Sommerfest und Spenden bringen viel Geld für kranken Collin Wicke

Geld für ein behindertengerechtes Badezimmer: Über 10 010 Euro aus Sommerfest und Spenden freuen sich (vorn von links) Friseurmeister Serdal „Freddy“ Aslar, Collin und Emily Wicke, hinten kreatyv-Chefin Yvonne Prekop mit Manuela und Michelle Wicke. Fotos: Stier

Kaufungen. „Mama, lass mich mal ausreden!“ Also, an eigenem Willen und Selbstbewusstsein mangelt es Collin Wicke nicht. Der 13-Jährige Kaufunger ist zwar inzwischen ein paar Zentimeter kleiner als seine Schwester Emily, aber unterkriegen lässt er sich weder von ihr noch von Schwester Michelle (15).

Kein Wunder: Der an der seltenen Stoffwechselkrankheit Mukopolysaccharidose (Hintergrund) leidende Collin hat in seinem kurzen Leben mehr durchgemacht, als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben und hat gelernt, sich zu behaupten.

Friseurmeister Serdal „Freddy“ Aslar und Yvonne Prekop von der Kasseler Eventagentur kreatyv waren durch HNA-Berichte auf das schwere Schicksal von Collin und seiner Mutter Manuela aufmerksam geworden und wollten helfen. Ende Juli organisierten sie in der Oberkaufunger Ziegelei ein Sommerfest, zu dem über 500 Besucher kamen und dessen Erlös komplett für Collin und seine Familie bestimmt ist.

Zusammen mit Spenden kamen dabei genau 10 010 Euro zusammen. Allein 2500 Euro hatte die Kasseler Stiftung Zahnärzte und Patienten helfen Kindern beigesteuert.

Manuela Wicke kann das Geld gut gebrauchen. Seit drei Jahren lebt die alleinerziehende Mutter mit ihren drei Kindern jetzt in Kaufungen, die Wohnung muss für Collin behindertengerecht umgebaut werden, was jetzt endlich möglich ist.

Die schwerwiegende Diagnose von Collins Erkrankung war zwei Tage vor seinem ersten Geburtstag gestellt worden. Damals lebte die Familie noch in Obermelsungen. Eine Knochenmark-Transplantation sorgte dafür, dass die vorhergesagte Lebenserwartung von nur fünf bis neun Jahren längst überschritten ist. Doch das Leben der Familie wird von Collins Krankheit beherrscht. „Nach 60 Vollnarkosen habe ich aufgehört zu zählen“, sagt Manuela Wicke. Immer wieder werden Operationen an der Wirbelsäule oder den Beinen nötig.

Trotzdem: Collins Zustand ist heute einigermaßen stabil, er besucht die 6. Klasse der Alexander-Schmorell-Schule in Kassel und so wie gesunde 13-Jährige auch den Konfirmanden-Unterricht in Niederkaufungen.

Fußball liebt er: „Ich würde gern in einem Verein spielen, aber Mama erlaubt es nicht“, klagt Collin. „Zu gefährlich“, bedauert Mutter Manuela. Und Schwimmen geht er gern und ins Kino, Zeichentrickfilme gucken. Und ins Tierheim, schließlich möchte er gern einen Hund. Doch daran kann Manuela Wicke, die eine halbe Stelle am Kasseler Amtsgericht hat, nicht einmal denken. Der Alltag der Familie kreist um Ärzte, Therapien, Operationen und Krankenhaus, jetzt endlich gibt es mal wieder eine Betreuung von der Lebenshilfe. „Ich wünsche mir mal Zeit, auch etwas mit Michelle oder Emily allein zu machen, die kommen immer zu kurz“, sagte Manuela, die sich bei allem Stress einen erstaunlich optimistischen Blick auf die Welt bewahrt hat. Wenn sie mal einen Hänger habe komme Trost ausgerechnet von Collin, sagt Manuela Wicke: „Der sagt dann: Mama, wir schaffen das. Wir sind doch ein tolles Team.“

Von Thomas Stier

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