einem repräsentativen Bürogebäude in der Stadt Rocklin.
2000: Die erfolgreiche Internationalisierung der SMA mit der Gründung der SMA America beginnt. Die erste Auslandsgesellschaft residierte zunächst in einem Container in Kalifornien. Heute befindet sich der US-Firmensitz in einem repräsentativen Bürogebäude in der Stadt Rocklin. © HNA
2001: Fototermin auf dem Niestetaler Firmengelände von SMA -  SPD-Spitzenkandidat Ullrich Meßmer (rechts) und SMA-Geschäftsführer Günther Cramer.
2001: Fototermin auf dem Niestetaler Firmengelände von SMA -  SPD-Spitzenkandidat Ullrich Meßmer (rechts) und SMA-Geschäftsführer Günther Cramer. © HNA/Koch
2004: SMA baut an - Spezialbaufacharbeiter Thomas Desort (rechts) am Theodolith gibt auf der Leiter Heiko Kastrop und Michael Kraft vor der Leiter Anweisungen.
2004: SMA baut an - Spezialbaufacharbeiter Thomas Desort gibt Anweisungen. © HNA/Socher
2005: Günther Cramer, Vorstand der Solartechnikfirma SMA in Niestetal, zeigt auf das größte Photovoltaikdach Hessens. Die als Hofüberspannung zwischen zwei Gebäuden errichtete Solaranlage kann 31 Vier-Personen-Haushalte das ganze Jahr über mit Strom versorgen.
2005: Günther Cramer, Vorstand der Solartechnikfirma SMA in Niestetal, zeigt auf das größte Photovoltaikdach Hessens. Die als Hofüberspannung zwischen zwei Gebäuden errichtete Solaranlage kann 31 Vier-Personen-Haushalte das ganze Jahr über mit Strom versorgen. © dpa
2005: Ein Mitarbeiter der Firma SMA überprüft die Produktion von Wechselrichtern für Photovoltaikanlagen. Mittlerweile zählt das Unternehmen 1000 Mitarbeiter. Die nordhessische Firma ist Weltmarktführer bei der Fertigung von Wechselrichtern.
2005: Ein Mitarbeiter der Firma SMA überprüft die Produktion von Wechselrichtern für Photovoltaikanlagen. Mittlerweile zählt das Unternehmen 1000 Mitarbeiter. Die nordhessische Firma ist Weltmarktführer bei der Fertigung von Wechselrichtern. © dpa
2005: Joschka Fischer beim Firmenrundgang im Solartechnik-Unternehmen SMA. Er besuchte das Unternehmen im Rahmen des landesweiten Wahlkampfauftakts der hessischen Grünen.
2005: Joschka Fischer beim Firmenrundgang im Solartechnik-Unternehmen SMA. Er besuchte das Unternehmen im Rahmen des landesweiten Wahlkampfauftakts der hessischen Grünen. © dpa
2006: SMA baut Inselstromanlagen in China. Die Wechselrichter werden mit dem Esel transportiert.
2006: SMA baut Inselstromanlagen in China. Die Wechselrichter werden mit dem Esel transportiert. © HNA/Archiv
2008: SMA geht an die Börse. Günther Cramer (rechts), Vorstandssprecher der SMA Solar Technology AG, läutet beim Börsengang des Unternehmens im Handelssaal der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main im Beisein seiner Vorstandskollegen (links nach rechts) Reiner Wettlaufer (Finanzen), Peter Drews (Operatives Geschäft) und Pierre-Pascal Urbon (Marketing und Vertrieb) die Börsenglocke.
2008: SMA geht an die Börse. Günther Cramer (rechts), Vorstandssprecher der SMA Solar Technology AG, läutet beim Börsengang des Unternehmens im Handelssaal der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main im Beisein seiner Vorstandskollegen (links nach rechts) Reiner Wettlaufer (Finanzen), Peter Drews (Operatives Geschäft) und Pierre-Pascal Urbon (Marketing und Vertrieb) die Börsenglocke. © dpa
2008: Die Baustelle von SMA aus der Luft. Ein großer Neubau entsteht.
2008: Die Baustelle von SMA aus der Luft. Ein großer Neubau entsteht. © HNA/Herzog
2009: Die neue Produktionsanlage des Solartechnikherstellers SMA in Kassel. Es ist die nach Firmenangaben größte Fabrik der Welt für Wechselrichter an Solaranlagen. In der 18 500 Quadratmeter großen und 45 Millionen Euro teuren Halle sollen jedes Jahr Wechselrichter mit einer Produktionsleistung von vier Gigawatt für den Weltmarkt entstehen.
