Vandalismus: Haltepunkte Osterberg und Kirchditmold längst Schwerpunkte

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Während sich in der Dämmerung mit aufgeblendeten Scheinwerfern eine Regiotram dem Haltepunkt Osterberg nähert, springen zwei Jugendliche (Bildmitte) noch auf den Schienen herum.

Vellmar. 26. Januar, 17.30 Uhr, Regiotram-Haltepunkt Osterberg in Vellmar: Zwei Jugendliche springen in der Dämmerung zwischen Gleisen herum und spielen Ball, während sich ein paar Hundert Meter weiter eine Bahn mit aufgeblendeten Scheinwerfern der Haltestelle nähert. Als sie wegfährt, wirft einer mit einem Gegenstand nach dem Zug.

Oder Dezember 2010: Unbekannte beschmieren in der Unterführung eine 25 Quadratmeter große Wand mit dem Schriftzug „Frohe Weihnachten“.

Nur zwei Beispiele von vielen. Zusammen mit dem Haltepunkt Kirchditmold ist der Osterberg seit seiner Eröffnung im Dezember 2008 „längst zu einem Schwerpunkt für Vandalismus geworden“, weiß Klaus Arend, Pressesprecher bei der Bundespolizeiinspektion Kassel.

33 Straftaten in einem Jahr

Allein von Januar 2010 bis Januar 2011 registrierte die Bundespolizeiinspektion am Osterberg 15 und in Kirchditmold 18 Sachbeschädigungen mit einem Gesamtschaden von jeweils 13.000 Euro. Geschätzte 20.000 Euro pro Jahr investiert die DB Station & Service als Eigentümer in diese zwei Haltestellen in einem Jahr, um die Folgen der Randale zu beseitigen. Dazu wendet der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) über das Zusatzprogramm „ServicePlus“ noch einmal rund 120.000 Euro jährlich auf, um an den insgesamt 100 Haltepunkten und Bahnhöfen in der Region Schäden innerhalb von 48 Stunden auszumerzen, teilt Pressesprecherin Sabine Herms mit.

„Wir wollen alle Täter kriegen.“

„Scratching, Farbschmierereien und zerdepperte Glasscheiben sind die häufigsten Straftaten“, sagt Arend. Aber auch gezündelt wird gerne. Täter sind fast immer Jugendliche. Am 17. Dezember vergangenen Jahres konnten zum Beispiel zwei 15- und 16-Jährige aus Ahnatal und Harleshausen dingfest gemacht werden, die am Osterberg eine Papiertüte mit einem alten Sakko angesteckt hatten. „Wir wollen jeden kriegen“, gibt sich Arend kämpferisch.

Aber die Ermittlungen gestalten sich trotz regelmäßiger Streifenkontrollen schwierig. Denn der Schwerpunkt der Straftaten fällt in den Zeitraum zwischen 20 und 23 Uhr, wenn die Nachtschwärmer sich auf den Weg nach Kassel machen. Dann liegt gerade der Osterberg - besonders wenn das Einkaufszentrum geschlossen hat - einsam in der Landschaft. „Diese Anonymität begünstigt den Vandalismus“, sagt Pressesprecher Arend.

Umso mehr ist die Bundespolizeiinspektion auf Zeugenaussagen angewiesen. Dafür gibt es die kostenfreie Servicenummer der Bundespolizeiinspektion (0800/6 888 000). Auch über das Internet können unter www.bundespolizei.de Mails abgesetzt werden.

Schließlich weist die Polizei darauf hin, dass sich Täter bei ihrem Tun auch in Gefahr bringen können. Wie zum Beispiel ganz aktuell am Mittwochabend die zwei Jugendlichen, die auf den Gleisen Ball spielten, obwohl sich eine Regiotram dem Haltepunkt näherte.

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