Sorge: Größere Gruppen, schlechtere Betreuung

Kita-Mitarbeiter und Eltern protestierten  gegen Kinderförderungsgesetz

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Mit Plakaten und Trillerpfeifen: Auch Leopold Lenz (6, vorn ), der die Kita Altenritte besucht, schloss sich mit seiner Mutter Andrea (Zweite von rechts) dem Protest der Erzieherinnen an.

Baunatal. Der Plan der Landesregierung für ein Kinderförderungsgesetz (Kifög) stößt auch in Baunatal auf Widerstand: Gestern protestierten 120 Kita-Mitarbeiter und Eltern auf dem Europaplatz gegen das Vorhaben mit Plakaten und einer Kundgebung.

„Das Gesetz ist irreführend und bedeutet einen Rückschritt“, sagte Sandra Seifert von der Kita Talrain in Großenritte. Deren Leiterin Sabine Hammerschmidt rechnet mit größeren Gruppen und schwierigeren Betreuungsbedingungen, wenn das Gesetz kommt. Zur Zeit würden 23 Kinder in einer Gruppe betreut. Künftig seien 25 oder mehr Kinder möglich. Es bestehe die Gefahr, dass bei zurückgehenden Kinderzahlen kleine Gruppen zu einer großen zusammengelegt würden, weil die finanzielle Förderung sich nicht mehr nach Zahl der Gruppen sondern nach der Kopfzahl der betreuten Kinder richte. „Für 25 Kinder sind die Gruppenräume zu klein“, sagte Hammerschmidt. Außerdem bleibe dann nicht mehr genügend Zeit, sich um einzelne Kinder zu kümmern.

Auch Frauke Köhler, Erzieherin im Hort des Astrid-Lindgren-Hauses in Großenritte, rechnet nur mit Nachteilen durch das neue Gesetz. „Es gibt immer mehr verhaltensauffällige Kinder“, sagt sie. Die benötigten besondere Förderung, für die schon jetzt wegen des stetig steigenden Verwaltungsaufwands im Kindergarten wenig Zeit bleibe. Auch sonst sei die Arbeit in jüngerer Zeit stressiger geworden. Verstärkt müssten sich ihre Kollegen zum Beispiel um Kinder kümmern, deren Eltern sich haben scheiden lassen.

Die Erzieherinnen sind auch nicht damit einverstanden, dass künftig berufsfremde Fachkräfte eingesetzt werden dürfen. Deren Anleitung gehe zulasten der Betreuung.

Das neue Gesetz würde in Baunatal 1000 Kinder betreffen, die in 14 städtischen Einrichtungen betreut werden. 154 Mitarbeiter sind beschäftigt, darunter Berufspraktikanten. Die Kinderbetreuung kostet Baunatal 6,5 Mio. Euro Zuschüsse pro Jahr. (pdi)

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