Städtische Werke sehr zufrieden

Windpark Söhrewald: Rotoren drehten sich an 314 Tagen

+
Dunkle Wolken, kräftiger Wind: Alle fünf Anlagen des Windparks auf dem Warpel in der Söhre drehen sich. Doch das ist nicht immer so, öfter steht eine der Anlagen still, während die anderen in Betrieb sind. Die Städtischen Werke haben jetzt Zahlen zur Verfügbarkeit der Anlagen vorgelegt. Demnach standen die Rotoren insgesamt umgerechnet an 51 Tagen des vergangenen Jahres still. 

Söhrewald / Kassel. Der Windpark Söhrewald / Niestetal ist seit Anfang 2014 am Netz. Die Städtischen Werke haben jetzt Zahlen für das erste Betriebsjahr - 2014 - vorgelegt.

Wie fällt die Bilanz 2014 für den Windpark aus?

Laut Städtischen Werken sehr positiv. Die beiden Standorte des Windparks mit sieben Anlagen - fünf Rotoren in der Söhre, zwei am Sandershäuser Berg - haben sich als gute Windstandorte bewährt.

Wie viel Strom wurde erzeugt?

Die Anlagen lieferten zusammen 43,42 MWh elektrische Energie - genug zur Versorgung von 10 855 Drei-Personen-Haushalten. Geplant waren allerdings 44,96 MWh.

Warum sind die Werke trotzdem zufrieden?

Sie verweisen darauf, dass in der Bilanz drei außerordentliche Faktoren negativ zu Buche geschlagen haben: So gingen die beiden Anlagen in Niestetal erst mit zwei Monaten Verspätung ans Netz. Darüber hinaus sorgten zwei Blitzeinschläge für wochenlange Ausfälle in der Söhre. Und schließlich habe der Wind 2014 schwächer geweht als im langjährigen Durchschnitt. Wenn man diese Sonderbelastungen herausrechne, liege man über dem Soll, meint Werke-Sprecher Ingo Pijanka.

Hat sich die Technik der 196 Meter hohen Anlagen bewährt?

Ja, die technische Verfügbarkeit der Anlagen betrug 97,3 Prozent.

Ein Jahr hat 8760 Stunden, an wie vielen Stunden wurde 2014 denn wirklich Strom erzeugt?

Der Windpark hat an 7517 Stunden Strom produziert und ins Netz abgegeben, das ist eine Rate von 86 Prozent. An 14 Prozent der Stunden eines Jahres wurde kein Strom erzeugt, das bedeutet: Rechnerisch standen die Anlagen also an 51 Tagen im Jahr still, an 314 Tagen wurde Strom produziert.

51 Tage Stillstand - das hört sich viel an. Gibt es Vergleichszahlen?

Ja, ältere und schwächere Anlagen haben Stillstandszeiten von fünf Prozent. Bei den neuesten 3-Megawatt-Anlagen - wie in der Söhre - liegen die Stillstandzeiten jedoch bei 15 Prozent. Das Bundesumweltministerium fördert Forschungen, um die Stillstandszeiten zu erforschen und zu reduzieren.

Was sind konkrete Gründe für die Stillstände in der Söhre und am Sandershäuser Berg?

Die Werke nennen drei Gründe: Wartungszeiten, die genannten Zerstörungen durch Blitzschläge und vor allem zu schwacher, selten auch zu starker Wind. Denn die Anlagen brauchen Wind von mindestens 8 km/h (Windstärke 2), um Strom zu erzeugen. Bläst der Wind stärker als mit 90 km pro Stunde (Windstärke 10), wird die Nabe aus Sicherheitsgründen aus dem Wind gedreht.

Im Windpark in der Söhre beobachtet man immer wieder, dass die Rotoren leicht unterschiedlich ausgerichtet sind. Was ist der Grund?

Jede Anlage wird separat durch einen eigenen Rechner gesteuert, er befindet sich im Mastfuß. Dort werden Windrichtung und Windstärke, die oben an jeder Anlage kontinuierlich gemessen werden, ausgewertet; entsprechend wird die Flügelstellung den Windverhältnissen automatisch angepasst. Darüberhinaus ist auch eine Fernsteuerung aus der Leitstelle der Städtischen Werke im Betriebshof-Ost möglich.

Wenn der Wind schwach weht, drehen sich manchmal einige der Anlagen, andere nicht. Warum?

Das hängt mit der Abschattung zusammen. Der Windpark in der Söhre hat einen Abschattungsgrad von sechs Prozent in Hauptwindrichtung Süd-West. Das heißt, bei Schwachwind beginnen erst die vorderen Räder zu laufen. nimmt der Wind dann zu, laufen auch die hinteren an.

Immer wieder werden Abschaltungen wegen Netzüberlastung kritisiert ...

Das spielte beim Windpark Söhrewald / Niestetal keine Rolle. Laut Werke-Sprecher Pijanka wurden die Anlagen im Jahr 2014 „null Minuten“ wegen Netzengpässen abgeschaltet. Der gesamte Strom sei im Kasseler Netz auch verbraucht worden.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.