Streetworker: Für die Jugend auf der Straße

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Ob Ball, Pflaster oder Sprühfarbe – sie haben alles Wichtige im Rucksack dabei: Vivien Schulz und Pascal Adam stehen als Streetworker den Jugendlichen der Stadt Baunatal mit Engagement zur Verfügung. 

Baunatal. Vivien Schulz (24) und Pascal Adam (37) verlassen ihr Büro im Baunataler Jugendzentrum und schließen ihre Fahrräder auf. Ausgestattet mit Rucksäcken und sportlicher Kleidung schieben sie ihre Räder durch den Innenhof des Gebäudes.

Wenn andere Feierabend haben, geht bei ihnen die Arbeit los: Sie sind Streetworker, und dabei spielt die Abenddämmerung eine große Rolle. Wenn es dunkel wird, dann treffen sich Jugendliche an verschiedenen Orten der Stadt, um unter sich zu sein. Auf ihren abendlichen Routen fahren die Streetworker die Treffpunkte ab.

„Wir sind nicht da, um den öffentlichen Raum zu pädagogisieren.“

Heute geht es durch den Stadtpark neben dem Jugendzentrum, vorbei an Spielplätzen und Wiesen. Zwei Kinder stehen am Wegrand, Pascal Adam grüßt sie. „Kommunikation ist wichtig“, sagt er. Immerhin könnten die Kinder auch irgendwann unter den Jugendlichen sein, für die die Streetworker zuständig sind.

Über den Marktplatz geht es weiter in Richtung Zentraler Omnibusbahnhof. Das Parkhaus am ZOB ist ein beliebter Treffpunkt jugendlicher Stadtbewohner. Aber es ist zu früh: Noch niemand da. Die Streetworker schauen sich die Malereien an der Mauer des Parkdecks an.

Hat sich etwas verändert? „Wären Jugendliche da, würden wir mit ihnen sprechen. Fragen, ob alles in Ordnung ist“, erklärt Schulz. Weiter geht es durch das Wohngebiet Leiselfeld zur nächsten Station, einem kleinen, asphaltierten Fußballplatz mit zwei Fußballtoren. Um die 13 Kinder spielen gerade Fußball.

Vivien Schulz und Pascal Adam grüßen dezent, einige der Kinder kennen sie schon. Vor einiger Zeit meldeten sich Jugendliche bei den Streetworkern, weil Bälle immer wieder in den Dornensträuchern rund um das Spielfeld landeten und kaputtgingen. Außerdem wünschten sie sich Linien auf dem Spielfeld. Ein Fall für die Streetworker: „Wir sind im Dialog mit dem Rathaus, dass die Büsche entfernt werden, und für die Linien haben wir Farbe dabei.“ Pascal Adam verrät, er möchte den Spielbetrieb gerade nicht stören, um Farbe anzubieten, weil endlich einmal Mädchen mitspielen. Das komme nicht so häufig vor.

Um als Streetworker Erfolg zu haben, ist Sensibilität gefragt - für die Situation, die Menschen und im Umgang mit Problemen. „Wenn ich merke, dass ich gerade nicht erwünscht bin, dann gehe ich“, erzählt Schulz.

Ziel der Streetworker ist es, nach und nach Beziehungen zu den Jugendlichen aufzubauen. Denn nur, wenn Vertrauen da ist, können sie auch in schwierigen Situationen vermitteln.

„Wir sind nicht da, um den öffentlichen Raum zu pädagogisieren“, erklärt Adam. „Eher sind wir so etwas wie Vertrauenspersonen, die bei den Jugendlichen zu Gast sind.“ Und wer ihre Hilfe braucht, dem helfen sie.

Info: www.juz-baunatal.de

Von Anna Lischper

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