VW Baunatal: Ein Drittel macht Urlaub, Fertigung geht aber weiter

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Original Teile Center: Karsten Sabrowsky stellt an seinem Arbeitsplatz die Bestellungen zusammen. Hier zeigt er gerade einen Satz Radkappen. 3 Fotos: C. Hartung

Baunatal. 16.000 Menschen arbeiten im VW-Werk Kassel in Baunatal. Rund ein Drittel davon ist im Urlaub. Dennoch geht die Produktion weiter.

Eine blaue Kiste rollt auf Karsten Sabrowsky zu. Er schaut auf den Computerbildschirm vor sich, nimmt zwölf verpackte Radkappen heraus und legt sie in eine andere Kiste, die rechts neben ihm darauf wartet, mit den Bestellungen eines Autohändlers gefüllt zu werden.

Während sich etwa ein Drittel der rund 16 000 Mitarbeiter vom VW-Werk in Baunatal gerade im Urlaub die Sonne auf den Pelz scheinen lässt, arbeitet der Kaufunger fleißig im Original Teile Center (OTC). Mit seinen Kollegen sorgt er dort dafür, dass Autohändler auch in den Ferien rechtzeitig mit Ersatzteilen versorgt werden.

Kotflügel, Sonnenblenden, Kopfstützen, Spiegel und zahlreiche andere Teile, die wir in und an unseren Autos nicht missen möchten, werden hier gelagert, sortiert, verpackt und von dort zu den Händlern transportiert. Insgesamt 450 000 Teile lagern hier in 180 000 blauen Kisten in einer Höhe von bis zu elf Metern. Die fehlende Arbeitskraft der Kollegen, die in den Ferien verweilen, wird hier durch Urlaubsunterstützer von einer konzerneigenen Zeitarbeitsfirma ausgeglichen. An einer Pinnwand hängen Zettel, auf denen der Name jedes Mitarbeiters steht. „Hier kann man genau sehen, für welche Aufgabenbereiche welcher Mitarbeiter eingesetzt werden kann“, erläutert VW-Sprecher Rudi Stassek. Beispielsweise dürften nicht alle Arbeiter einen Gabelstapler fahren.

Auch im Werksgebäude in Halle drei wird trotz Urlaubszeit fleißig verschraubt, geschweißt und montiert. Hier arbeitet auch Rainer Bodenhagen und montiert Doppelkupplungen, die anschließend ins Getriebe eingebaut werden. Dabei setzt er ein Federelement in einen Kolben ein, bevor beide Elemente von einer Maschine verschweißt werden. „Wir sind deutlich weniger Leute hier zurzeit“, sagt Bodenhagen. Mehrarbeit bedeute das für ihn und die anderen Arbeiter jedoch nicht, denn die Produktionsmenge sei der Urlaubszeit angepasst, verrät Stefan Gabriel, Leiter in der Getriebe- und Mehrfachkupplungsmontage. Bis zu 18 000 Getriebe werden normalerweise täglich gefertigt. Jetzt seien es zwischen 20 und 40 Prozent weniger.

Einen Werksurlaub gibt es am Standort Baunatal nicht mehr. „Wir versorgen von hier 37 Werke unter anderem mit Getrieben und Abgasanlagen“, sagt Stassek. Eine produktionsfreie Zeit sei undenkbar. „Das können wir uns gar nicht leisten. Es darf nicht passieren, dass ein Auto nicht gebaut werden kann, weil Kassel die Teile nicht geliefert hat.“

Auf die Einstellung von Ferienjobbern will das Werk erst einmal verzichten. „Die Abteilungen helfen sich gegenseitig aus“, so Stassek.

Während Karsten Sabrowsky gerade 14 Entlüfter in eine Kiste packt, überlegt er sich, wie er das Wochenende verbringen könnte. „Vielleicht fahre ich bei gutem Wetter mit meinem Cabrio ein bisschen durch die Gegend.“

Von Caroline Hartung

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