Amtsgericht: 29-Jähriger wurde vom Wirt und drei Gästen einer Kneipe in Niedervellmar misshandelt

Statt Bier gab’s Schläge und Tritte

Vellmar. Ein heute 29-Jähriger war im Dezember vergangenen Jahres vor der Gaststätte „Platzhirsch“ in Niedervellmar verprügelt und beschimpft worden. Wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung muss sich seit Freitag vor dem Kasseler Amtsgericht der 47-jährige Ehemann der Gaststättenbetreiberin verantworten.

Er war – wie er nach einigem Zögern zugab – in die Schlägerei verwickelt.

Das 29-jährige Opfer berichtete, er habe an jenem Abend lediglich ein Bier trinken wollen, sei aber mit dem Verweis auf ein Hausverbot von dem 47-Jährigen abgewiesen worden. So sei es zu einem Streit gekommen, in dem er von dem Wirt nach draußen „geprügelt“ worden sei. Draußen sei er von Gästen der Kneipe geschlagen und getreten sowie als „Ausländer“ und „Kanake“ beschimpft worden. Und auch da habe der Wirt wieder mit zugelangt. Blutend sei er nach Hause gelaufen und habe die Polizei angerufen. Im Krankenhaus wurden zwei gebrochene Finger sowie diverse weitere Verletzungen festgestellt.

Eine Polizeibeamtin gestand vor Gericht als Zeugin ein, dass der Einsatz der Beamten „etwas schräg gelaufen“ ist. Beim ersten Notruf, den wohl ein Nachbar der Kneipe abgesetzt hatte, sei kein Streifenwagen frei gewesen. Als sie mit einem Kollegen dann eine ganze Weile später eintraf, „war nichts mehr“. Die Beamten fanden den 29-Jährigen, der inzwischen bei der Polizei angerufen hatte, zu Hause, er sei mit den Nerven am Ende gewesen, habe geweint.

Der Angeklagte hatte sich zunächst entschieden, nichts zu den Vorwürfen zu sagen. Nachdem sich in Zeugenaussagen die Hinweise darauf verdichteten, dass er nicht ganz unbeteiligt gewesen sein muss, brach er sein Schweigen. Der 29-Jährige habe Lokalverbot gehabt, weil er mehrfach angetrunken in der Kneipe aufgetaucht sei und versucht habe, Gästen ein Getränk zu spendieren, was nicht auf Gegenliebe gestoßen sei. Als er an jenem Dezemberabend erneut aufkreuzte, habe er ihm erneut einen Platzverweis erteilt. Als der 29-Jährige dem nicht nachgekommen sei, habe er ihn „aus dem Lokal geschoben“.

Der ungebetene Gast sei vor der Tür in einer Blumenrabatte gelandet. Danach sei er, beteuerte der Angeklagte, „zur Tagesordnung“ übergegangen. Doch drei Gäste seien hinausgegangen und hätten eine Schlägerei mit dem 29-Jährigen vom Zaun gebrochen. Als er das mitbekommen habe, sei er eingeschritten, um zu schlichten. Über ein Wortgefecht hinaus sei es da auch zu Handgreiflichkeiten gekommen. Er habe, gestand der Angeklagte, den 29-Jährigen in die Genitalien getreten und die Faust ins Gesicht gedrückt. Die Namen der drei außer ihm beteiligten Männer wusste der 47-Jährige nach eigenen Angaben nicht.

Eine Zeugin, die zeitweise Stammgast in der Kneipe war, konnte dann aber helfen. Die drei sollen nun gehört werden, um die Sache weiter aufzuklären. Deshalb gibt es am 15. November einen Fortsetzungstermin.

Von Ralf Pasch

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