Sozialdemokraten lehnen Verzicht auf Vize-Landrätin für Koalition mit Grünen ab

SPD: Selbert nicht verhandelbar

Susanne Selbert

KREIS Kassel. Mit ihrem Planspiel, Vize-Landrätin Susanne Selbert (SPD) als Preis für eine politische Hochzeit mit den Sozialdemokraten nach dem Ablauf ihrer Amtszeit 2013 durch einen Vize-Landrat aus den eigenen Reihen zu ersetzen, haben sich die Grünen im Landkreis Kassel offenbar zu weit aus dem Fenster gelehnt.

In der SPD wird die von Fraktionschefin Steffi Weinert vorgetragene Forderung abgelehnt. Diese sei „unerträglich und dreist“, sagt Anette Milas, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF). Die Position von Selbert sei für die SPD nicht verhandelbar. Zum einen sei die Vize-Landrätin kompetent, zum anderen sei die Besetzung der Führungsspitze in der Kreisverwaltung mit einem Mann und einer Frau mit ausschlaggebend für die Wahl Selberts gewesen.

Die AsF-Chefin wirft den Grünen vor, für „Postengeschacher“ sämtliche Grundsätze über Bord zu werfen. Wie berichtet, hatte Grünen-Fraktionschefin Weinert den Parteivorsitzenden Thomas Ackermann als hauptamtlichen Vize-Landrat ins Spiel gebracht. Nach dem Kalkül der Ökopartei könnte der 43-Jährige zuvor bereits als ehrenamtliches Mitglied des Kreisausschusses die Verantwortung für das Umweltressort übernehmen. Eine Absage fingen sich die Grünen auch von der SPD-Fraktionsvorsitzenden Ulrike Gottschalck ein. Auch sie lehnt es strikt ab, über eine Ablösung Selberts zu verhandeln.

Unterdessen stößt der Personalvorschlag Ackermann auch bei den Grünen selbst auf Kritik. In einer fraktionsinternen Abstimmung bekam der Mitarbeiter der Gemeinde Lohfelden nach HNA-Informationen nur eine knappe Mehrheit. Und das, obwohl er bei dem Stimmungstest keinen Gegenkandidaten hatte. Die Personaldebatte hat Beobachtern zufolge die Chancen für die Bildung einer rot-grünen Koalition im Landkreis Kassel geschmälert.

Nachdem die Sondierungsgespräche mit den sieben weiteren im Kreistag vertretenen Parteien abgeschlossen sind, will die SPD die Ergebnisse in dieser Woche bewerten. Neben einem Bündnis mit den Grünen ist auch eine Koalition mit der FDP und/oder den Freien Wählern denkbar.

Bis zum Unterbezirksparteitag am kommenden Samstag in der Jahnturnhalle in Immenhausen wird mit einer Entscheidung gerechnet. An diesem Tag stellt sich Landrat Uwe Schmidt zur Wiederwahl. Er führt die Landkreis-SPD seit zehn Jahren. Archivfotos: nh

Von Peter Ketteritzsch

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.