Verkehrsentwicklung

Fuß vom Gas, rauf auf den Sattel: Kasseler ADFC ruft Pendler zum Radfahren auf

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„Warum nicht mal mit dem Fahrrad zur Arbeit?“, fragt der ADFC-Kassel und lädt alle Berufspendler aus dem Speckgürtel Kassel dazu ein, das Auto einmal stehen zu lassen. Aufrufe und Aktionen dieser Art gibt es immer wieder in Deutschland. Unser Symbolbild entstand im Rahmen der bundesweiten Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit 2016“ in Hannover.

Kassel/Kreis Kassel. Der ADFC lädt Pendler ein, Fahrten zum Arbeitsplatz einfach mal mit dem Rad statt mit dem Auto zu absolvieren.

Fünf Wochen nach Bekanntgabe der geplanten Routen für Radschnellwege von Kassel nach Baunatal, Vellmar und Kaufungen/Helsa durch den Zweckverband Raum Kassel (ZRK), ruft nun der ADFC Kassel alle Berufspendler auf, es doch einmal mit dem Fahrrad oder mit dem Pedelec zu versuchen, um morgens von zu Hause zum Arbeitsplatz nach Kassel zu kommen.„Der Sommer steht vor der Tür – also warum nicht“, sagt Jürgen Vöckel vom ADFC Kassel.

Dazu eingeladen seien vor allem all jene Pendler, die im sogenannten Speckgürtel Kassels leben, und nicht mehr als fünf, zehn oder 15 Kilometer weit von ihrem Arbeitsplatz entfernt wohnen. Tatsache sei, dass das Fahren zum Arbeitsplatz mit dem Rad oder dem Pedelec oft nicht mehr Zeit koste, als die Fahrt mit dem Auto. Vor allem Arbeitnehmer, die recht nahe an der Kasseler Stadtgrenze lebten, hätten mit dem Fahrrad – mit dem Pedelec sowieso – sogar eher einen Zeitvorteil.

„Hinzu kommt: Radfahren fördert die Gesundheit und ist wesentlich preiswerter als Autofahren“, sagt Vöckel. Die lästige Suche nach einem Parkplatz entfiele, und man müsse auch keine Angst haben, „verschwitzt am Arbeitsplatz anzukommen“. Mit Pedelecs sei selbst die bergige Kasseler City gut und ohne große Anstrengungen zu meistern. Und nicht zuletzt: „Der Beitrag, der durch das Fahrrad- oder Pedelec-Fahren für die Umwelt geleistet wird, ist enorm“.

Tatsächlich verbraucht ein Auto etwa 100 Mal mehr Energie als ein Pedelec. „Der damit vermiedene Kohlendioxidausstoß ist sehr groß“, sagt Vöckel und erinnert daran, dass die allgegenwärtig diskutierte Energiewende zur Rettung des Weltklimas auch dadurch erreicht werden kann, dass der Energieverbrauch einfach reduziert wird.

„Und nichts eignet sich dazu mehr, statt mit dem Auto mit dem Rad oder dem Pedelec zu fahren“, sagt Vöckel. Autos seien wahre Energiefresser (siehe Information). „So braucht die Energiewende auch eine Verkehrswende, und die Verkehrswende wiederum das Fahrrad“.

Vöckel weiß, dass fast die Hälfte aller Fahrradnutzer (47 Prozent) vor allem aus Sicherheitsgründen nicht gerne Fahrten mit dem Rad erledigen. Als Hauptursachen werden immer wieder zu viel Autoverkehr, zu wenige separate Radwege und zu schnell fahrende Autofahrer genannt.

„Die Steigerung der Radpendlerzahlen steht und fällt auch mit der Qualität und der Sicherheit der Radwege“, appelliert Vöckel auch an die Politik wie auch an die verantwortlichen Verkehrsplaner der Städte und Gemeinden. Die nun anstehende Entwicklung und Planung der Radschnellwege von Kassel nach Baunatal, Vellmar und Kaufungen bis nach Helsa sei ein erster Schritt.

Doch auch in der Innenstadt Kassels müsse noch vieles getan werden – angefangen von der fahrradgerechten Ausgestaltung von Straßen, Kreuzungen und Überwegen bis hin zur Bereitstellung von diebstahlsicheren und witterungsgeschützten Radabstellanlagen. „Niemand stellt sein mehrere Tausend Euro teures Pedelec an einen Fahrradbügel auf den Königsplatz oder an eine Laterne in einer Nebenstraße – und setzt es Diebstahl und Vandalismus aus“.

Hintergrund: Großes Potenzial für Verkehrswende

Der Pendlerverkehr birgt ein großes Potenzial für eine Verkehrswende. Jeden Werktag lassen sich laut Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Kassel 2030 rund 300 000 Autofahrten über die Stadtgrenze zählen. Davon sind 160 000 Fahrten dem privaten Personenverkehr zuzuordnen, 75 000 Fahrten gehen auf das Konto der Berufspendler. Etwa 14 000 Pendler kommen davon aus dem direkten 15-Kilometer-Umfeld Kassels, also aus Vellmar, Baunatal, Lohfelden, Fuldatal, Niestetal, Kaufungen und Fuldabrück. Sie fahren Strecken zwischen fünf bis 15 Kilometer Länge, Strecken also, die auch gut mit dem Fahrrad oder Pedelec zurückgelegt werden könnten. Hinzu kommt mit 150 000 Autofahrten pro Tag der Binnenverkehr innerhalb der Stadtgrenzen Kassels. 70 Prozent dieser Pkw-Fahrten sind kürzer als zehn Kilometer, 50 Prozent kürzer als fünf Kilometer, 25 Prozent kürzer als zwei Kilometer – also alles Distanzen, die erneut sehr gut mit dem Rad oder Pedelec statt mit dem Auto zurückzugelegt werden können. „Der Zugewinn an städtischer Lebensqualität bei gleichzeitiger Ressourcen-Einsparung und Vermeidung von Schadstoffausstoß ist enorm“, sagt dazu Jürgen Vöckel vom ADFC Kassel. Diese Potenziale zu heben – und wenn nur in Teilen – sei Aufgabe einer zukunftsweisenden Verkehrspolitik.

Autos sind Energie- und Kostenfresser

Dass Autos wahre Energiefresser sind, zeigt folgendes Rechenbeispiel: Ein Pendler, der jeden Arbeitstag 20 Kilometer hin und zurück mit dem Auto fährt (0,6 Kilowattstunden Energieverbrauch pro Personenkilometer, 230 Arbeitstage pro Jahr), verbraucht dabei so viel Energie, wie ein sehr sparsamer Drei-Personen-Haushalt an elektrischer Energie (Strom) pro Jahr verbraucht (2760 Kilowattstunden). Ein Pedelec-Pendler hätte in dem gleichen Jahr gerade einmal 27,6 statt 2760 Kilowattstunden Energie verbraucht (Faktor 100 weniger). Mit anderen Worten: Mit der Energie, die ein Pedelec-Pendler in einem Arbeitsjahr einspart, könnte er fast ein ganzes Jahr lang einen Drei-Personen-Haushalt mit Strom versorgen. In Geld bedeutet das: Ein Pedelec-Pendler spart jedes Jahr rund 470 Euro Spritkosen (bei Super-Benzin, sieben Liter Verbrauch auf 100 Kilometer). Weil eine Kilowattstunde Strom aktuell etwa 0,27 Euro kostet, hätte der Pedelec-Fahrer im Vergleich nur Kosten in Höhe von 7,45 Euro pro Jahr zu stemmen.

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