HNA-Interview

SMA befürchtet Nachteile durch Strompreisbremse

Kassel/Niestetal. In die angespannte wirtschaftliche Lage beim Solartechnikhersteller SMA platzt die Strompreisbremse, die Bundesumweltminister Altmaier (CDU) anstrebt. Wir sprachen darüber mit Dr. Günther Häckl. Er ist SMA-Generalbevollmächtigter und Präsident des Bundesverbandes Solarwirtschaft.

Herr Häckl, der Bundesumweltminister meint es gut mit den Bürgern und will den Strompreis deckeln. Wie steht SMA dazu?

Günther Häckl: Auch wir sind dafür, die Kosten der Energiewende möglichst gerecht und sozial verträglich zu verteilen. Die Kosten für eine private Fotovoltaik-Anlage sind so stark gesunken und die gesetzliche Förderung ist so stark reduziert worden, dass der weitere Ausbau der Fotovoltaik nur noch eine minimale Erhöhung der Strompreise um circa ein Prozent zur Folge hätte. Das Gefährlichste an den Vorschlägen von Altmaier ist, dass fundamentale Prinzipien der Förderung ausgehebelt würden. Wenn Anlagenbetreiber nicht mehr wissen, wie viele Monate nach Inbetriebnahme eine Förderung anläuft und ob die Förderbeträge nicht im Nachhinein noch gekürzt werden, bedeutet dies eine massive Unsicherheit für Investitionen in die Fotovoltaik.

Was sagen Sie als Präsident des Bundesverbandes Solarwirtschaft dazu, dass Altmaier bestehende Anlagen rückwirkend über einen „Energie-Soli“ an der Umlage beteiligen will und Hauseigentümer künftig eine Umlage auf selbst genutzten Solarstrom zahlen sollen?

Häckl: Mit dem vorgeschlagenen „Energie-Soli“ würden Millionen kleiner Betreiber von Solar-, Wind- und Bioenergien-Anlagen im Nachhinein zur Kasse gebeten. Das, worauf man sich bisher verlassen konnte, nämlich dass rechtlich verbindliche Zusagen auch Bestand haben, würde nicht mehr gelten. Eine glaubwürdige Energiepolitik sieht anders aus.

Was sollte der Bundesumweltminister denn besser machen?

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Häckl: Bürger, die den auf ihrem Dach erzeugten, sauberen Strom selbst verbrauchen, dürfen dafür nicht bestraft werden. Zumal der Eigenverbrauch von Solarstrom einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Stromnetze leistet. Altmaier löst nicht die wahren Probleme des Energiemarkts. Zum Beispiel die paradoxe Situation, dass Ökostrom die Großhandelsstrompreise senkt. Die niedrigen Preise werden von den Energieversorgern nicht an die Stromkunden weitergegeben, führen aber zu einer höheren Umlage für erneuerbare Energien. Solche Dinge müssten angegangen werden.

Was würde es für SMA bedeuten, wenn die Pläne in die Tat umgesetzt werden? Hätte das Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze?

Häckl: Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass Altmaiers Vorschläge so umgesetzt werden, bedeuten diese eine massive Verunsicherung, wie wir sie in der Vergangenheit schon mehrfach erlebt haben. Ob und wie die Auswirkungen auf SMA sein würden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Wie kann man die Preisbremse bewerkstelligen, ohne die Energiewende zu gefährden?

Häckl: Anstatt die Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen nachträglich zur Kasse zu bitten, müsste die Finanzierung der Energiewende endlich wieder auf breitere Schultern verlagert werden. Das Industrieprivileg muss begrenzt werden, weil damit erhebliche Lasten von der Industrie auf die Bürger verlagert wurden. Die Befreiung von der EEG-Umlage (damit werden die Kosten zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen auf die Stromverbraucher verteilt, Anm. d. Red.) muss auf Unternehmen begrenzt bleiben, die tatsächlich im internationalen Wettbewerb stehen. Das sollte ausreichen, um weitere Erhöhungen zu vermeiden. Wir müssen das Vertrauen in die Energiewende stärken, statt es durch unausgegorene Schnellschüsse zu zerstören.

Von Jörg Steinbach

Zur Person Dr. Günther Häckl

Dr. Günther Häckl.

Dr. Günther Häckl (62) studierte nach einer elektrotechnischen Berufsausbildung bis 1982 in Göttingen Sozialwissenschaften. 2003 promovierte er zur Energiepolitik Portugals im Kontext der Europäischen Integration. Günther Häckl war viele Jahre Geschäftsführer des Energieberatungszentrums Felsberg, er ist Mitbegründer des Kompetenznetzwerks Dezentrale Energietechnologien Nordhessen.

Seit 2002 ist der verheiratete Vater eines erwachsenen Sohnes bei der SMA Solar Technology AG in unterschiedlichen Führungspositionen tätig. 2012 übernahm er als Generalbevollmächtigter die politische Interessenvertretung des Unternehmens. Dem SMA-Aufsichtsrat gehört er seit 2010 als Arbeitnehmervertreter an. Im November 2012 wurde er zum Präsidenten des Bundesverbandes Solarwirtschaft gewählt. Der Hobbyfußballer geht gern ins Fitnessstudio und wohnt im Kasseler Stadtteil Harleshausen. (ach)

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