Alte Materialien bei Sanierung benutzt

Daniel Keller bewahrte Bauernhof in Wellerode vor dem Abriss 

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In Arbeit: Daniel Keller und seine Lebensgefährtin Conny Schröder vor dem alten Bauernhof, den sie vor dem Abriss bewahrt und komplett saniert haben.

Söhrewald. Als Daniel Keller einen alten Bauernhof in Wellerode kaufte, schüttelten viele Leute den Kopf. Eigentlich sollte das Gebäude abgerissen werden. Jetzt wird es saniert.

Als Daniel Keller den alten Bauernhof an der Oberen Bergstraße in Wellerode kaufte, schüttelten viele Leute im Ort den Kopf. Jahrelang stand der Hof leer, verfiel langsam – und sollte eigentlich abgerissen werden. „Nach Abriss Grundstück zu verkaufen“ stand auf einem Schild auf dem Hof. Keller kaufte den Gebäudekomplex und entschied sich dafür, das historische Gemäuer komplett zu sanieren.

Zunächst habe er den alten Bauernhof auch abreißen und das Grundstück neu bebauen wollen, berichtet Keller. Doch das sei zu teuer geworden. Mit einem befreundeten Zimmermann hat er sich das Haus und die Scheune schließlich genauer angesehen und entschieden, alles wieder auf Vordermann zu bringen. Gut einen Meter hoch habe der Schutt im Haus gelegen, Elektrik und Wasser gab es nicht mehr, manche Decken seien kurz vorm Herunterfallen gewesen.

„Ich wollte so gut es geht die alten Materialien wieder nutzen“, sagt der Schreinermeister. Ob Steine oder Dachziegeln, selbst 200 Jahre alten Lehm hat er wieder aufgearbeitet. „Das ist in etwa so, als würde man an einem Fossil arbeiten“, sagt Keller. In einem Fachwerkhaus hat er zuvor nie gelebt, das Wissen um die alten Handwerkstechniken hat er sich selbst angeeignet.

Großteil allein bewältigt

Die Arbeiten in einer Etage sind bereits abgeschlossen. Dort lebt das Paar derzeit, bevor es in die obere Etage umzieht.

Den Großteil der Arbeiten, die anstanden, hat Daniel Keller allein bewältigt. Ein Dachdecker habe ihm das Dach neu eingedeckt, sein Vater und seine Lebensgefährtin Conny Schröder sowie deren Sohn helfen außerdem regelmäßig mit. „Wir sind bis an die Basis gegangen“, sagt er. Von Grund auf wurde der alte Hof auf Vordermann gebracht, alte Balken wurden verstärkt, die Dämmung entspricht der Energieeinsparverordnung, sagt der 50-Jährige. Geheizt wird jetzt mit Holz und Elektro. 

Beim Umbau in der oberen Etage des Wohnhauses ist ein Balken von 1800 aufgetaucht, als das Haus gebaut wurde. Dadurch stellte Keller fest, dass der Hof von einem seiner Vorfahren gebaut wurde. Für den Bauherrn war das ein ganz besonderer Moment.

160 Tonnen Schutt haben Keller und seine Helfer in den vergangenen gut zwei Jahren aus dem alten Gebäude geholt. Nun nähert sich der Umbau seinem Ende. Im Mai 2016 ist Keller mit seiner Lebensgefährtin in die etwa 60 Quadratmeter große Wohnung im Erdgeschoss eingezogen. Sobald die obere, 140 Quadratmeter große Etage fertig ausgebaut ist, zieht das Paar dorthin und überlässt Schröders Sohn die kleinere Wohnung.

Um im oberen Stock genug Platz zu schaffen, wurden eigens Balken höher gelegt. Die original Treppe, handbehauene Eiche, bleibt erhalten. In der Scheune, wo früher Tiere gehalten wurden, ist bereits die Schreinerwerkstatt von Keller untergebracht, aus der früheren Schlachteküche im Haus wird der Eingangsbereich entstehen.

Heruntergekommen: Als die Bauarbeiten am alten Hof anfingen, war er verwahrlost und abrissreif.

Rund 200.000 Euro hat Keller in die Sanierung investiert, gut 35 Prozent werden aus Mitteln der Dorferneuerung gefördert, denn Wellerode ist im Förderprogramm des Landes und Mittel sind auch für Privatpersonen abrufbar. Gekostet hat das Projekt auch viel Schweiß und Daniel Kellers gesamte Freizeit. „Ich wusste aber, was da auf mich zukommen kann“, sagt er. Und auch wenn es kleinere Rückschläge gab: „Die Freude überwiegt eindeutig. Aus einer Ruine ist ein Schmuckkästchen geworden.“

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