Seit einem Jahr falsche Steuerbescheide

Viel zu wenig Geld zurück: Mann vom Finanzamt genervt

Ärger mit Finanzamt: Heinz-Jürgen Eberwein kann die Arbeitsweise des Kasseler Finanzamts nicht verstehen. Auf unserem Foto blättert der Pensionär aus Wellerode zu Hause in seinem dicker werdenden Einkommensteuer-Ordner. Foto: Wohlgehagen

Söhrewald. Ein 65-jähriger Pensionär aus Wellerode erhält seit einem Jahr falsche Steuerbescheide. Er hat bereits die fünfte Korrektur ans Finanzamt geschickt.

Heinz-Jürgen Eberwein ist keiner, der dem Finanzamt mal eben in die Tasche greift, auch unerlaubte Tricks sind ihm fremd. Was der 65-jährige Pensionär aber seit einem Jahr trotz korrekt eingereichter Formulare und Belege mit der Kasseler Steuerbehörde erlebt, ist - vorsichtig ausgedrückt - ein Unding.

„Bei meinen Einkommen-steuererklärungen gegenüber dem Finanzamt Kassel halte ich mich immer an den vom Gesetzgeber abgesteckten Rahmen“, so der in Wellerode ansässige Bürger gegenüber unserem Mitarbeiter.

Es geht konkret um die Berücksichtigung von Unterhaltsaufwendungen und Krankenversicherungskosten für den noch in der Ausbildung befindlichen Sohn. Die hat Heinz-Jürgen Eberwein im vergangenen und in diesem Jahr richtigerweise mit der sogenannten „Anlage U“ geltend gemacht. Der junge Mann ist nicht mehr im Kindergeldbezug.

Fehler könne jeder machen. „Aber ich erhalte seit gut einem Jahr immer wieder falsche Steuerfestsetzungen, gegen die ich schon fünfmal mit gleichlautenden Begründungen Einspruch einlegen musste“, klagt Eberwein. Das Finanzamt übersehe nämlich mit konstanter Regelmäßigkeit, dass die Aufwendungen für seinen Sohn nach § 33 a Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes in voller Höhe anerkannt werden müssen und nicht als nur begrenzt abzugsfähige Sonderausgaben.

Er wolle den zuständigen Sachbearbeitern kein System unterstellen, sei aber über deren Arbeitsweise „absolut verärgert“, weil sie korrekt nachgewiesene Ausgaben regelmäßig nicht oder nicht in vollem Umfang berücksichtigen, so der Steuerpflichtige.

Zur Steuerfestsetzung für 2014: Gegen den ursprünglichen Bescheid legte Eberwein am 11. Mai das erste Mal Einspruch ein, weil belegte Aufwendungen von fast 2500 Euro (Unterhalt, Kranken- und Pflegeversicherung) wie im Jahr zuvor erneut übersehen wurden. Am 2. Juni ging eine Korrektur ein.

Immer der gleiche Fehler 

„Erneut blieben 1400 Euro für die Kranken- und Pflegeversicherung außen vor, sodass ich am 8. Juni den zweiten Einspruch einlegte“, sagte der Pensionär. Damit nicht genug: Kürzlich flatterte Heinz-Jürgen Eberwein eine berichtigte Steuerfestsetzung mit einer Erstattung von nur 35 Euro statt der zu erwartenden Rückzahlung von rund 500 Euro ins Haus. Schon wieder sei dem Finanzamt der gleiche Fehler unterlaufen. Er müsse jetzt zum dritten Mal Einspruch einlegen, um an die ihm zustehenden Beträge heranzukommen, sagte der sichtlich genervte Pensionär.

Vom Hessischen Ministerium der Finanzen erhielten wir keine Stellungnahme zu den Problemen, die Heinz-Jürgen Eberwein mit dem Kasseler Finanzamt hat. Man sei an das Steuergeheimnis gebunden und könne deshalb keine Auskünfte über Details aus den Steuerakten der Bürger geben, sagte der stellvertretende Pressesprecher des Ministeriums, Moritz Josten, auf Anfrage der HNA.

Hintergrund: Unterhaltskosten absetzen

Der Staat lässt den Abzug von Unterstützungsleistungen beispielsweise von Eltern für ihre Kinder in bestimmten Fällen und in gewissem Rahmen zu.

Diesen Fall hat der Gesetzgeber in § 33 a Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes definiert, wonach normaler Unterhalt (für Unterkunft, Kleidung, Ernährung, Studiengebühren etc.) als außergewöhnliche Belastung besonderer Art geltend gemacht werden darf. Abziehbar ist maximal der derzeitige Unterhaltshöchstbetrag von 8354 Euro. Hinzu kommen noch die für den Empfänger aufgewandten Basis-Beiträge zur Kranken- und Pflegepflichtversicherung.

Alle Aufwendungen sind jedoch nur abziehbar, soweit der Empfänger bedürftig ist. Normaler Unterhalt wird mit dem Antragsvordruck „Anlage U“ geltend gemacht.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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