Im Strampler an der Rigipswand

Bei Bauhaus können Frauen das Heimwerken erlernen - ein Selbstversuch

Mit der richtigen Rolle geht es leicht: HNA-Volontärin Sina Hühne (von links), Christine Böhmelt und Nadine Wagner verputzen die Rigipswand mit weißem und gelb eingefärbtem Putz. Fotos: Malmus

Fuldabrück. Wenn ich nicht gerade beim Sport bin oder mit Freunden zusammensitze, habe ich an einem Freitagabend normalerweise meine bequeme Jogginghose an. Heute toppe ich dieses Freitagabend-Outfit.

Ich trage einen farbbespritzten weißen Riesenstrampler aus dem Baumarkt. Der Baumarkt Bauhaus in Fuldabrück-Bergshausen hat den Abend zur „Women’s Night“ erklärt und Frauen zum Werkeln eingeladen.

In mehrenen Workshops können die Teilnehmerinnen lernen, Laminat zu verlegen und Wände zu verzieren. Außerdem können sie einen Werkzeugführerschein machen. Ich werde heute Abend Wände verputzen.

Frau ist der Boss

Gut 40 Frauen sitzen auf den hintereinander aufgereihten Bierzeltbänken und schauen interessiert auf die zierliche blonde Frau im giftgrünen Poloshirt. Tina Flassig ist unsere Kursleiterin. Sie steht vor einem brusthohen Tapeziertisch und redet über die Eigenschaften von Putz. Dass er ziemlich robust sei und eigentlich nur einen natürlichen Feind habe: Wasser.

Hinter dem Tisch steht ein Mitarbeiter des Baumarkts. Ihn verrät sein rotes Polo-shirt. Sein gutmütig aussehendes Gesicht wird von einem dunklen Bart beherrscht und er überragt die Kursleiterin um mindestens zwei Köpfe. Peter Döhne schweigt und steht einfach nur da, als warte er auf Anweisungen. Heute Abend ist die zierliche Frau der Chef, die ganze Szene lässt daran keine Zweifel.

Die Frauen um mich herum stellen viele Fragen: Welche Rolle nehme ich für den Anstrich? Kann man Putz auch mit einer Schablone auftragen?

Ran an die Wände

Schnell wird mir klar: Diese Frauen machen das hier nicht nur zum Spaß. Sie wollen alle das Wändeverputzen lernen. Tina Flassig hat auf jede Frage eine Antwort. Nach einer Stunde Theorie heißt es „Wände frei für die Anfänger“. Eine Frau mit dunkelbrauner kinnlanger Bob-Frisur und schwarz-pink-farbener Brille geht als mutige Pionierin voran. Sie zögert kurz, dann setzt sie die flauschige, in frischem weißen Putz getränkte Rolle an und bewegt sie zügig über die Rigipswand. Auftragwalze ist die korrekte Bezeichnung für das, was ich flapsig Rolle nenne.

Mittlerweile haben sich die Frauen in Grüppchen vor den Wänden versammelt und verputzen, was das Zeug hält. Feine Easy-Putz-Spritzer legen sich wie Schuppen auf unsere Kleidung.

Gleich wird es bunt: Petra Grenzebach-Berg (links) und Sina Hühne wollen rote Farbpigmente in den frischen Putz mischen.

In der Mitte des Arbeitsbereiches steht eine Kiste mit weißen Overalls. Unter skeptischen Blicken steige ich als Erste in einen dieser Riesenstrampler. Nicht gerade formschön, aber praktisch. Eine junge Frau nimmt ebenfalls einen Overall in die Hand und ruft ihren zwei Freundinnen scherzend zu: „Damit gehen wir nachher noch in die Disco.“ Christine Böhmelt hat blonde lockige Haare und sieht mich strahlend an: „Wir haben ein Haus geerbt und das wollen wir jetzt renovieren.“ Ihre zwei Freundinnen Petra Grenzebach-Berg und Bianca Riedemann haben sich mittlerweile auch die Riesenstrampler angezogen und witzeln lauthals über unsere Arbeitskleidung. Wir mischen Farbpigmente in den weißen Putz und Tina Flassig erklärt, dass die Haltbarkeit besser ist als bei bloßem Anstrich.

Fiasko mit der Rolle

Ich bin an der Reihe, mein neu erlerntes Können zu zeigen und greife mir eine Rolle, die ich ausführlich im Putz-Bottich wälze. „Das ist doch die Finishrolle, damit kann man nicht auftragen“, ruft der große schweigsame Mann lachend, während er mir die Rolle aus der Hand nimmt und behutsam die weiße Masse von den Fasern abstreicht. Die Mädels hinter uns prusten vor Lachen, als mir Peter Döhne die Auftragwalze in die Hand drückt. „Versuchen Sie’s mal damit.“ Da hab ich wohl den Vogel des Abends abgeschossen.

Mit der richtigen Walze ist das Putzaufbringen dann wirklich ganz easy. Der Easy-Putz trägt seinen Namen zu Recht, denke ich. Im Loungebereich lassen wir nach getaner Arbeit bei bunten Cocktails und Schnittchen den Abend ausklingen.

Der alkoholfreie Cocktail des Abends trägt den passenden Namen „Women’s Night“ und schmeckt wie mein morgendlicher Fruchtsmoothie. Auf dem Heimweg schmunzele ich, weil ich an Kindergeburtstage von früher denken muss. Damals gab es immer viele Süßigkeiten, man hat Spaß gehabt und meistens gebastelt. Irgendwie war das heute auch so wie Kindergeburtstag. Nur eben für Frauen.

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