Umgestaltung des Vellmarer Zentrums sorgte für Aufregung

Stadtplanung liegt auf Eis

Blick auf Vellmars Stadtzentrum: Hier schlägt das Herz der Stadt, deshalb soll das komplette Stadtzentrum modernisiert werden. Der Masterplan liegt aber zurzeit im Dornröschenschlaf. Foto: Brosche

Vellmar. Lange Zeit gab es keinen solchen Aufreger in Vellmar, als die Diskussion um den Masterplan für die Stadtentwicklung. Mit ihm sollte die junge Stadt mit Tradition fit für die Zukunft gemacht werden.

Besonders die dort entwickelte Lösung, die Einkaufspassage vom Privatbesitzer komplett abreißen und durch einen größeren Neubau ersetzen zu lassen, schlug ein wie eine Bombe, führte zu intensiven Protesten der dort ansässigen Geschäftsleute. Mit ihren eigenen Projekten Rathaussanierung und dem Neubau des Parkdecks wollte die Stadt Vellmar bei dieser Umwälzung Vorreiter für die privaten Investoren sein.

Das ist jetzt eineinhalb Jahre her. Und vom Masterplan ist keine Rede mehr. Nachdem das Finanzierungsmodell über einen Projektentwickler für die Rathaussanierung durch einen Bürgerentscheid gekippt wurde, scheint die Luft raus, die Vorreiterrolle der Stadt vorbei.

„Der Effekt, dass wir als Lokomotive, die zuerst losfährt, vorangehen, ist mit dem Bürgerentscheid weg“, räumt auch Bürgermeister Dirk Stochla (SPD) ein. „Und wenn man dann die eigene Bude noch nicht in Schuss hat, erhöht dass nicht gerade den Dampf bei den privaten Investoren.“ Trotzdem sieht der Verwaltungschef immer noch die positiven Impulse des Masterplans: „Entscheidend ist, dass wir eine Diskussion angestoßen haben.“ Stochla ist nach wie vor überzeugt davon, dass der Glaube an den Standort Vellmar weiter vorhanden ist, denn „in der Vellmarer Mitte schlägt das Herz“. Stochla: „Ich gehe davon aus, dass da noch was passiert.“

Denn von Stillstand will er nichts wissen und verweist auf schon angestoßene städtische Projekte: Neben dem Neubau des asbestbelasteten Bürgerhauses Obervellmar (kalkulierte Kosten 4,25 Mio. Euro) und der Sanierung der ebenfalls verseuchten Kulturhalle Niedervellmar (200 000 Euro Planungskosten im Haushalt) sei man auch am Rathaus dran: Die Ausschreibung für die Architektenleistungen stehe bevor, bis Mitte 2013 soll ein Planungsbüro gefunden sein, um die Kosten zu ermitteln und zu entscheiden, wie die Sanierung finanziell gestemmt werden könne. Start der Arbeiten dürfte laut Stochla „frühestens 2014“ sein.

Beim ebenfalls sanierungsbedürftigen Parkdeck backt die Stadt jetzt kleinere Brötchen: „Abriss und Neubau liegen derzeit auf Eis“, stellt der Bürgermeister klar.

Im Herbst werde die Statik überprüft, würden die Kosten ermittelt und dann repariert, was repariert werden müsse. Eine frühere Kalkulation geht von kompletten Sanierungskosten von insgesamt 715.000 Euro aus.

Was fest steht: Durch den Bürgerentscheid hat sich die Sanierung von Rathaus und Parkdeck, die damals im Paket, jetzt wieder separat umgesetzt werden wird, verzögert - egal wie man zu den jeweiligen Plänen stehen mag.

Wäre die auf dem Masterplan basierende Variante zum Zuge gekommen, würde laut Stochla jetzt schon das neue Parkdeck stehen und das halbe Rathaus in Containern auf den Festplatz ausgelagert sein, um im kommenden Januar das fertig sanierte Verwaltungsgebäude wieder beziehen zu können.

Von Stefan Wewetzer

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