Verstoß gegen Tierschutzgesetz?

Tierarzt tötete Staffordshire-Terrier: Ermittlungen dauern an

+
Eingeschläfert: Das Foto zeigt einen der getöteten Staffordshire-Terrier. Beide Tiere waren in Liebenau untergebracht.

Staufenberg /Liebenau. Im Fall der beiden bissigen Staffordshire-Terrier, die 2009 von der Gemeinde Staufenberg sichergestellt und 2013 von einem Tierarzt eingeschläfert worden waren, dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Göttingen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz an.

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue, stellvertretender Sprecher der Behörde, sollen noch Mitarbeiter der Hundepension in Liebenau befragt werden, in der die Tiere untergebracht waren, bevor die Gemeinde sie dort 2013 wieder hat abholen lassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt aufgrund von Anzeigen gegen den früheren Staufenberger Bürgermeister Volker Zimmermann (CDU) und den beteiligten Tierarzt.

Wie berichtet, hatte der neue Staufenberger Bürgermeister Bernd Grebenbstein (parteilos) zunächst erklärt, die beiden Staffordshire-Terrier seien anonym vermittelt worden. Später musste er einräumen, dass die Tiere getötet wurden. Nach HNA-Informationen versucht Grebenstein inzwischen, die Unterbringungskosten für die Hunde in Höhe von 37 000 Euro von dem früheren Halter der Tiere, einem Mann aus Kassel, zurückzubekommen.

Die wichtigsten Fakten zum Fall im Überblick:

Was ist denn überhaupt passiert? 

2009 hat die Gemeinde Staufenberg die beiden Staffordshire-Terrier sichergestellt, nachdem sie eine junge Frau bei Uschlag angefallen hatten. Bis 2013 waren sie in einer Tierpension untergebracht. Das kostete die Gemeinde über 7000 Euro pro Jahr. Allein bis Dezember 2012 summierte sich die Summe auf über 30.000 Euro. Nach Angaben von Staufenbergs Bürgermeister Bernd Grebenstein, der erst seit November 2014 im Amt ist, seien die Tiere Mitte Mai 2013 im Auftrag des Ex-Bürgermeisters Volker Zimmermann abgeholt worden, um sie von einem Tierarzt untersuchen zu lassen. Der Arzt habe festgestellt, dass beide Hunde schwere altersbedingte Arthrose gehabt und psychosoziale Verhaltensstörungen gezeigt hätten. Daraufhin seien sie eingeschläfert worden. Dies sei im Einklang mit dem Tierschutzgesetz geschehen.

Gibt es denn Gründe, an der offiziellen Version zu zweifeln? 

Der Leiter der Hundeschule, in der die Tiere untergebracht waren, zeigte sich gegenüber unserer Zeitung erstaunt über die Diagnose des Tierarztes, den die Gemeinde Staufenberg hinzugezogen hatte. Die Tiere seien gesund gewesen. Sie seien regelmäßig von einem Tierarzt untersucht worden. Er habe auch keine Anzeichen von Arthrose bemerkt.

Wie kam es denn zur Falschmeldung im März 2015, dass beide Tiere vermittelt worden seien? 

Die Sprecherin der Gemeindeverwaltung hatte auf Anfrage unserer Zeitung, was aus den Tieren geworden sei, im März 2015 mitgeteilt, dass die Hunde anonym vermittelt wurden. Angaben zum Hundehalter wollte die Gemeinde nicht machen, weil ihm die Anonymität zugesichert worden sei. Bürgermeister Bernd Grebenstein betonte später, dass er zunächst auch keine anderen Informationen gehabt hätte. Konfrontiert mit Recherchen unserer Zeitung, wonach die Tiere getötet wurden, hat er den Fall überprüft und zwei Tage nach unserem Bericht eingeräumt, dass die Tiere eingeschläfert wurden.

Was ermittelt nun die Staatsanwaltschaft?

Sie will klären, ob es tatsächlich medizinische Gründe gab, die Tiere einzuschläfern oder nicht. Dazu untersucht sie, wie der Gesundheitszustand der Tiere war, bevor sie aus der Hundepension abgeholt wurden. So sollen weitere Mitarbeiter befragt werden. Zudem soll geklärt werden, wann zuletzt eine Untersuchung der beiden Hunde stattgefunden hat, wann also zuletzt ein Tierarzt die beiden Hunde gesehen hat, bevor sie abgeholt wurden.

Was sagt das Tierschutzgesetz? 

Der Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes lautet: „Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.“

Lesen Sie auch:

- Bissige Terrier wurden tatsächlich von Tierarzt eingeschläfert

- Kommentar zu gefährlichen Listenhunden: Die Schuld liegt beim Halter

- Spezialpension „Apollo“ verwahrt auffällige Listenhunde

Hundepension „Apollo“: Diese Tiere suchen neue Besitzer

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.