Sudetendeutsche Landsmannschaft löst sich nach 60 Jahren auf

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Ausflug in den Reinhardswald: 1973 machte die Gruppe einen Ausflug nach Vaake. Ziel der Reise war es, die neue Heimat kennenzulernen.

Söhrewald. Ihr oberstes Ziel war es, das heimatliche Kulturgut zu pflegen und zu erhalten: Die Sudetendeutsche Landsmannschaft Wellerode hatte sich 1953 gegründet. Jetzt musste sie sich auflösen.

Aus Altersgründen, wie Lothar Rolwes vom Geschichtskreis Söhrewald mitteilt.

In den Monaten April, Mai und August 1946 kamen die Haupttransporte von Vertriebenen nach Wellerode. Die weitaus größte Gruppe bildeten mit 204 Personen die Sudetendeutschen – „eine Volksgruppe mit 3,5 Millionen Menschen, die mehr als 700 Jahre in den Randgebieten Schlesiens (Böhmen und Mähren) lebte“. Nach dem Kriegsende wurde sie von den neuen Machthabern aus ihrer Heimat vertrieben – und landete unter anderem im östlichen Altkreis Kassel. Mit den Sudentendeutschen kamen 47 Vertriebene aus dem Oder/Neiße-Gebiet sowie weitere zehn aus Polen, fasst Rolwes zusammen.

Viele Vertriebene seien privat untergebracht worden, aber auch der Saal der Gaststätte Langhuth diente 30 Personen als Notunterkunft. Ein Großteil der Heimatlosen fand in den verlassenen Junkers-Baracken eine neue Bleibe.

Nachdem sich im Januar 1950 die Landesvereinigungen der Sudetendeutschen Landsmannschaften zu einem deutschlandweiten Verband zusammengeschlossen hatten, wurde am 22. Februar 1953 eine Ortsgruppe in Wellerode mit zwölf Mitgliedern gegründet.

Wenig später konnte ein auf 35 Mitglieder angestiegener Kreis Ferdinand Heinl zum ersten Ortsobmann wählen. Ferdinand Heinl erwarb sich bis zu seinem Tod im Jahr 1973 große Verdienste um die Gruppe. Dazu gehörten auch die für die Menschen so existenziellen Anträge für die Haushaltshilfe und die Hauptentschädigung. Sein Nachfolger wurde der Grundschullehrer Bruno Wenzel. Ihm folgte Leo Winter, der bis zuletzt in dieser Funktion tätig war.

„Leo Winter musste nun aus gesundheitlichen Gründen aufgeben“, berichtet Rolwes. Da man keinen Nachfolger finden konnte, habe man in der letzten Sitzung den Entschluss gefasst, die Gruppe aufzulösen. Damit endet ein über 60-jähriges Wirken der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Wellerode.

Der Geschichtskreis Söhrewald, der 2010 durch die zwei Autoren Dr. Rainer Hobein und Gerhard Werner die Situation der Vertriebenen nach dem Krieg in einer aufwändigen Dokumentation veröffentlicht hatte, bekam eine Geldspende aus der Restkasse. Leo Winter übergab Hobein als Vertreter des Geschichtskreises zudem die Vereinsunterlagen zur Sichtung und Archivierung. (ali) Fotos: Wienecke/Renner

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