Rentner wird verschont

Statt einer Anzeige: Schilder-Mann aus Elgershausen soll spenden

Schauenburg. Der Alltagsheld von Elgershausen: Weil er störende Straßenschilder abgebaut und an seinen Gartenzaun montiert hatte, drohte dem Rentner eine Anzeige. Beim Ortstermin wurde anders entschieden.

Unter seinen Nachbarn in Elgershausen gilt Fritz Reuter als ein Mann der Tat. Er befreit die Straße von Zigarettenstummeln, packt an, wo seine Hilfe gebraucht wird, und riskierte zuletzt eine Strafanzeige, weil er störende Verkehrsschilder auf eigene Faust umplatzierte. Die bleibt dem 81-jährigen Rentner nun erspart, stattdessen muss er spenden - und zwar an eine gemeinnützige Organisation. Die Schilder werden, das ergab der gestrige Ortstermin, in seinen Garten verpflanzt.

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Mittwoch, 9 Uhr, vor der Hausnummer 3 in der Großenritter Straße in Elgershausen. Dort wohnt Fritz Reuter, der die auf dem Bürgersteig störenden Schilder abgebaut und an seinen Gartenzaun montiert hat, weil sie den Gehweg blockierten und zuletzt einen Rollstuhlfahrer in Gefahr gebracht hatten. Vor seinem Hoftor wird es eng. Denn nur wenige Meter von den Schildern entfernt stehen Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU), Inga Deis von Hessen Mobil, Andrea Kühl-Fehrl von der Straßenmeisterei Wolfhagen, Hans Eidam (Freie Wähler) vom Ortsbeirat Elgershausen und eine Handvoll interessierter Bürger.

„Besagte Schilder, so wie sie sind, können so nicht bleiben“, sagt Inga Deis von Hessen Mobil. „Die Schilder hängen schief.“ Einzelne lachen und Fritz Reuter schüttelt den Kopf. Er habe schon immer sehr genau gearbeitet und auch die Schilder ordnungsgemäß an seinem Zaun angebracht. „Und beim nächsten Sturm fällt das Schild ab und beschädigt ein Auto“, wendet Gimmler ein. „Oder das Schild reißt den Zaun um - wer bezahlt dann die Reparatur?“ Genau darin liege das Problem, erläutert Inga Deis von Hessen Mobil. Denn wenn die Schilder von Hessen Mobil an dem Zaun von Fritz Reuter hängen, handle es sich um ein Mischverhältnis. Käme es zu einem Unfall, weil zum Beispiel die Befestigung nicht standhalte, dann müsste Reuter für den Schaden haften. „Wenn Sie das wollen, müssen Sie der privatrechtlichen Lösung schriftlich zustimmen“, sagt Gimmler.

Das wolle man nicht, lenkt die Gegenseite ein. Wieso sollte Reuter für etwas geradestehen, was allen Bürgern zugutekomme? Unzufrieden verlassen während des fast zweistündigen Ortstermins einige Bürger die Runde.

Ortstermin beim "Schilder-Mann" von Elgershausen

Letztlich wird in beiderseitigem Einvernehmen entschieden: Die Schilder kommen in Reuters Garten. Sie werden an zwei Pfosten befestigt, die ein Betonfundament im Boden stabilisiert. „Wir werden die Pfosten so nah wie möglich an die Mauer stellen“, beschwichtigt Hessen Mobil. Die Vereinbarung werde kommende Woche bei Reuter im Briefkasten liegen. Und die Anzeige? Die werde fallen gelassen, weil sich Reuter dazu bereit erklärt, an eine gemeinnützige Organisation zu spenden. „Spenden sollst du?“, fragt eine Bekannte von Reuter, „Fritz, da legen wir alle zusammen.“

Von Anna Lischper

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