Lehrer und Schüler in Simmershausen und Rothwesten lernen Streitschlichtung

Im Gespräch: Bastian Fleck (Grundschullehrer, von links), Katharina Figge (Sozialpädagogin), Achim Kessemeier (Schulleiter), Dorothea Frank (Diplom-Supervisorin und Mediatorin), Corinna Honsberg (Grundschullehrerin) und Sabine Ehricke (Erzieherin). Foto: Kothe

Fuldatal. Streit und Konflikte gehören an Schulen zum Alltag. Eine Schlichtung zu finden, ist für Lehrer nicht immer leicht. Die Grundschule Simmershausen und die Geschwister-Scholl-Schule in Rothwesten bilden ihre Lehrkräfte in Methoden zur Streitschlichtung aus.

Unterstützt werden sie dabei von Dorothea Frank, ehemalige Grundschullehrerin, Diplom-Supervisorin und Mediatorin. Ermöglicht wurde das Projekt durch die Aktion Kinder für Nordhessen. „Das Konfliktpotenzial an den Schulen steigt. Der Bedarf für qualifizierte Lösungen ist da“, sagt Achim Kessemeier, Schulleiter der beiden Grundschulen.

Er hat das Projekt initiiert – nicht zum ersten Mal: „Bereits vor zehn Jahren haben wir uns entschlossen, die Lehrkräfte in Methoden der Streitschlichtung weiterzubilden. Es ist an der Zeit, das Wissen aufzufrischen.“

Im Oktober fiel der Startschuss mit einem pädagogischen Tag, an dem die Lehrer, Erzieher und Sozialpädagogen der beiden Schulen mit Ganztagesbetreuung teilnahmen. „Hier galt es, Methoden kennenzulernen und auszuprobieren“, sagt Dorothea Frank, die die Veranstaltung leitete. „Nun ist die Phase der Erprobung. Im Dezember soll es einen Erfahrungsaustausch geben.“

Ob verbale Auseinandersetzung, Prügel, Mobbing oder Intrigen – die Formen, in denen Konflikte an Schulen erlebt werden, sind vielfältig. Kleinigkeiten, wie einem Mitschüler Sachen wegzunehmen, führen häufig zu Streit. Doch auch aggressive Schikane gegen Randgruppen können ein Problem sein.

Dorothea Frank hat dem Pädagogenteam Werkzeuge an die Hand gegeben, wie sie besser damit umgehen können. Grundlegend für eine erfolgreiche Streitschlichtung sei es, sich Zeit zu nehmen und zu kümmern. Darüber hinaus basiere eine erfolgreiche Schlichtung auf Offenheit, Neutralität und Verschwiegenheit.

Wesentliches Element: Jeder Beteiligte darf ausreden und seinen Standpunkt vertreten. „Beobachten, erzählen lassen und fragen, um der Ursache eines Konflikts auf die Spur zu kommen“, rät Frank. Zwei andere wichtige Aspekte: keine Schuldzuweisungen und Gefühle ausdrücken. „Ziel ist es, dass Kinder für den Umgang mit Konflikten sensibilisiert werden und selbstständig eine Lösung finden“, sagt Frank.

Kreativ beim Streit schlichten

„Kinder sind sehr kreativ, wenn es darum geht, Streit zu schlichten, Wege der Entschuldigung und Wiedergutmachung zu finden“, erzählt Erzieherin Sabine Ehricke. So haben Schüler beispielsweise einen Friedensvertrag miteinander geschlossen. Das bestätigt auch Kessemeier: „Sie lernen, Streit zu klären, ohne dass Erwachsene dabei sind. Früher war ich die Anlaufstation, heute kaum noch.“ Das Pädagogenteam profitiert auch, indem Probleme anders wahrgenommen werden: „Intensiver und differenzierter“, sagen Sozialpädagogin Katharina Figge und Grundschullehrer Bastian Fleck. Im Februar will man einen Schritt weiter gehen: Schüler der 3. und 4. Klasse sollen in einer wöchentlichen AG zu Streitschlichtern ausgebildet werden. Ihre Funktion soll auch deutlich sichtbar an Westen zu erkennen sein.

Von Helga Kristina Kothe

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