2009: Die neue Produktionsanlage des Solartechnikherstellers SMA in Kassel. Es ist die nach Firmenangaben größte Fabrik der Welt für Wechselrichter an Solaranlagen. In der 18 500 Quadratmeter großen und 45 Millionen Euro teuren Halle sollen jedes Jahr Wechselrichter mit einer Produktionsleistung von vier Gigawatt für den Weltmarkt entstehen. © dpa
2010: 2010 ist ein Solarboomjahr: Das Unternehmen setzt 1,92 Milliarden Euro um und verdient unterm Strich 365 Millionen Euro – eine Million am Tag. © Schindler
2011: Pierre-Pascal Urbon soll Vorstandssprecher Günther Cramer im Amt folgen.
2011: Pierre-Pascal Urbon soll Vorstandssprecher Günther Cramer im Amt folgen. © HNA
2011: Die Baustelle des Solartechnikherstellers SMA. Das Unternehmen will das neue Repair- und Logistikcenter, das am nördlichen Stadtrand an der Autobahn angesiedelt wird, Ende des Jahres in Betrieb nehmen.
2011: Die Baustelle des Solartechnikherstellers SMA. Das Unternehmen will das neue Repair- und Logistikcenter, das am nördlichen Stadtrand an der Autobahn angesiedelt wird, Ende des Jahres in Betrieb nehmen. © dpa
2012: SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon gibt am 18. Oktober bekannt, sich von 600 Zeitarbeitern zu trennen sowie weltweit 450 der 5700 Stellen abzubauen.
2012: SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon gibt am 18. Oktober bekannt, sich von 600 Zeitarbeitern zu trennen sowie weltweit 450 der 5700 Stellen abzubauen. © dpa
Zum Jahresende kündigt der Kasseler Personaldienstleister Team-Time GmbH die langjährige Zusammenarbeit mit  SMA. Team-Time-Chefin Ute Urbon nennt als Grund gesundheitliche Probleme. Die 45-Jährige ist mit SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon verheiratet. SMA war Hauptkunde von Team-Time. Zukünftig holt der Wechselrichterriese seine Leiharbeiter von dem Bielefelder Personaldienstleister Piening. Auch Piening- und SMA-Mitarbeiter sind verheiratet. Das sorgt für Spekulationen über Vetternwirtschaft bei SMA.
Zum Jahresende kündigt der Kasseler Personaldienstleister Team-Time GmbH die langjährige Zusammenarbeit mit SMA. Team-Time-Chefin Ute Urbon nennt als Grund gesundheitliche Probleme. Die 45-Jährige ist mit SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon verheiratet. SMA war Hauptkunde von Team-Time. Zukünftig holt der Wechselrichterriese seine Leiharbeiter von dem Bielefelder Personaldienstleister Piening. Auch Piening- und SMA-Mitarbeiter sind verheiratet. Das sorgt für Spekulationen über Vetternwirtschaft bei SMA. © dpa
2012: Mitte November gärt der Verdacht über Mauscheleien bei SMA weiter. Diesmal gerät eine langjärhige Betriebsrätin in den Fokus. Sie soll neben ihrer Tätigkeit bei SMA im Vorstand eines Logistikunternehmens sitzen, das regelmäßig Aufträge von SMA bekommt. Vorstand und Betriebsrat lehnten eine Stellungnahme zu dem Thema ab.
2012: Mitte November gärt der Verdacht über Mauscheleien bei SMA weiter. Diesmal gerät eine langjährige Betriebsrätin in den Fokus. Sie soll neben ihrer Tätigkeit bei SMA im Vorstand eines Logistikunternehmens sitzen, das regelmäßig Aufträge von SMA bekommt. Vorstand und Betriebsrat lehnten eine Stellungnahme zu dem Thema ab. © dpa
2012: Auf dem Heimatmarkt hat SMA schwer zu kämpfen. Das Unternehmen sucht das Heil daher in der Erweiterung. Mit Produkten der Niestetaler soll künfig auch in Südafrika und Chile Strom gemacht werden. Außerdem kauft SMA 72,5 Prozent seines chinesischen Konkurrenten Jiangsu Zeversolar New Energy Co. 
2012: Auf dem Heimatmarkt hat SMA schwer zu kämpfen. Das Unternehmen sucht das Heil daher in der Erweiterung. Mit Produkten der Niestetaler soll künfig auch in Südafrika und Chile Strom gemacht werden. Außerdem kauft SMA 72,5 Prozent seines chinesischen Konkurrenten Jiangsu Zeversolar New Energy Co.  © SMA
