Stillstand an der Stiftskirche in Oberkaufungen

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Gestoppt: Aus der Sanierung der Westseite des Kirchturms wird vorerst nichts. An der Fassade bröckelt seit Jahren der Putz, eindringendes Wasser beschädigt das Mauerwerk.

Kaufungen. Hiobsbotschaft für die Freunde der Kaufunger Stiftskirche: Weil der Bund kurzfristig seinen Zuschuss für das laufende Jahr gestrichen hat, ist die Sanierung des fast 1000-jährigen Gotteshauses gestoppt werden.

Nach Auskunft von Dekanin Carmen Jelinek, Vorsitzende des Fördervereins Stiftskirche, ist die für das Jahr 2017 geplante Wiedereröffnung der größten Kirche in der Umgebung von Kassel damit vom Tisch.

Konkret geht es um 150.000 Euro, die Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) pro Jahr für die Wiederherstellung der Stiftskirche bereitgestellt hatte. Die Summe aus dem Förderprogramm für „Kulturprojekte von nationaler Bedeutung“ sei nun mit dem Hinweis auf die schwierige Haushaltslage des Bundes gestrichen worden, sagte Jelinek im Gespräch mit der HNA.

„Wir haben Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt“, so die Dekanin, deren Verein in zehn Jahren 450.000 Euro zugunsten der Kirche gesammelt hat, „damit sind wir aber nicht durchgekommen.“

Bislang wurden 2,5 Millionen Euro verbaut, benötigt werden rund vier Millionen Euro. Durch den Ausstieg des Bundes fehlen nun insgesamt 450.000 Euro pro Jahr. Denn bei dem Geld, mit dem sich das Land Hessen und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (jeweils 150.000 Euro) an der Sanierung beteiligen, handelt es sich um sogenannte Komplementärmittel: Sie fließen nur, wenn der Bund zahlt. Gegen den Bund zu klagen, soweit wollen Dekanin Jelinek und der Obervorsteher des Ritterschaftlichen Stifts, Henn-Wolfram Riedesel zu Eisenbach, nicht gehen. Beide setzen stattdessen auf Hilfe seitens der Politik. Man werde die örtlichen Abgeordneten, vor allem die in Berlin vertretenen Parlamentarier, um Hilfe bitten, sagte Jelinek.

Außerdem hoffen sie auf Hessens Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU). Die Kulturpolitikerin, die aus Kassel stammt, hatte vor zwei Jahren in der Stiftskirche die Festrede zum 1000-jährigen Bestehen Kaufungens gehalten. Unterdessen ist die anstehende Sanierung des Mauerwerks an der westlichen Kirchturmseite erst einmal abgeblasen worden. „Wir haben nun ein intaktes Dach auf einem defekten Mauerwerk“, beschreibt Architekt Martin Burischek die Situation.

Vom Tisch ist vorerst auch die dringend notwendige Sanierung des Kircheninneren. Dort sollen die Wände gereinigt und verfugte Risse übermalt werden. Außerdem soll die marode Fußbodenheizung herausgenommen werden und Sandstein die Fliesen ersetzen.

Aus dem Haus von Kulturstaatsminister Neumann waren am Dienstag bis Redaktionsschluss keine Antworten auf unsere Fragen zur Streichung der Förderung für die Stiftskirche zu erhalten.

Von Peter Ketteritzsch

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