30-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Prozess nach Bluttat in Lohfelden: Stach Mann mit Messer zu?

Lohfelden / Kassel. Der Angeklagte habe plötzlich morgens vor seinem Schlafplatz in einer Lohfeldener Wohnung gestanden, berichtet der Zeuge am Montag dem Kasseler Landgericht. „Steh auf“, habe der 30-Jährige gefordert, ihn beschimpft, ihm einen Faustschlag verpasst – und schließlich ein Messer geholt und zugestoßen.

Er habe den Mann zuvor nur mal mit dem Wohnungsinhaber gesehen.

Vor knapp einem Jahr, Anfang Februar 2012 soll all das gewesen sein. Die Vorfälle jenes Morgens haben dem 30-Jährigen eine Anklage wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung eingebracht. Seit Juli sitzt er deshalb in Untersuchungshaft. Der Zeuge kann drei Narben am Oberkörper präsentieren – und eine weitere, die von einem Schnitt am Arm stammen soll. Wie er die Verletzungen abbekommen hat, versucht das Gericht nun aufzuklären. Es gibt dazu etliche Versionen. Allein der geschädigte Zeuge hat schon mehrere geliefert: In ersten Vernehmungen bei der Polizei etwa kommt die Lohfeldener Wohnung gar nicht vor.

In diesen Schilderungen wollte der Mann noch in einem Park vom Angeklagten niedergestochen worden sein.

Der Angeklagte bestreitet, überhaupt irgendwelche Stiche geführt zu haben. Falsche Anschuldigungen seien das, die der Zeuge und der Wohnungsinhaber gegen ihn vorbrächten. Bei Letzterem nämlich habe der Zeuge Schulden aus Drogengeschäften: „Er hat selbst sein Leben kaputt gemacht – jetzt will er meins kaputt machen.“

Nicht immer war das, was der 30-Jährige sagte, so gut zu verstehen. Ein Dolmetscher saß neben ihm bereit. Doch – wie schon der Zeuge – versuchte der 30-Jährige, dem Gericht seine Geschichte mit eigenen Deutschkenntnissen nahezubringen - und mit etlichen Nebenhandlungssträngen.

Seine Version des Geschehens umfasst eine wirre nächtliche Suchaktion unter einer Lohfeldener Brücke. Der Zeuge habe dort Heroin verloren. Es klingt so, als solle der Wohnungsbesitzer dort draußen mit einem Messer auf den Zeugen eingestochen haben. Vielleicht, vermutete der Angeklagte, hätten die beiden das Ganze dann auf ihn geschoben, weil er an jenem Tag ohnehin geplant nach Frankreich ausgereist sei. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland wurde der 30-Jährige dann festgenommen.

Der verletzte Zeuge war nach eigenen Angaben an jenem Morgen „breit“ von Medikamenten und Drogen. Erst Stunden nach den Stichen wurde er ärztlich behandelt. Er war in einem Internetcafé aufgetaucht, wo Hilfe geholt wurde. „Der war leichenblass“, berichtete ein damals herbeigerufener Polizist dem Gericht. Der Notarzt habe „schwerwiegende, aber ältere“ Verletzungen festgestellt.

Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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