2013: Die Krise bei SMA schlägt voll auf die Finanzen von Niestetal durch: Für das laufende Jahr erwartet die Gemeinde nur Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von insgesamt 2,2 Mio. Euro. Im Boom-Jahr 2010 hatte der hohe Gewinn des Solartechnikherstellers noch 38 Mio. Euro in die Gemeindekasse gespült. Die Folgen des Absturzes sind dramatisch: Für 2013 rechnet Bürgermeister Andreas Siebert (SPD) mit einem Fehlbetrag von 5,7 Mio. Euro.
2013: Die Krise bei SMA schlägt voll auf die Finanzen von Niestetal durch: Für das laufende Jahr erwartet die Gemeinde nur Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von insgesamt 2,2 Mio. Euro. Im Boom-Jahr 2010 hatte der hohe Gewinn des Solartechnikherstellers noch 38 Mio. Euro in die Gemeindekasse gespült. Die Folgen des Absturzes sind dramatisch: Für 2013 rechnet Bürgermeister Andreas Siebert (SPD) mit einem Fehlbetrag von 5,7 Mio. Euro. © HNA
2013: SMA will sich gesund schrumpfen. Um die 1000 Jobs stehen auf der Kippe. Selbst der Betriebsrat will sich dem nicht entgegenstellen. Er will allerdings drauf achten, dass so wenig Mitarbeiter wie möglich gehen müssen.
2013: SMA will sich gesund schrumpfen. Um die 1000 Jobs stehen auf der Kippe. Selbst der Betriebsrat will sich dem nicht entgegenstellen. Er will allerdings drauf achten, dass so wenig Mitarbeiter wie möglich gehen müssen. © dpa
2013: Im Mai wird das Smart-Home-System von SMA mit dem Hessischen Staatspreis für Energie-Informations-Kommunikations-Technik ausgezeichnet. Mit dem System können Privatkunden selbst produzierten Solarstrom direkt im Haushalt verbrauchen.
2013: Im Mai wird das Smart-Home-System von SMA mit dem Hessischen Staatspreis für Energie-Informations-Kommunikations-Technik ausgezeichnet. Mit dem System können Privatkunden selbst produzierten Solarstrom direkt im Haushalt verbrauchen. © SMA
Mai 2013: Als Weg aus der Krise will SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon den Solartechnikhersteller zum Energiemanagement-Unternehmen umbauen. Er sehe in der Weiterentwicklung des Energiemanagements von Geräten einen Weg aus der Krise der Solarbranche. SMA Solar arbeite an einem Baukastensystem, das dem in der Autoindustrie ähnelt. Damit sollen Kosten reduziert und das Innovationstempo erhöht werden. © picture alliance / dpa
2014: Die Talfahrt des Niestetaler Solartechnik-Produzenten SMA hält an: In den ersten neun Monaten des Jahres brach der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22,5 Prozent auf 549,3 Millionen Euro ein. © dpa
2014: Anfang Dezember fällt die SMA-Aktie so tief wie noch nie: Das Unternehmen hat zum zweiten Mal in 2014 seine Umsatz- und Ergebnisprognose nach unten korrigiert. Der Wechselrichter-Hersteller rechnet mit einem Verlust von bis zu 115 Mio. Euro. Die SMA-Aktie brach daraufhin um gut 23 Prozent auf ein neues Tief von 15,36 Euro ein. © dpa
2015: SMA hat einen neuen Vertriebsvorstand. Martin Kinne organisiert ab Januar den weltweiten Verkauf und Service. Er löst in dieser Funktion Pierre-Pascal Urbon ab, der dieses Mandat als Vorstandssprecher seit Juni 2014 kommissarisch ausübte. © hna.de
2015: Der SMA-Mitbegründer, Aufsichtsratsvorsitzende und langjährige Vorstandssprecher Günther Cramer ist tot. Er starb am 6. Januar nach einer schweren Krebserkrankung nur drei Wochen nach seinem 62. Geburtstag. Cramer war Elektro-Ingenieur und einer der Wegbereiter der Energiewende. © HNA
2015: SMA gibt im Januar bekannt, dass 1600 der fast 4700 Stellen abgebaut werden sollen, davon 1300 in Deutschland. Vor allem Kassel und Niestetal werden betroffen sein. Grund dafür ist der dramatische Absatzeinbruch von 932 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 790 Millionen Euro in 2014. © Uwe Zucchi

