Das Musik-, Radio- und Kinomuseum in Helsa stellt ein seltenes Orchestrion aus

„Es spielt wie André Rieu“

Spielt sich selbst: Orchestrion im Musik-, Radio- und Kinomuseum in Helsa. Foto: Baus/nh

Helsa. Ein Instrument, das ganz von selbst musiziert – Anfang des vergangenen Jahrhunderts war das eine große Sensation. Als 8. Weltwunder der Technik wurde damals das Orchestrion gesehen. Ein Orchestrion besteht aus drei Geigen, die sich selbst spielen, und einem Klavier, das ebenfalls automatisch erklingt. Eines der seltenen Instrumente steht nun im Musik-, Radio- und Kinomuseum Helsa. Werner Baus aus Eschenstruth hat das Gerät restauriert, 15 Monate hat es gedauert, an die 1500 Arbeitsstunden hat er gebraucht.

Der Restaurator schwärmt vom Ergebnis. Das Orchestrion beherrsche sogar das kunstvolle Vibratospiel auf den Geigen, „wie der berühmte Geiger André Rieu“. Baus erklärt, warum ein solches Instrument erfunden wurde: „Anfang des vergangenen Jahrhunderts war es üblich, dass öffentlich Klavierspieler mit Geigenbegleitung auftraten. Das Orchestrion sollte als Ersatz für die zwei Musiker dienen.“ Vorgestellt wurde das Instrument erstmals 1908 auf der Musikmesse in Leipzig. Das Exemplar, das nun in Helsa steht, hatte ein italienischer Graf vor über 100 Jahren gekauft. Nach seinem Tod lagerte das Instrument in einem Schuppen. „Es sah schrecklich aus und war von Holzwürmern zerfressen“, erinnert sich Werner Baus. Nun spielt das Orchestrion wieder verschiedene Melodien. Die Abfolge der Töne ist dafür auf gelochten Papierrollen gespeichert. Das Orchestrion liest die Rollen wie Noten ein und spielt daraufhin Schlager, etwa „Zwei rote Rosen und ein roter Tango“.

Der Trick bei den selbstspielenden Geigen: Anders als ein Musiker, der seinen Bogen auf die Geigensaiten drückt, drückt das Orchestrion die Geigen gegen einen Bogen. Dieser ist nicht gerade, sondern umgibt die Geigen ringförmig und dreht sich. Ein Elektromotor und Druckluft treiben das Gerät an. Bis zum Jahr 1930 wurden 700 bis 1000 Orchestrions gebaut. Heute gibt es weltweit noch 68 Stück. Das Musik-, Radio- und Kinomuseum ist am Samstag, 7., und Sonntag, 8. Mai, von 10 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet, um das Orchestrion vorzustellen.

Von Irene Habich

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