Die 18-jährige Pia Michel ist Organistin in Vellmar – Nach dem Abi will sie Kirchenmusik studieren

Sonntags zieht sie alle Register

Vellmar. Elegant lässt Pia Michel ihre Finger über die schwarzen und weißen Tasten gleiten. Die 18-Jährige ist hoch konzentriert. Während sich ihre Mitschüler um diese Zeit noch von der Party letzte Nacht erholen, sitzt Michel an einem Sonntagmorgen in der Kirche an der Orgel und begleitet den Gottesdienst.

Begeisterte Orgelspielerin: Die 18-jährige Schülerin Pia Michel spielt seit 2009. In ihrer Freizeit begleitet sie Gottesdienste in mehreren Kirchengemeinden in Vellmar. Foto: Thöne

Junge Musiker wie Pia Michel sieht man immer seltener in der Kirche. „Es ist schon weniger geworden“, sagt Bezirkskantorin Angelika Großwiele. Zusammen mit Bezirkskantor Martin Baumann bildet sie den kirchenmusikalischen Nachwuchs im evangelischen Kirchenkreis Kaufungen aus. Eigentlich sollte Großwiele laut Dienstauftrag zehn Schüler pro Woche unterrichten. Zurzeit seien es aber nur sieben bis acht Schüler. „Die Orgel ist nicht das Trendinstrument“, sagt Großwiele. Außerdem erfordere das Orgelspielen jede Menge Ausdauer. Es sei ein sehr intensives Hobby mit vielen Durststrecken. Man brauche Zeit. Und die fehlt den jungen Menschen beim heutigen Schulstress oftmals. Umso stolzer ist die Kantorin auf Pia Michel, die vergangenen Sommer erfolgreich die C-Prüfung bestanden hat. Drei Jahre hat Michel darauf hingearbeitet.

Nun kann sie offiziell nebenberuflich als Kirchenmusikerin arbeiten. Seit 2010 begleitet die Abiturientin regelmäßig Gottesdienste. In Frommershausen und Vellmar-West ist sie sogar fest angestellt. Zum Orgelspielen ist Michel 2009 durch ihre Oma gekommen. Die wollte, dass die Enkelin bei ihrer Diamantenen Hochzeit spielt. Deshalb bekam Michel für ein Jahr Orgelunterricht geschenkt.

Angelika Großwiele

Die Schülerin war skeptisch: „Ich war eigentlich ein Klavier-Purist“, sagt sie und lacht. Nach einem zweiwöchigen Intensivkurs in Schlüchtern war ihre Leidenschaft für das Orgelspielen geweckt. „Es war einfach toll“, sagt sie. Seitdem übt Michel mehrmals in der Woche. Dafür muss sie natürlich in die Kirche gehen. Oft sitzt sie dann ganz allein auf der Kirchenbank. „Das ist manchmal schon gruselig“, sagt sie. „Es hat aber auch was Cooles.“ Michels Freunde haben sich mittlerweile an ihr spezielles Hobby gewöhnt. „Die freuen sich für mich und sind auch ein bisschen stolz“, sagt sie. Wenn die Schülerin sonntags die Register zieht, bringt sie oft auch ihre eigenen musikalischen Interessen mit ein. Zum Einzug spielt sie zum Beispiel gern mal etwas Jazziges.

Und den Zuhörern gefällt’s: „Die klatschen sogar manchmal nach dem Gottesdienst“, sagt Michel. Nach ihrem Abi will die 18-Jährige in Heidelberg Kirchenmusik studieren und ihr Hobby zum Beruf machen. Und auf welcher Orgel möchte Michel später unbedingt mal spielen? „Es muss nicht die größte und tollste Orgel sein“, sagt sie. „Mir ist es nur wichtig, dass ich für die Menschen gute Musik mache.“

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