Ein Fachmann aus dem Kreis Kassel im Interview

Die Pilze sprießen schon: Gefahren, Sorten und Vorkommen in der Region

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Hallimasch-Pilze im Wald: Der Pilz ist ein Speisepilz. In rohem Zustand ist er giftig, aber selbst nach dem Kochen vertragen ihn viele Menschen nicht und bekommen Magen- und Darmprobleme.

Wegen des feuchten Wetters machen die Pilze dem ihnen gewidmete Sprichwort in diesem Jahr schon vor dem Saisonstart im Herbst alle Ehre: Sie sprießen nämlich wie Pilze aus dem Boden. Tipps zur Pilzsuche.

Zwar kann man in den heimischen Wäldern das ganze Jahr über Pilze finden und Pilzsaison ist im Herbst. Aber: Das feuchte Wetter begünstigt das Wachstum von Speisepilzen. Wir sprachen darüber mit Roman Krettek von der Unteren Naturschutzbehörde, der auch Pilzsachverständiger ist.

Welche Wälder im Kreis Kassel bieten sich für die Pilzsuche an?

Roman Krettek: In der Regel sind ältere Mischwälder ergiebiger als junge Monokulturen. Es kann aber auch in einem Fichtenstangenforst Massenentwicklungen etwa vom Maronenröhrling geben. Bei vielen beliebt sind die Nadelwälder der Söhre, des Reinhardswaldes und des Wolfhager Landes, da mit diesen Bäumen viele Röhrlinge in Symbiose leben. Im Sommer kann man aber Steinpilze hauptsächlich im Laubwald finden. Es gibt also keine universelle Regel für den besten Pilzwald.

Wie kann der Laie Pilzwälder finden?

Krettek: Es ist sehr hilfreich, wenn man die häufigsten heimischen Bäume erkennt, da viele Pilze nur unter oder an bestimmten Bäumen wachsen. Auch eine geologische Karte ist sinnvoll, da auf kalkigem Boden andere Arten wachsen als auf Sandsteinuntergrund. Bestimmte Arten sind so standorttreu, dass einige Pilzsammler die GPS-Koordinaten speichern. Allerdings erscheinen die Fruchtkörper nicht immer zur selben Zeit und können in manchem Jahr komplett fehlen, obwohl der Pilz im Boden weiterlebt. Da hilft nur regelmäßiges Abgehen der Standorte.

Der Maronenröhrling gehört zu den Röhrlingen. Sie werden gern gesammelt, weil es darunter nur wenige giftige Pilze gibt, und die sind nicht tödlich

Mit dem Pilzbestimmungsbuch durch den Wald laufen und suchen – ist das die geeignete Methode?

Krettek: Das Pilzbuch sollte im Wald nur als Erinnerungshilfe, also zum Nachschlagen bekannter Arten genutzt werden, jedoch nie zum Bestimmen einer unbekannten Pilzart. Zum Kennenlernen nimmt man etwa drei Fruchtkörper (jung - mittel - alt) mit, merkt sich die Baumarten der näheren Umgebung und eventuell vergängliche Merkmale (Geruch, Ring, Flocken…) und bestimmt den Pilz in Ruhe zu Hause. Wenn Unsicherheiten bleiben, fragt man einen ausgebildeten Pilzsachverständigen. Erst wenn man eine essbare Art sicher kennt (also auch die giftigen Doppelgänger), kann man den Korb damit füllen.

Welche Pilzarten findet man bei uns?

Krettek: In unseren heimischen Wäldern gibt es mehrere tausend Pilzarten (ohne die mikroskopisch kleinen!), von denen mehrere hundert essbar sind. Die meisten Pilzsammler konzentrieren sich aber auf etwa ein bis zwei Dutzend Arten. Dazu zählen neben klassischen Hutpilzen wie etwa der krausen Glucke, Röhrlinge wie der Steinpilz, der Maronrenröhrling, Rotfußröhrling aber auch Lamellenpilze, darunter der Parasol, Champignons und Täublinge wie zum Beispiel der Frauentäubling.

Der Parasol gehört, wie auch der Champignon, zu den Lamellenpilzen, hat einen nussigen Geschmack und ist weich und zart.

Bei welchen Pilzen ist Vorsicht geboten?

Krettek: Anfänger sollten Arten meiden, die leicht mit giftigen Pilzen verwechselt werden können. Es gibt aber auch Speisepilze, die von vielen Menschen nicht vertragen werden, wie zum Beispiel der Hallimasch.

Es heißt, im Supermarkt sind Pilze oftmals bereits nicht mehr frisch. Wie lange darf man selbstgesuchte Pilze aufheben?

Krettek: Die Pfifferlinge im Handel kommen meist aus Osteuropa und sind im Supermarkt dann oft ein paar Tage alt. Diese Pilzart verträgt das und kann sogar nach einer Woche noch genießbar sein. Das andere Extrem ist etwa der Schopftintling, der oft schon nach einem Tag zu einer schwarzen Masse zerfließt. 

Sehr schmackhaft ist die Pilzart Krause Glucke. Sie sieht aus wie ein Badeschwamm und wächst unter der Kiefer oder am Baum selbst.

Da Pilze eher dem Fleisch als dem Gemüse ähneln, sollte man sie nicht mehr als drei Tage gut gekühlt und nicht zu trocken lagern. Alternativ kann man die frischen Pilze auf einem Dörrapparat trocknen, einlegen oder tiefgefrieren. Damit erhöht sich die Haltbarkeit auf Monate bis Jahre. 

Einen Pilz-Sachverständigen finden:

Auf der Homepage www.dgfm-ev.de kann man Pilzsachverständige finden. Der persönliche Kontakt zu einem Pilzsachverständigen ist durch kein Pilzbuch und kein Internet-Forum zu ersetzen, sagt der Pilz-Experte Roman Krettek. Genaue Standorte, wo man im Landkreis Kassel Pilze findet, will er nicht verraten. Hinweise gibt es aber oftmals in Internetforen oder bei Pilzwanderungen.

Beim Champignon (Lamellenpilz) ist Vorsicht geboten, denn man kann ihn leicht mit dem giftigen Knollenblätterpilz verwechseln.

Zur Person: Roman Krettek (52) ist Biologe und arbeitet bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Kassel. Er kam über einen Urlaub als Kind mit Pilzen in Berührung und hat sich seitdem für Pilze interessiert und weitergebildet. Krettek gibt unter anderem Kurse an der Volkshochschule und bestimmt Pilze auf Nachfrage. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin in Wolfhagen und hat ein Kind. 

Kontakt zum Fachmann: Biologische-Gutachten@t-online.de

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