Pumpversuche beginnen demnächst

Städtische Werke Kassel planen Bau eines neuen Wasserwerks in Nieste

Hier soll das Wasserwerk entstehen: Niestes Bürgermeister Edgar Paul (links) und Dipl.-Ing. Gunther Gaedtke (Städtische Werke) kontrollieren den Trinkwasserbrunnen Schornstein bei Nieste. Auf dem Wiesengelände rechts im Hintergrund soll das neue Wasserwerk errichtet werden. Foto: Schindler

Nieste/Kassel/Vellmar. Schon 141 Jahre, seit 1872, wird im oberen Niestetal Trinkwasser für die Stadt Kassel gewonnen. Nun soll die Wasseraufbereitung für die kommenden Jahrzehnte fit gemacht werden. Dazu planen die Kasseler Städtischen Werke die Errichtung eines neuen Wasserwerks in Nieste.

Das mittelgroße Werk wird eines von insgesamt acht sein, die Kassel und Vellmar mit Trinkwasser versorgen. Der Bauantrag ist bereits gestellt. Derzeit laufen die Vorbereitungen für das Vier-Millionen-Euro-Projekt, das teilten Vertreter der Städtischen Werke-Tochterfirma Netz+Service mit. Wenn alles glattgeht, soll die Anlage ab 2014 gebaut und 2015 in Betrieb gehen.

Das Wasserwerk wird außerhalb von Nieste am Fuße des Gerholdsbergs entstehen, wo die Werke an ihrem Standort Schornstein seit Langem Wasser der Nieste sammeln und zu Trinkwasser aufbereiten. Bisher kann das Quellwasser bei Regenwetter und Schneeschmelze wegen seiner dann einsetzenden Trübung jedoch nicht genutzt werden – an etwa hundert Tagen im Jahr fließt das Wasser dann ungenutzt weg. Das soll sich mit der neuen Aufbereitungsanlage ändern. Dank eines Feinfilters soll das Wasser künftig ganzjährig als Trinkwasser nutzbar sein, erläutert Diplom-Ingenieur Gunther Gaedtke, der bei den Werken für den Bau der Netze verantwortlich ist. Mehr Wasser werde man der Nieste aber nicht entnehmen.

So soll es aussehen: Das neue Wasserwerk bei Nieste wird mit Holz verkleidet und ermöglicht an einer Seite den Blick ins Innere. Computerillustration: nh

Bürgermeister Edgar Paul (SPD) sprach gegenüber der HNA von einem gelungenen Projekt. Der Standort Schornstein sei für das Wasserwerk, auch aus ökologischer Sicht, optimal. Paul lobte die Kooperationsbereitschaft der Werke. Die werden ein Grundstück in den Herrenwiesen, das sie sich fürs Wasserwerk gesichert hatten, an die Gemeinde zurückgeben. Die kann es dann als Gewerbegrundstück vermarkten und zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen erzielen. Vorbei sind die Zeiten, als die Wasserentnahme aus der Nieste für handfesten Streit zwischen der Gemeinde und den Werken sorgte, der auch vor Gericht ausgetragen wurde. Paul war 1984 einer der Mitbegründer der Bürgerinitiative gegen Wasserraubbau, mit der die Niester gegen die Verödung ihrer Landschaft kämpften.

Die Zeiten haben sich geändert. Die Werke haben sehr frühzeitig alle Beteiligten ins Boot geholt: Gemeinde, Naturschutz, Kreisverwaltung und Regierungspräsidium.

Nun wird die Realisierung des Projekts vorbereitet. Dazu werden ab diesem Sommer Pumpversuche an den Tiefbrunnen in Nieste stattfinden, die notwendigen Container werden in Kürze am Standort Schornstein aufgestellt.

Die Pumpversuche sollen Aufschluss über die Auswirkungen auf das Ökosystem und die benachbarten Wasserbetriebe von Nieste und Staufenberg geben. Außerdem wird es Versuche zur Aufbereitung und Mischung des Wasser geben, das aus bis zu 300 Meter tiefen Tiefbrunnen und 40 Quellen im Bereich der Nieste stammt.

Von Holger Schindler

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