Lehrer stellen sich darauf ein, dass mehr behinderte Schüler in die Klassen kommen

Sport geht auch mit Handicap

Marco

Baunatal. Gerade im Sportunterricht haben oft nicht alle Schüler die gleichen Startbedingungen. Wer übergewichtig ist, dem fallen Sprünge über Kasten oder Böcke schwerer als den Klassenkameraden. Das gilt um so mehr für Kinder, die dauerhaft gehandicapt sind. „Da muss man kreativ sein“, sagt Bettina Weiß, stellvertretende Leiterin der Friedrich-Ebert-Schule in Baunatal. Es gebe dort drei behinderte Schüler, die in den normalen Sportunterricht integriert würden, sagt sie.

Weiß gehört zu den mehr als 250 Lehrern aus der Region, die sich jetzt in der Baunataler Stadthalle über die Möglichkeiten, Kinder mit Behinderungen in den Sportunterricht zu integrieren, informierten. Den Rahmen bot eine Fortbildungstagung des Staatlichen Schulamts. Hintergrund: Eltern haben aufgrund einer in Deutschland seit zwei Jahren gültigen Konvention der Vereinten Nationen Anspruch darauf, dass ihr Kind trotz körperlicher oder geistiger Handicaps in eine Regelschule aufgenommen und nicht auf eine „Sonderschule“ verwiesen wird.

Daher rechnen Pädagogen damit, dass demnächst häufiger behinderte Kinder in die Klassen integriert werden müssen. Darauf gelte es sich vorzubereiten, Ängste bei den Lehrern abzubauen und Hürden zu beseitigen, sagte Schulsportrat Michael Scholz (Kassel).

Marco Vogel von der Baunataler Erich-Kästner-Schule hat bisher positive Erfahrungen im Miteinander von „normalen“ und gehandicapten Schülern gemacht. In den neunten Klassen gebe es zwei Rollstuhlfahrer, die in den normalen Sportunterricht eingebunden würden, berichtet Vogel. Wenn Geräteturnen angesagt sei, erhielten die Rollstuhlfahrer andere Bewegungsaufgaben. Sie würden von Unterrichtsassistenten – Zivildienstleistenden oder Absolventen des freiwilligen sozialen Jahrs – unterstützt, sagt Vogel. Wichtig sei, dass man behinderten wie nicht behinderten Kindern den Spaß an der Bewegung vermittele, so Vogel.

Auch an der Langenbergschule funktioniere die Integration zweier körperbehinderter Schüler in den Unterricht, sagt deren Leiter Dieter Kauffeld.

Jens Adler, Lehrer von der Theodor-Heuss-Schule, hat zwar aus dem Unterricht keine Erfahrung mit behinderten Kindern, dafür aber in seinem Sportverein KSV Baunatal. Ein seelisch behindertes Kind sei dort sogar in der Schwimmer-Leistungsgruppe.

Die Lehrer der Regelschulen sollten sich mit ihren Kollegen von den Förderschulen austauschen. Von deren Fachwissen könnten sie profitieren, empfahl die Referentin der Tagung, Professor Gudrun Doll-Tepper von der Freien Universität Berlin. Fotos: Dilling

Von Peter Dilling

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