Gebäudesanierung: Anwohner kritisieren die Arbeiten während der Vogel-Aufzucht

Sorge um junge Schwalben

Sorgen sich um den Schwalbennachwuchs: Monika Hanika und Peter Röse entdeckten unter dem Dachvorsprung dieses Hauses an der Eichenberger Straße von den Vögeln bewohnte Nester. Das Haus wird derzeit umgebaut. Fotos: Schräer

Fuldatal. Wenn Ruhe am Bau ist, fliegen auch die Schwalben. Diese Beobachtung haben Monika Hanika und Peter Röse unabhängig voneinander gemacht.

Den beiden Bewohnern der Erlenbusch-Siedlung in Rothwesten liegen die Vögel am Herzen. Deren Nester hängen an einem von zwei Gebäudekomplexen an der Eichenberger Straße, die derzeit von Grund auf saniert beziehungsweise umgebaut werden.

Röse und Hanika fürchten, dass durch die Arbeiten an den beiden Gebäuden der Nachwuchs der Tiere keine Überlebenschance hat. Daher wandte sich der 70-Jährige an die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Kassel. Denn: „Während der Aufzucht der Nachkommen stehen die Schwalben unter Naturschutz“, sagt Röse.

Nur, ob sich danach auch gerichtet wird, daran haben die beiden Tierfreunde ihre Zweifel. Zwar sei jemand von der Aufsichtsbehörde an zwei Tagen vor Ort gewesen, um die Situation in Augenschein zu nehmen. Bei Rückfragen habe man ihm aber mitgeteilt, dass keine Schwalben zu sehen gewesen seien, meint Röse. Auch ein Verantwortlicher der Baufirma haben ihnen gegenüber nur gesagt, da seien keine Schwalben in den Nestern, ergänzt Hanika.

Dass sich die Schwalben-Eltern nicht blicken ließen, während Baumaschinen in dem bereits eingerüsteten Haus gegenüber lärmten und auch nicht, wenn an der Fassade mit den Nestern Fenster ausgetauscht, die Gitter der Balkone entfernt werden, sei doch klar, meinen die beiden Anwohner. Aber zu solchen Zeiten habe der Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde wahrscheinlich die Situation begutachtet.

Morgens vor den Bauarbeiten und am Abend aber herrsche Flugbetrieb zumindest bei einigen der vorhandenen gut 30 Nester, betonen Röse und Hanika, die zu diesen Zeiten mit ihren Hunden spazieren gehen. Ein Verwandter von ihr habe Bilder von Nestern mit Schwalben gemacht, die man als Beleg an die Kreisbehörde geschickt habe, sagt die 47-Jährige.

Das sagt der Landkreis

Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde seien nach Hinweisen von Anwohnern zur Baustelle nach Rothwesten gefahren. An zwei Werktagen seien die Nester ab 14 beziehungsweise 16 Uhr jeweils eine Stunde beobachtet worden, sagt Kreissprecherin Ute Jäger. Dabei haben man keine Schwalben entdeckt. Allerdings müssten noch Fotos ausgewertet werden. Daher habe die Untere Naturschutzbehörde die Baufirma angeschrieben und weitere Arbeiten an dem Gebäude zunächst untersagt. Denn würde ein Baugerüst angebracht, werde ein Schaden an den Nestern angerichtet, betont die Kreissprecherin. (mic)

Das sagt der Bauherr

„Wir sind mit der Unteren Naturschutzbehörde in Verbindung und achten auf die Schwalben“, sagt Harald Grubschat im Namen des Bauherrn. Laut Immobilienmakler sei nicht beabsichtigt, in den nächsten Wochen die Fassade mit den Schwalbennestern einzurüsten. „Wir warten, bis die Tiere ausgeflogen sind.“ Im ersten Bauabschnitt beim gegenüberliegenden Haus habe man die Nester abnehmen müssen. Dies sei aber geschehen, bevor Schwalben zurück gewesen sind. Diese Nester seien leer gewesen. (mic)

Hintergrund: Es entstehen 36 Wohnungen

Die Häuser der ehemaligen Militärsiedlung beherbergten zwischenzeitlich auch Aus- und Übersiedler. Architekt Jochen Hohmann aus Künzell will mit einem Partner als Bauherr in den beiden Gebäuden jeweils 18 Eigentumswohnung von 83 bis 112 Quadratmetern errichten. (mic)

Von Michael Schräer

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