Aufeinandertreffen mit Schäferhunden

Wurde Luna totgehetzt? Hund flüchtete vor Schäferhunden

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Hat Malteser-Hündin Luna mit ihrem Mann im Garten beerdigt: Kerstin Musick (28) war am Montag in den Feldern bei Wattenbach mit ihrer Luna Gassi unterwegs. Wenig später starb die Hündin. 

Söhrewald. Schnuppern, vielleicht ein bisschen knurren und testen, wer stärker ist: Wenn Hunde aufeinandertreffen, geht’s oft friedlich zu. Nicht so am Montagabend in Wattenbach.

Mit ihren Herrchen und Frauchen trafen zwei Schäferhunde nahe der Grillhütte auf einen Malteser – der kleinere Hund sollte dieses Treffen nicht überleben. Wir haben beide Parteien gehört und uns die Geschehnisse schildern lassen.

Die Besitzerin des Maltesers

Kerstin Musick hat sich am Mittwoch bei der HNA gemeldet. Sie ging laut eigener Angabe mit ihrem Malteser Luna bei der Grillhütte Gassi. Die dreieinhalbjährige Hündin hatte sie nicht angeleint. „Luna war gut erzogen“, betont die 28-Jährige aus Wattenbach. Plötzlich seien zwei Schäferhunde um die Ecke gekommen – ebenfalls ohne Leine. „Schon in dem Moment hatte ich das Gefühl, dass die Hunde angriffslustig waren.“ 

Die Beiden seien auf ihren Malteser zugerannt und hätten ihn vor ihren Füßen attackiert. „Ich habe noch kurz überlegt, ob ich den Hund hochnehme“, sagt die 28-Jährige. Sie habe sich aber dagegen entschieden, auch um ihr Baby zu schützen. Musick ist im siebten Monat schwanger.

Die Schäferhunde hätten ihren Hund unter sich begraben – doch Luna habe sich losreißen können und sei weggerannt, während Musick angibt, laut um Hilfe geschrien zu haben. „Sie sind hinter Luna her gerannt und haben haben immer wieder zugebissen“, sagt die junge Frau. Die Besitzer der Hunde – inzwischen aufgetaucht – hätten nach den Hunden gerufen, doch die hätten nicht gehört. Als die Schäferhunde dann abließen, habe Luna reglos in einem Graben gelegen. „Das Frauchen des Schäferhunds hat Luna hochgehoben, gesagt sie atme noch.“ 

Luna sei trotzdem an Ort und Stelle gestorben. „Ich glaube, die Schäferhunde haben Luna das Genick gebrochen.“ Sie fragt: „Was hätte passieren können, wenn ich meine zweijährige Tochter dabei gehabt hätte?“ Mittlerweile habe sie Angst, mit ihrer Tochter das Grundstück zu verlassen, schließlich laufe in Wattenbach so mancher Hund ohne Leine herum. Am Dienstagabend habe sie Luna mit ihrem Mann im Garten beerdigt.

Starker Beschützerinstinkt bei Schäferhunden

Die Besitzer der Schäferhunde – die anonym bleiben möchten – räumen ein, dass ihre Tiere ebenfalls nicht angeleint waren: „Wir machten unseren Spaziergang und unsere beiden liefen frei herum“, sagen sie. Dann wären die Tiere auf eine Frau zugelaufen, die ebenfalls mit ihrem Hund Gassi ging. „Der stellte sich bellend vor sein Frauchen“, sagt der Schäferhundbesitzer. „Ich nehme an, dass unsere Schäferhunde die Frau vor dem kleineren Tier behüten wollten. Sie haben so einen starken Beschützerinstinkt.“ Zugebissen hätten sie allerdings nicht, betont er.

„Fakt ist aber dennoch, dass unsere Hunde den kleineren Hund gehetzt haben“, sagt die Besitzerin. „Als ich neben ihnen stand, haben die Schäferhunde von dem weißen Hund abgelassen.“ Sie habe das Tier hochgehoben: „Er hatte noch einen Pulsschlag und das habe ich der Frau auch gesagt, doch sie wollte nicht hören und hat nur geschrien.“ Die Schäferhundbesitzerin habe keine Wunden finden können und noch versucht, das Tier mit Herzmassagen zurückzuholen. Doch vergebens: „Der Hund starb in meinen Armen“, sagt sie.

„Ja, unsere Beiden haben den Malteser offenbar zu Tode gehetzt und Mist gebaut“, sagt der Besitzer. „Was da am Montagabend passiert ist, tut uns sehr Leid.“

Die Besitzer hätten sich sowohl bei der Polizei, als auch bei der Versicherung gemeldet, um den Fall zu schildern. „Die haben gesagt, dass beide Parteien einen solchen Vorfall billigend in Kauf genommen haben, als wir unsere Hunde nicht anleinten.“ Es sei ein trauriger Vorfall.

Das sagt die Polizei

"Keine Hinweise auf Bissspuren"

„Wir können bestätigen, dass ein Malteser-Hund am Montagabend bei Wattenbach möglicherweise von zwei Schäferhunden gehetzt wurde“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner auf HNA-Nachfrage. Der Vorfall habe sich gegen 19 Uhr ereignet und sei gegen 21 Uhr schließlich der Polizei gemeldet worden. Werner betont: Alle drei Hunde seien unangeleint gewesen. 

Der Malteser, so bestätigt Werner, kollabierte nach der Jagd durch die größeren Tiere in einem Bach und sei dort wahrscheinlich durch die Überlastung an Ort und Stelle gestorben. Bissspuren habe es keine gegeben. Zu den beiden Schäferhunden seien bei der Polizei bislang keine Meldungen eingegangen – auch ihre Besitzer seien nicht bekannt. „Wir haben auch keine Hinweise, dass bei der ganzen Sache irgendein Vorsatz vorlag. Somit besteht kein Verdacht auf eine Straftat auf beiden Seiten“, sagt der Polizeisprecher. „Es handelt sich um einen tragischen Unfall.“ 

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