Kinder-Palliativ-Team Nordhessen

"Kleine Riesen" helfen Familien mit unheilbar kranken Kindern

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Der Verein „Kleine Riesen“, der am Klinikum Kassel seinen Sitz hat, ist ambulant tätig, er unterstützt die Familien vor allem bei medizinischen Problemen zu Hause.

Kassel/Baunatal. Wenn bei Kinderkrankenschwester Gaby Bongard das Telefon klingelt, dann muss sich ihr Gesprächspartner im Büro einen Moment gedulden. Es kann sein, dass Eltern eines schwer kranken Kindes anrufen und um schnelle Hilfe bitten. Das hat Priorität. Gaby Bongard arbeitet für den Verein „Kleine Riesen“, das Kinder-Palliativ-Team Nordhessen. Zwölf Mitarbeiter helfen Jungen und Mädchen, die vermutlich bald sterben werden, sowie deren Eltern und Geschwistern auf einem letzten gemeinsamen Weg.

Der Verein „Kleine Riesen“, der am Klinikum Kassel seinen Sitz hat, ist ambulant tätig, er unterstützt die Familien vor allem bei medizinischen Problemen zu Hause. Seit 2014 ist das Team aus Ärzten, Krankenschwestern, einer Psychologin und einer Sozialarbeiterin zwischen Kassel und Fulda unterwegs – auch nachts und an Wochenenden. „Wir arbeiten pflegerisch und ärztlich daran, dass die Kinder zu Hause bleiben können“, sagt Arzt Dr. Thomas Voelker. „Es hängt immer die ganze Familie dran“, ergänzt Chefärztin Prof. Michaela Nathrath. „Das, was möglich ist an zusätzlicher Unterstützung, wollen wir da hinein geben.“

Angewiesen auf Spenden

Die Krankenkassen bezahlen den Einsatz von Ärzten und Pflegekräften. Das Gehalt der Psychologin und der Sozialarbeiterin übernehmen sie nicht. Dafür sammelt der Verein ständig Spenden. Bisher, so erläutert Voelker, reiche es für 15 Wochenstunden für die Psychologin und zehn Stunden für die Sozialarbeiterin. Dringend benötigte zusätzliche Zeiten könnten nicht finanziert werden.

Das VW-Werk Kassel in Baunatal sammelte jüngst auf einem neu geschaffenen Weihnachtsmarkt für die „Kleinen Riesen“. 5540 Euro kamen durch den Verkauf nicht-alkoholischer Getränke zusammen. „Manch einer hat einen 50-Euro-Schein in die Spendendose gesteckt“, berichtete Werkleiter Thorsten Jablonski von großer Anerkennung für die Arbeit der „Kleinen Riesen“ unter der Belegschaft. Werkleitung und Betriebsrat absolvierten selbst Schichten in dem Verkaufsstand.

Derzeit betreuen die Mitarbeiter des Vereins in dem riesigen Gebiet des Regierungsbezirk Kassel acht schwerstkranke Jungen und Mädchen. Wenn ein Kind etwa mit einer schweren Mehrfachbehinderung nachts in der Rhön eine medizinische Krise hat, rückt ein Teil des Kasseler Teams aus. Der Aufwand lohnt sich. Das Kümmern um die Kleinen in der gewohnten Umgebung gibt auch den Eltern die Beruhigung, dass sie nicht zum x-ten Male ein Krankenhaus aufsuchen müssen. „Wir wissen, dass das für die Familien eine immense Wichtigkeit hat“, sagt Thomas Voelker.

Im Gegensatz zur Hospizarbeit bei Erwachsenen ist die palliative Betreuung von Kindern oft längerfristig angelegt. „Wir haben Patienten, die betreuen wir seit einem Jahr“, sagt der Kinderarzt und Kinderonkologe.

Michaela Nathrath und ihr Team sind sich über das schwere Leid in den Familien bewusst. Dennoch vermitteln sie so etwas wie Stärke und Zuversicht. „Es geht darum, Lebensqualität zu erhalten. Wir können aber alles nur mildern.“

„Kleine Riesen Nordhessen“, Mönchebergstraße 41-43 (Haus L), 34125 Kassel, 05 61/98 01 75 58.

Stichwort: Linderung von Leiden

So lautet die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Palliativversorgung ist ein Ansatz, der die Lebensqualität von Patienten und deren Familien verbessert, die mit den Problemen im Zusammenhang einer lebensbedrohenden Erkrankung konfrontiert sind, dies mittels Prävention und Linderung von Leiden durch frühzeitiges Erkennen und umfassende Erfassung sowie durch die Behandlung von Schmerz und anderen Problemen auf körperlichen, psychosozialen und spirituellen Ebenen. 


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