Ungewöhnliche Fotos einer Leserin

Ufo-Alarm am Abendhimmel über Söhrewald?

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Kein Ufo, sondern ein Flugzeug: Allein dem Blickwinkel ist es geschuldet, dass der Kondensstreifen seltsam kurz wirkt. Zudem wird er von unten von der bereits untergegangenen Sonne angestrahlt. Das lässt ihn hell und orangefarben erscheinen. 

Söhrewald. Martina Wendel machte ungewöhnliche Bilder von einem seltsam gefärbten und geformten Kondensstreifen.

Hell leuchtet der Schweif am Himmel. Er ist seltsam breit und kurz. Er erinnert an den Kondensstreifen eines sehr hoch fliegenden Flugzeugs - doch erscheint er seltsam verformt.

Das waren die ersten Gedanken von Martina Wendel aus Söhrewald-Wellerode, als sie vergangenen Sonntag kurz nach 19 Uhr in den Himmel schaute und „dieses ungewöhnliche Flugobjekt“, wie sie sagt, erblickte. Weil sie ohnehin Aufnahmen vom Sonnenuntergang machen wollte, hatte sie ihre Kamera schon auf ein Stativ montiert - und vorne dran ein leistungsfähiges Teleobjektiv.

Abstürzendes Flugzeug?

„Zunächst dachte ich an ein abstürzendes Flugzeug, weil alles orangefarben leuchtete“, schildert Martina Wendel. Jedoch sei die Himmelserscheinung ganze zehn Minuten lang zu beobachten gewesen - „für einen Flugzeugabsturz ist das viel zu lange“. Insgesamt schoss sie über 50 Bilder.

An ein unbekanntes Flugobjekt (UFO) hat Wendel indessen keinen Augenblick geglaubt. „Auf einigen meiner Bilder ist ja tatsächlich ein Flugzeug zu erkennen“, sagt Wendel.

„Recht hat sie“, bestätigt auch Klaus-Peter Haupt. Als Leiter des Schülerforschungszentrums Nordhessen (SFN) in Kassel und Vorsitzender des Astronomischen Arbeitskreises Kassel (AAK) hat er viel Erfahrung mit der Beobachtung von Himmelsphänomenen aller Art. „Tatsächlich handelt es sich bei dem Objekt um ein Flugzeug“, sagt Haupt. Auf einem der Bilder seien sogar noch die roten und grünen Signalleuchten an den Tragflächen zu erkennen. „Dennoch sind das ungewöhnliche Aufnahmen, bei denen verschiedene Faktoren zusammengekommen sind“, sagt Haupt. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen sei die Sonne bereits untergegangen. Dennoch habe sie hoch fliegende Objekte noch gut von unten anstrahlen können - „daher auch die orangene Färbung wie bei einem Abendrot“, sagt Haupt.

Von unten angestrahlt

Die Kürze des Kondensstreifens resultiere aus der Blickrichtung quasi direkt von Hinten auf das Flugzeug. „Diese perspektivische Verkürzung ergibt sich auch, wenn man von oben auf einen Turm schaut. Dann lässt sich kaum eine Aussage über die tatsächliche Höhe des Turmes machen.“ Die dicke des Kondensstreifens sei wiederum möglicherweise eine Folge von Höhenwinden, die die kondensierten Wassertröpfchen aus den Triebwerken auseinandertrieben. Haupt: „Ganz sicher ist: Weder handelt es sich um ein Ufo noch um einen Flugzeugabsturz.“ 

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