Herr Urbon, SMA will mehr als 1000 Stellen abbauen und schließt im nächsten Jahr erstmals einen Verlust nicht aus. Ist die Erfolgsgeschichte vorbei?

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Urbon: Auf keinen Fall. SMA ist klar Weltmarkt- und Technologieführer für Solarwechselrichter. Deswegen investieren wir 2013 rund 100 Millionen Euro in die Entwicklung neuer Produktplattformen und Technologien und schaffen die Perspektive für die Zukunft.

Wie wollen Sie dem anhaltenden Nachfragerückgang nach Solaranlagen und damit auch nach ihren Wechselrichtern begegnen?

Urbon: Wir werden unsere Technologie in Richtung Energie-Management und Hybridsysteme weiterentwickeln. Unsere Vision ist es, dass private Haushalte sich selbst mit Solarstrom versorgen können. Dafür haben wir die Technologie. Außerdem werden wir unsere Internationalisierungsstrategie konsequent fortführen. Wir haben die lokalen Wurzeln in diesem Jahr weiter gestärkt durch Neugründungen in Japan, Chile und Südafrika. Künftig werden wir die außereuropäischen Aktivitäten weiter ausbauen. So werden wir von einzelnen europäischen Märkten wie dem deutschen unabhängiger.

Das ändert aber nichts daran, dass wir im Wechselrichtermarkt enorme Überkapazitäten haben, was auf die Preise drückt. Wie lange können Sie mit ihren vergleichsweise hochpreisigen Produkten mithalten?
Urbon: Die Branche ist in der Tat einem enormen Preisdruck ausgesetzt. Unsere Strategie ist es, mit innovativen Technologien die Material- und Herstellkosten noch weiter zu reduzieren. Deshalb konzentrieren wir uns auf ganz neue Produktplattformen, die wir 2014 auf den Markt bringen werden.

Es ist eine Frage der Zeit, dass Billiganbieter aus Fernost in den Wechselrichtermarkt drängen. Wie wappnen Sie sich dagegen?
Urbon: Unsere Wechselrichter sind High-Tech-Produkte. Es geht nicht nur darum Gleich- in Wechselstrom zu wandeln, sondern vor allem auch, Energie intelligent zu speichern und zu managen, Wärmepumpen zu steuern und die Elektromobilität zu unterstützen. All das werden mit unseren neuen Produkten und dem Sunny Home Manager anbieten. Die Energiewende erfordert innovative Energiesystemtechnik, und die haben wir. Das ist ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal gegenüber dem Wettbewerb.

Sie wollen sich von 600 Zeitarbeiter trennen und 450 der 5700 festen Stellen abbauen. Wo genau und wie?

Urbon: Der Stellenabbau ist keine leichte Entscheidung für uns. Von den 600 Zeitarbeitern sind 400 im Inland und 200 im Ausland beschäftigt. Deren Verträge laufen schrittweise aus. Beim Abbau der 450 festen Stellen sind 350 in Nordhessen sowie 100 im Ausland betroffen. Den Mitarbeitern werden Abfindungsangebote gemacht.

Ist das dann das Ende der Fahnenstange oder müssen wir uns auf weitere böse Überraschungen einstellen?

Urbon: Aus heutiger Sicht sollte es keine bösen Überraschungen mehr geben, wenn sich die Marktlage nicht erneut dramatisch ändert.

Was bedeutet das alles für die Investitionspläne in der Region?
Urbon: Wir werden auch unsere Investitionen anpassen. Das heißt, wir werden keine Neubauprojekte initiieren und uns auf das unbedingt Notwendige beschränken.

Wann wird SMA wieder in die Gewinnzone zurückfinden?

Urbon: Ich bin fest davon überzeugt, dass wird zur Profitabilität zurückkehren, wenn wir unsere strategischen Pläne umsetzen. Das kann bereits im Jahr 2014 der Fall sein.

Pierre-Pascal Urbon

Das Unternehmen hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, dass im kommenden Jahr ein Umsatzeinbruch um bis zu 40 Prozent zu befürchten ist. Das entspricht 900 Millionen bis 1,3 Milliarden Euro. Noch schlimmer trifft es demnach die Ergebnisseite. „Im besten Fall“ rechnet Urbon 2013 „mit einem ausgelichenen operativen Ergebnis“ (Ebit). Sogar ein Minus sei denkbar, so die Aussage von Donnerstgabend „Einen Verlust können wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausschließen“, so Urbon weiter.

SMA aktuell:

- Krise erreicht SMA: 1000 Mitarbeiter müssen gehen

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- Nach Umsatz- und Gewinnwarnung: Aktien von SMA Solar abgestürzt

Als Grund für die dramatische Entwicklung führte Urbon am Donnerstagabend die massive Solarförderkürzung in Deutschland und Europa sowie den zunehmenden Preisdruck auch im Bereich der Wechselrichter an. Diese Geräte wandeln in Solarzellen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom um. Die außereuropäischen Wachstumsimpulse reichten nicht aus, den Nachfragerückgang in Europa auszugleichen. 2010 hatte SMA auf dem Höhepunkt des Solarbooms bei einem Umsatz von 1,92 Mrd. Euro operativ (also vor Zinsen und Steuern) fast 517 Mio. Euro verdient. (jop/rpp)

SMA-Servicezentrum auf dem Sandershäuser Berg

SMA-Servicezentrum auf dem Sandershäuser Berg © HNA/Schindler
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