Der Sohn eines italienischen Kriegsgefangenen besuchte Hirschhagen

Auf Spuren von Michelini

Im ehemaligen Munitionswerk Hirschhagen vor den Schautafeln: (von links) Antonino Caserta, Piero Michelini, Gerold Kunert, Gerd Vogelsang und Antonella Michelini. Foto: Vogelsang/nh

Helsa / Hess. Lichtenau. Von Oktober 1943 bis März 1945 musste Ivo Michelini als italienischer Kriegsgefangener im Munitionswerk Hirschhagen unter schwierigsten Bedingungen arbeiten. Jetzt besuchte sein Sohn Piero die frühere Peinigungsstätte seines Vaters.

Über den Geschichtsverein Helsa hatte Piero Michelini Kontakt aufgenommen. Der Vater hatte seine Arbeit im Lager und seine abenteuerliche Flucht auf unzähligen Papierzetteln und Rändern von Zeitungen festgehalten.

Ivo Michelini war im Lager Steinbach in Eschenstruth inhaftiert. Das Lager befand sich unmittelbar an der Ortseinfahrt von der B7 kommend.

Geschichtsvereinsmitglied Gerold Kunert, mit der Historie des Munitionswerkes bestens vertraut, nahm sich der Sache an, es entwickelte sich ein reger Kontaktaustausch.

Der Gefangene Michelini hatte Schreckliches in Nordhessen erlebt. So musste er zum Beispiel miterleben, wie 17 seiner Kameraden bei einer der größten Explosionen in Hirschhagen am 31. März 1943 an der Füllstelle West ums Leben kamen. Aber es gab auch schöne Kontakte zur einheimischen Bevölkerung. Von Beruf Frisör, schnitt der Kriegsgefangene Michelini – das ergaben Recherchen – zahlreichen Eschenstruthern die Haare. Im nahen Quentel hatte er, wie seinem Tagebuch zu entnehmen ist, eine Freundin. Wie groß das Interesse am Schicksal seines inzwischen verstorbenen Vaters ist, zeigt die Tatsache, dass sich Piero Michelini mit Ehefrau Antonella nun auf den Weg nach Nordhessen machte.

Von Brigitte und Gerold Kunert herzlich aufgenommen, begaben sie sich zwei Tage auf Spurensuche in Eschenstruth und Hirschhagen. Um die Sprachbarrieren zu überwinden, zog man den in Wickenrode lebenden Italiener Antonino Caserta hinzu. Der Wissensaustausch brachte sowohl für Piero Michelini als auch für den Geschichtsverein neue Erkenntnisse. Nach den Tagen in Eschenstruth startete Michelini mit seinem Wohnmobil, um die Fluchtstrecke seines Vaters abzufahren, die ihn damals über Spangenberg, Rotenburg, Hersfeld, Heilbronn und Untertürkheim bis in seine Heimatregion der Toskana führte.

Für Gerold Kunert bleibt jetzt noch die Aufgabe zu recherchieren, was dran ist an der Tagebucheintragung über die Quenteler Freundin von Ivo Michelini. (zvl/nh) Führungen: Entlang des jüngst eingeweihten Themenweges im ehemaligen Munitionswerk Hirschhagen bietet der Geschichtsverein Helsa Führungen an. Infos: Gerold Kunert, Tel. 0 56 02/35 87; kontakt@geschichtsverein-helsa.de

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