Heinrich Wicke fand im Nachlass seiner verstorbenen Frau viele Zeitzeugnisse

„Sport war alles für uns“

Viele Erinnerungen: Heinrich Wicke vor einem Bild seiner Ehefrau Martha, die sich über Jahrzehnte für den Baunataler Sport engagierte. Sie ist im vorigen Jahr gestorben. Foto: Dilling

Baunatal. Heute rollen die Bagger auf dem Gelände zwischen Altenritter Straße und Theodor-Heuss-Schule, weit über 100 neue Wohnungen soll entstehen. Vor 50 Jahren war die Szenerie dort völlig anders.

Junge Turnerinnen in adrett weißen Röcken und weißen Gymnastikschuhen tanzten auf dem Rasen. Sportler des KSV Altenritte und des KSV Altenbauna maßen sich im Fußball und im Tauziehen.

Der Baunsberg war erst spärlich mit Einfamilienhäusern bebaut: Heinrich Wicke hat eine Menge alter Fotos, auf denen die Anfänge der späteren Sportstadt Baunatal zu sehen sind.

Der 83-Jährige hütet einen ganzen Schrank voll historischer Bilder, Zeitungsausschnitte, Plakate von Sportfesten aus jener Zeit. Das ist das Erbe seiner vor knapp einem Jahr gestorbenen Frau Martha. Die hatte sich als Leiterin von Frauenturn- und Gymnastikgruppen und zuletzt als Übungsleiterin für Volkstänze mit behinderten Menschen in den Baunataler Werkstätten weit über die Grenzen Deutschlands einen Namen gemacht.

Das Ehepaar hatte sich gleich nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Sport kennengelernt und ein Stück Sportgeschichte Baunatals mitgeschrieben. „Der Sport war alles für uns. Wir waren ein tolles Team“, sagt der 83-Jährige.

Wicke war Hobbyfußballer und ein begeisterter Läufer, der 1947 an den Kasseler Waldlaufmeisterschaften teilnahm. Der Altenbaunaer gehörte mit seiner Frau auch zu denjenigen, die 1964 den Zusammenschluss von Altenritter und Altenbaunaer Sportverein zum KSV Baunatal mit einfädelten, wie er sagt.

Das Eigenheim des Ehepaars am Baunsberg sei in den Anfängen die Schaltzentrale von Sportlern und Funktionären gewesen. „Wir hatten ein offenes Haus für alle Sportler des KSV“,erzählt der Rentner und fügt hinzu: „Die Trikots der Fußballer habe ich mit meiner Frau in unserer Waschküche gewaschen. Wir waren Mädchen für alles.“ Wicke fungierte viele Jahre als Betreuer der Altenbaunaer Kicker.

Auf den vielen alten Bildern, die Wicke verwahrt, lässt sich der rasante Aufstieg Baunatals verfolgen: Die Einweihung des Stadions 1979, der Bau des ersten Hartplatzes, die Hallensportschauen in der Rundsporthalle, bei denen Ehefrau Martha in Sachen Gymnastik Regie führte.

Der sportliche Aufstieg sei durch den Bau des VW-Werks 1958 erst richtig in Schwung gekommen, erzählt der Rentner. Damals seien eine Reihe guter Sportler von Wolfsburg ins neue Werk gewechselt. Sie selbst hätten den späteren Handballtrainer von Kirchbauna, Kurt Schneider, lange beherbergt, weil damals Wohnungen in Baunatal fehlten. (pdi)

Baunataler Sportgeschichte in alten Fotos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.