Gießerei ganz frei von CO2

VW spart 100.000 Euro jährlich durch Idee eines Mitarbeiters

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Ein heißes Eisen: Erol Eren arbeitet in der Gießerei bei VW und spart dem Konzern mit seiner Verbesserungsidee für die Schmelzöfen viel Geld.

Baunatal/Kassel. Mitarbeiter von VW in Baunatal haben allein 2013 rund 8200 Verbesserungsideen eingebracht. Einer von ihnen ist Erol Eren aus der Gießerei. Mit seinem Vorschlag spart das Unternehmen 100.000 Euro jährlich. Insgesamt hat der Automobilhersteller durch die Vorschläge seiner Mitarbeiter in diesem Jahr 5,4 Millionen Euro mehr in der Kasse.

„50 Prozent unserer Mitarbeiter beteiligen sich am Ideenmanagement. Das ist eine sehr gute Quote.“

Joachim Falken, der Leiter des Ideenmanagements im Baunataler Werk, ist froh über die rege Beteiligung und die vielen Verbesserungsvorschläge. „50 Prozent unserer Mitarbeiter beteiligen sich am Ideenmanagement. Das ist eine sehr gute Quote.“

Die Idee des Gießereifachmechanikers Eren ist ein Beispiel, wie einfache Veränderungen einem Unternehmen große Einsparungen ermöglichen. Eren arbeitet seit 28 Jahren bei VW und war in der ganzen Zeit stets in der Gießerei beschäftigt. Durch seine Erfahrung in dieser Abteilung hat er den Blick und das Gespür für die Maschinen und Arbeitsabläufe und erkennt auch, wo es besser laufen könnte.

„Erfahrung ist ein sehr wichtiger Faktor bei der Arbeit und hilft, das Potenzial für Verbesserungen zu erkennen“, sagt Joachim Falken. Er war selbst jahrelang als Werkarbeiter beschäftigt und hat, genau wie sein siebenköpfiges Team, ein Gespür für sinnvolle Vorschläge entwickelt.

Als Eren 2012 mit seiner Idee zu den Verantwortlichen ging, um diese testen zu können, gab man ihm sofort grünes Licht. Mit einer simplen Designänderung an den Schmelzöfen für Magnesium wollte er dem Betrieb unnötige Ausgaben einsparen. Statt gewölbten Deckeln wollte er flache Abdeckungen für die Maschinen einführen. Was im ersten Moment nur nach einer optischen Verschönerung klingt, hat in Wirklichkeit einen chemischen Hintergrund.

Wegen der leichten Entflammbarkeit von Magnesium muss dass verflüssigte Metall vor Kontakt mit Sauerstoff geschützt werden. Sonst würde es sich schnell entzünden. Damit dies nicht geschieht, wird ein Schutzgasgemisch über das geschmolzene Magnesium gelegt, bestehend aus R430A, Stickstoff und Kohlenstoffdioxid (CO2). Ohne dieses Gemisch würde die Magnesiumoberfläche brennen.

Der 44-jährige Eren hat sich gefragt, wozu das CO2 bei diesem Prozess nötig ist. Er fand heraus, dass es nur benötigt wird, um das Schutzgasgemisch in dem kuppelförmigen Deckel des Schmelzofens herunterzudrücken. Seine Verbesserungsidee: Mit einem flachen Deckel bräuchte man kein CO2 mehr, das das Schutzgasgemisch schwerer macht. Das verringerte Luftvolumen im Schmelztiegel drückt das Gas von selbst nach unten. Durch diesen Einfall mit dem flachen Deckel, der ein Jahr lang erprobt wurde, spart VW nun 100.000 Euro.

Und Eren, der mit seiner Frau in Edertal-Wellen lebt und eine Tochter hat, darf sich über eine finanzielle Prämie für seine Idee freuen. (bek)

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