Forschungsprojekt

Uni Göttingen stellt Kameras auf: Luchse sollen in Fotofallen tappen

+
Geheimnisvoll: Wie viele Luchse genau in den Wäldern südöstlich von Kassel leben, ist bis heute unbekannt.

Kaufungen/Söhrewald. Dass im Kaufunger Wald und in der Söhre Luchse leben, ist seit Längerem bekannt. Doch wie viele Pinselohren genau die ausdehnten Waldgebiete durchstreifen, ist ungeklärt.

Zwar gibt es immer wieder Begegnungen zwischen Luchsen und Menschen - zuletzt entdeckte ein Mountainbiker Ende September am Franzosentriesch bei Wellerode eine der Großkatzen und filmte sie auch. Doch ob es sich bei den Aufeinandertreffen immer wieder um dieselben oder um verschiedene Tiere handelt, darüber rätseln selbst die Forstleute.

Aufschluss über die Anzahl der Luchse soll nun ein Forschungsprojekt der Universität Göttingen bringen, das Anfang November beginnt: Die Wissenschaftler werden über einen Zeitraum von einem Jahr in drei aneinandergrenzenden Untersuchungsgebieten für die Dauer von jeweils vier Monaten 20 Fotofallen aufstellen.

Nach Auskunft von Dr. Markus Port, Verhaltensökologe am Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie der Uni Göttingen, kommen bei der Untersuchung Spezialapparate zum Einsatz. Die Fotofallen ermöglichen es, Luchse anhand ihrer charakteristischen Fellzeichnung individuell zu identifizieren. „Auf diese Weise werden wir hoffentlich in der Lage sein, die minimale Anzahl der im Untersuchungsgebiet lebenden Luchse schätzen zu können“, sagte der Wissenschaftler.

Die Luchse in den nordhessischen Wäldern stellen nach Auskunft Ports ein „wichtiges Bindeglied“ zwischen den Beständen der Großkatzen im Harz und im Bayerischen Wald dar.

Fotofalle: Die Spezialkamera ist in der Lage, Luchse anhand ihrer Fellzeichnung zu identifizieren.

Martina Denk vom Arbeitskreis Hessenluchs erwartet von dem Forschungsprojekt Erkenntnisse zu der Frage, ob in Nordhessen langfristig ein stabiles Vorkommen an Luchsen entsteht. Man weiß: Bereits 2009 wanderte ein mit einem Sender versehener Jungluchs aus dem Harz nach Nordhessen ein. In dem niedersächsischen Mittelgebirge rund 100 Kilometer nordöstlich von Kassel läuft seit Jahren erfolgreich ein Wiederansiedelungsprojekt.

Es sei durchaus möglich, dass nicht nur Luchse, sondern auch Menschen in die Fotofallen tappen, räumte Wissenschaftler Port ein. Bilder der Spezialkameras, auf denen Menschen zu sehen sind, würden aus Datenschutzgründen aber sofort gelöscht.

Von Peter Ketteritzsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.