Windräder in Söhre rentieren sich: Werke reagieren auf Kommentar von Rentsch

Florian Rentsch

Söhrewald / Niestetal /Kassel. Erstaunliches zum Thema Windkraft hat Ex-Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) jüngst von sich gegeben.

In einem vergangene Woche abgedruckten HNA-Interview behauptete er: „Die Windräder drehen sich nicht in Hessen.“ Jeder, der gelegentlich auf einen Windpark in unserer Region blickt, weiß: Herr Rentsch irrt. Die Windräder drehen sich, zumindest die meiste Zeit.

Auch die Kasseler Städtischen Werke, Betreiber des neuen Windparks Söhrewald / Niestetal, widersprechen Rentsch. Die Windräder drehen sich „erfolgreich“ in Nordhessen, stellt Vorstandsvorsitzender Andreas Helbig fest. In seinem ersten Jahr (bis 31. November) habe der Windpark 39,3 Millionen Kilowattstunden (kWh) saubere Energie produziert. Das reicht, um knapp 16 000 Haushalte mit einem jährlichen Durchschnittsverbrauch von 2500 kWh zu versorgen.

Wenn man auch noch den gerade laufenden – windreichen – Monat Dezember einrechne, könne man rechnerisch mehr als 17 000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom beliefern, sagt Helbig. „Damit liegen wir genau bei unserer Planung.“

Der Werke-Chef widerspricht auch einer weiteren Aussage Rentschs. Der hatte im gleichen Interview behauptet, dass die vom Land für die Genehmigung von Windparks festgelegte Mindestwindstärke von 5,75 Meter pro Sekunde nicht erreicht werde – „auch nicht in Kassel“, so Rentsch.

Falsch, sagt Andreas Helbig. Der Wind, das zeige die Erfassung der realen Windverhältnisse, habe im Windpark (mit zwei Standorten: fünf Räder in der Söhre, zwei auf dem Sandershäuser Berg) im Jahresmittel sogar mit 6,4 Meter pro Sekunde geweht, also deutlich stärker als die Mindestvorgabe.

„Ich rate davon ab, mit falschen Aussagen die Energiewende in Nordhessen schlechtreden zu wollen“, meint Werke-Chef Helbig.

Auch für die künftigen Windpark-Projekte sind die Städtischen Werke als Betreiber optimistisch. So liefere der Windmessmast auf dem 536 Meter hohen Rohrberg bei Helsa, wo die Werke die Errichtung von fünf Windrädern planen, noch bessere Werte als in der Söhre, ebenso im Stiftswald.

Der Kasseler Elektroingenieur Gerhard Rinder verdeutlicht, was die Zahlen bedeuten. Bei einem nach HNA-Informationen gemessenen Durchschnittswind von 6,8 m/s für den geplanten Windpark „Kaufunger Stiftswald“ wird ein Windrad dort eine Leistung von etwa 900 kW liefern – das ist etwa ein Drittel der Maximalleistung der geplanten 206 Meter hohen Windräder, aber doppelt so viel wie bei Mindestwindstärke.

Von Holger Schindler

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