Stellberg-Loipe in Söhrewald steht vor dem Aus

Sechs Kilometer durch die Winterwald-Idylle: Noch im Februar dieses Jahres schauten (von links) Werner Glöckner, Werner Krug und Reinhard Kranz, alle drei begeisterte LTG-Langläufer, mit Zuversicht in die Zukunft. Jetzt steht die 30 Jahre lang mühsam gepflegte Stellbergloipe im Söhrewald vor dem Aus. Foto: Wohlgehagen

Söhrewald. Über 100 Besucher kamen bei geeigneter Schneelage täglich zur rund sechs Kilometer langen Piste in Söhrewald. Nun steht die Stellberg-Loipe vor dem Aus.

30 Jahre lang hat die Lauftreffgemeinschaft (LTG) Fuldabrück die weithin bekannte Langlaufloipe mit Start- und Endpunkt nahe des Wanderparkplatzes Brand bei Wattenbach gepflegt und bei Schnee mit einem Motorschlitten gespurt.

Die Langläufer reisten nicht nur aus Fulda- brück, Guxhagen, Söhrewald und Lohfelden an. Sie kamen auch aus Melsungen, Gudensberg und Felsberg - und natürlich auch aus Kassel.

„Damit ist schon nächsten Winter Schluss“, sagen Werner Glöckner und Werner Krug. Anfang der 1980er-Jahre haben sie sich um den Aufbau der Loipe quer durch den Söhrewald über den 500 Meter hohen Stellberggipfel verdient gemacht. Die Jahre danach kümmerten sie sich um das Aufstellen der Schilder im Winter und die Pflege der Anlage im Sommer. Regelmäßig schnitten sie die Strecke frei, bauten das Materialhaus nahe des Wanderparkplatzes Brand und schafften einen Motorschlitten zum Spuren an.

Das alles droht nun verloren zu gehen. Grund: Glöckner, 65, zieht bald nach Süddeutschland, und Krug, 69, möchte etwas kürzer treten. „Damit macht die LTG-Langlaufabteilung faktisch dicht“, sagt Krug. Nachwuchs gebe es keinen. „Bleibt nur noch die Gemeinde Söhrewald, die sich darum kümmern kann“.

Bislang hat ein Landwirt aus Wattenbach im Auftrag der Gemeinde Söhrewald die Loipe im Herbst gemulcht. Wenn nun die LTG ihre Pflegearbeiten einstellt, kämen zusätzlich auf die Gemeinde noch das regelmäßige Freischneiden der Strecke, der Erwerb, Betrieb und die Wartung des Motorschlittens und schließlich das Spuren im Winter zu - zuzüglich der Personalkosten. „Insgesamt geht es um wenige Hundert Euro pro Jahr“, schätzen Krug und Glöckner.

Als Entlastung könne die Loipenkasse dienen, die wie ein Sparschwein am Loipenstart hängt und in die jeder Langläufer einen Euro steckt, bevor er loslegt. „Wenn die Schneeverhältnisse stimmen, sind bis zu 250 Euro pro Wochenende in der Kasse“, sagt Krug. Damit könne immerhin die Spurarbeit mit dem Motorschlitten finanziert werden.

Dennoch lehnt Bürgermeister Michael Steisel (SPD) bislang jede Unterstützung ab. „Wir können uns das nicht leisten. Wir sind knapp bei Kasse“. sagt er. Auch die Idee der LTG, dass sich Söhrewald künftig die Kosten mit den Nachbarkommunen teilen könnte, stößt nicht auf Gegenliebe. Steisel will nicht als Bittsteller auftreten.

Und so macht sich Frust bei der LTG breit: „Aktuell wissen wir nicht, ob die Loipe überhaupt noch zu retten ist“, sagen Krug und Glöckner. Möglich wäre auch, dass sich künftig ein anderer Sportverein um die Strecken kümmert. Doch gibt es auch hier noch keinen Interessenten. Dabei ist die Zeit knapp. Der nächste Winter kommt bestimmt.

Das sagt Söhrewalds Bürgermeister 

„Söhrewald steckt in einer defizitären Situation“, sagt Bürgermeister Michael Steisel (SPD). Mit Blick auf die freiwilligen Leistungen für Vereine müsse aktuell jeder Cent zweimal umgedreht werden. Die Übernahme der Loipe sei auch vor der Kommunalaufsicht kaum begründbar, weil sie als witterungsabhängige Anlage zu unsicher sei. „Die Winter werden milder. Und wir wollen einfach kein Geld umsonst ausgeben“, sagt Steisel. Tatsächlich wäre der Pflegeaufwand enorm - allein mit Blick auf die Personalkosten.

Letztlich sei alles eine Frage der Priorität. „Wichtiger ist zunächst, all jene Sportanlagen zu halten, die tatsächlich täglich von vielen Vereinssportlern genutzt werden, als jene, die - wie die Loipe - saisonal nur begrenzt von Interesse sind. Steisel: „Ich verzichte lieber auf die Loipe, als zu riskieren, dass ein Sportverein auf warmes Duschen verzichten muss“. Auch der Gemeindevorstand teile diese Auffassung.

Das Aufteilen von Kosten unter den Nachbarkommunen zum Unterhalt der Loipe hält Steisel für schwierig. „Wir zahlen ja auch nicht fürs Schwimmbad in Lohfelden, nur weil Bewohner aus Söhrewald dahin fahren“, sagt Steisel. Eine Aufsplittung der Kosten müsse schon die LTG selbst organisieren.

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