Kind leidet unter Gendefekt

Eltern kämpfen um Integrationsplatz für Dreijährigen in Wellerode

Auf Hilfe angewiesen: Mutter Jennifer Jodat (22), Sohn Luca (3 Jahre) und Vater Dennis (28) Jodat wohnen in Wellerode. Sie hoffen, dass Luca einen Integrationsplatz in ihrem Wohnort bekommt. Aufgrund eines Gendefekts muss Luca nachts an eine Beatmungsmaschine. Foto: Uminski

Söhrewald. Von ihrer Gemeinde im Stich gelassen fühlen sich Jennifer und Dennis Jodat aus Wellerode.

Ihr dreijähriger Sohn Luca leidet seit seiner Geburt unter einem seltenen Gendefekt und muss nachts von einer Maschine beatmet werden. „Im Schlaf hört er einfach auf zu atmen“, sagt die 22-jährige Mutter. Wichtig für Luca sei, dass er einen geregelten Tagesablauf hat. Daher war es für die jungen Eltern wichtig, dass ihr Sohn auch während der Streikzeit der Erzieher in Söhrewald einen Kindergartenplatz in der Notfallbetreuung bekommt. Das war jedoch nicht der Fall.

Schon lange kämpfen die Eltern für einen Kindergartenplatz in ihrem Wohnort in Wellerode für ihren Sohn, der aufgrund seiner Behinderung einen Integrationsplatz benötigt. Als Luca noch eine Tagesmutter hatte, kümmerte sich die 22-jährige Mutter um einen Kindergartenplatz. Die Gemeinde habe ihr damals einen Platz zugesagt, sagt Jennifer Jodat.

„Als ich dann auf der Gemeinde war, um den Antrag abzugeben, wurde dieser vor meinen Augen mit einem roten Stift durchgestrichen“, so die Mutter. Die Gemeinde begründete dies damit, dass man keinen Platz mehr für ein Integrationskind habe, so die 22-Jährige. „Wir fühlen uns im Stich gelassen.“

Stattdessen fanden die verzweifelten Eltern im Nachbarort Wattenbach einen Kitaplatz für Luca - allerdings geht die Betreuung dort nur bis 14 Uhr. Ein Problem für Jennifer Jodat, denn die junge Mutter muss täglich nach Hofgeismar zur Arbeit pendeln und kann Luca erst gegen 15 Uhr abholen. „Jetzt müssen die Omas Luca jeden Tag abholen, das war so nie geplant“, sagt sie.

Verärgert über diese Situation ist auch Ehemann Dennis Jodat. „Wir sind auf den Bürgermeister zugegangen, um nach einer Lösung zu suchen - er hat uns abblitzen lassen“, sagt der 28-jährige Berufskraftfahrer.

Michael Steisel

Die ganze Geschichte sei durch den Kita-Streik wieder hochgekommen, so der Vater. „Wir haben das Gefühl, dass es der Gemeinde zu viel ist, dass wir ein Kind mit Behinderung haben.“ Dabei hätten nach Angaben der Eltern die Erzieher im Streik-Notdienst keine Arbeit mit Luca gehabt. „Die Pflegekraft ist eh die ganze Zeit bei ihm und kümmert sich.“

Überrascht über die Reaktion der Eltern zeigte sich Bürgermeister Michael Steisel (SPD) auf Nachfrage der HNA. „Wir haben in Gesprächen mit den Eltern gespürt, dass ein Einverständnis herrscht.“ Man habe alles Mögliche getan, um der Familie Jodat entgegenzukommen, sagte der Rathauschef. Die Kindergartengruppen in Wellerode seien mit Integrationskindern ausgelastet. „Die Aufnahme des Kindes Jodat in Wellerode hätte bedeutet, dass ein anderes Integrationskind, das bereits seit einem Jahr in Wellerode betreut wird, nach Wattenbach hätte gehen müssen.“ Die Alternativen hätten Nachteile für andere Kinder bedeutet.

Die Betreuung der Integrationskinder während der Streikzeit war aus „pädagogischer Sicht“ der Erzieherinnen nicht möglich. „Es ist dann schwierig den Einzelfall zu prüfen“, so Steisel.

Von Johanna Uminski

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