Nichts für schwache Nerven: Besuch auf Windrad in 150 Metern Höhe

Söhrewald/Kassel. Schwindelfrei muss man schon sein, und Platzangst sollte man auch nicht haben:

Wir begaben uns mit Technikern der Städtischen Werke in die schwindelnde Höhe eines Windrads in der Söhre - genauer zum Maschinenhaus 150 Meter über dem Boden, wo sich die Nabe mit den Rotorflügeln dreht.

Das Herzstück der Anlage: Zwei Mitarbeiter inspizieren den Generator im Maschinenhaus, in dem die Energie der Drehbewegung in Strom umgewandelt wird.

Der erste Gedanke: gigantisch! Es ist, als stünden wir auf einem Jumbojet im Landeanflug: 150 Meter über dem Boden, nur mit kräftigen Gurten gesichert. Der 56 Meter lange Rotorflügel der Windkraftanlage vor unserer Nase senkt sich sachte im Wind. Der bläst moderat mit 4,8 Meter pro Sekunde, Windstärke 3. Schräg voraus liegt die Bergshäuser Brücke unter uns.

Wir befinden uns auf dem Dach eines der fünf Windräder im Windpark in der Söhre. Genauer: auf dem Maschinenhaus von Anlage 2 - in 150 Meter Höhe, das entspricht der Spitze des Kölner Doms. Schwindelfreiheit ist hier Voraussetzung, ein Geländer gibt es nicht.

Herrliche Rundumsicht 

Blick vom Maschinenhaus: Links ist einer der 56 Meter langen geschwungenen Rotorflügel zu sehen, der sich zum roten Querstreifen hin verjüngt. Im Hintergrund in der Bildmitte fließt die Fulda, die von der Bergshäuser Brücke überspannt wird.

Vorsichtig sind wir aus der Luke im Dach gestiegen. Haben als Erstes den starken Karabinerhaken festgeklinkt, der mit unserem Auffanggurt verbunden ist. Passieren kann nun eigentlich nichts mehr. Ein erster tastender Blick in die Weite. Die Rundumsicht ist trotz des wolkigen Himmels eindrucksvoll. Vor uns liegt Kassel, rechts herum sieht man weit über Kaufunger Wald, Meißner, die Söhre, schließlich den Habichtswald. Die frische Brise sorgt für angenehme Kühlung.

Ganz anders im Innern des 193 Tonnen schweren Maschinenhauses, an dem sich der Rotor mit den drei Windflügeln dreht. Hier ist es brütend heiß. Der riesige Generator, der von der Welle und dem nachgeschalteten Getriebe angetrieben wird, erzeugt den Strom, aber eben auch viel Wärme und muss dauernd gekühlt werden.

Seil für die Selbstrettung 

An der Wand hängen zwei Feuerlöscher für den Fall der Fälle. Denn wenn es hier oben brennen sollte, sind sämtliche Feuerwehren machtlos: So lang ist keine Drehleiter. Dann hülfe nur Selbstrettung. Ein 150 Meter langes Rettungsseil ist daher immer dabei. Mit ihm könnte man sich notfalls in die Tiefe abseilen - doch allein der Gedanke daran lässt einen gruseln. Die Monteure der Städtischen Werke müssen einen Höhenrettungskurs absolviert haben. Einmal im Jahr wird geübt.

Hier finden Sie eine 360-Grad-Panorama-Ansicht

Schon der Weg vom Boden nach oben hatte es in sich. In einem Mini-Aufzug wurden wir im Turminnern von einem kleinen Elektromotor in die Höhe gezogen. Zwei Personen passen in die weniger als einen Quadratmeter enge Box. Sieben lange Minuten geht es im Schlingergang nach oben, endet der Blick durch das Gitter an den sich langsam verjüngenden Wänden des Stahlturms.

Doch der Aufenthalt in schwindelnder Höhe entschädigt für das mulmige Gefühl. Was bleibt, ist Hochachtung vor dieser Ingenieurskunst: Sie ermöglicht Strom für Tausende Haushalte, dem Wind in großer Höhe abgerungen.

Besuch auf einer Windkraftanlage in der Söhre

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