71-jähriger ehemaliger Rektor erfüllt sich Traum und fährt jetzt Schulbus

Der spinnt, der Sommer

Voll in seinem Element: Erich Sommer hinter dem Steuer eines Schulbusses. Damit erfüllte sich der ehemalige Schulleiter einen Traum. Foto: Zerhau

Niedenstein. Einigen Jugendlichen fällt in ihrem Schulbus regelmäßig die Kinnlade runter. Hinterm Steuer des mächtigen PS-Monsters sitzt der ehemalige Schulleiter der Louise-Schröder-Schule aus Niedenstein. Erich Sommer ist mittlerweile 71 Jahre alt, eigentlich seit sechs Jahren im Ruhestand, aber kein bisschen müde.

„Ich muss in Bewegung bleiben, geistig und körperlich“, sagt der Senior. Rüstig wäre eine maßlose Untertreibung. Man merkt Sommer sein Alter nicht an. Gerade erst hatten wir berichtet, wie sich der Niedensteiner als Aushilfsfahrer bei einer Spedition verdingt.

„Ich bin gern auf Achse. Das ist keine Belastung.“

Erich Sommer

„Ich möchte wirklich niemandem den Job wegnehmen“, das sagte er damals, und er sagt es heute, zwei Jahre später, wieder. Aber sein Traum sei es viele Jahre gewesen, einmal Busfahrer zu sein.

Der spinnt, der Sommer, würden sicher viele Menschen denken, spekuliert er. Warum genießt er nicht einfach seinen Lebensabend. „So einfach ist das nicht“, sagt Sommer, „ich bin gern auf Achse. Das ist keine Belastung.“ Im Gegenteil. Außerdem sei seine Frau gestorben. Er freue sich über die Abwechslung, und er brauche sie auch.

Mit dem Schulbus unterwegs

Derzeit fährt er Schulbuslinien für das Niedensteiner Unternehmen Chattengau. Natürlich als Aushilfsfahrer. „Man muss es nicht übertreiben und wie gesagt, ich möchte ja niemandem ...“. Er winkt ab und lacht. Überhaupt lacht Erich Sommer viel. „Weil ich mich ja auch freue“, sagte er. Nicht nur, dass er sich seinen Traum erfüllt habe, es erfülle ihn auch noch, ihn zu leben. Als Nächstes möchte er Reisebusfahrer in sein persönliches Portfolio aufnehmen. „Das sind die Chefs auf den Straßen. Schicker Anzug, Sonnenbrille, moderner Bus und in schönen Städten unterwegs.“

Dann soll aber wirklich Schluss sein, sagt er und lacht schon wieder. Er ist Marathon gelaufen, hat an einer Schule in Uganda geholfen, hat seinen Lkw-Führerschein gemacht, hat Terminfracht herumkutschiert und für mehr als 2000 Euro noch seinen Busführerschein gemacht, um Kinder pünktlich an der der Schule abzuliefern.

„Bezahlt habe ich alles aus eigener Tasche“, sagt Sommer. Das Geld für den Führerschein würde er gern einfahren. Aber verbissen sei er nicht. Sommer: „Sollte ich merken, dass ich der Aufgabe nicht mehr gewachsen bin, höre ich sofort auf. Die Verantwortung ist ungeheuerlich.“

Die Gesundheitsprüfung machte Erich Sommer mit links. Und den schwierigen Busführerschein hat er im ersten Anlauf bestanden. Wen wundert’s?

Von Damai D. Dewert

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