GPS-Daten eines verletzten Joggers sollen helfen, Sachverhalt vor Gericht zu erhellen

Bissige Hunde: GPS-Daten eines Joggers als Beweis

Kaufungen. Die Angriffe bissiger Hunde in Kaufungen beschäftigen das Verwaltungsgericht Kassel. Zu klären ist, wie mit gefährlichen Hunden umgegangen werden muss, erläuterte der Kaufunger Ordnungsamtsleiter Burkhard Wassel.

Der schildert den komplizierten Sachverhalt so: Nachdem Anfang dieses Jahres ein Labrador-Mischling einen Pekinesen attackiert und dem kleinen Hund ein Auge ausgebissen hatte, stufte Wassel den Labrador als gefährlich ein und belegte den Halter mit Auflagen: Er solle eine Erlaubnis zum Halten eines gefährlichen Hundes beantragen. Zudem dürfe das Tier nur von bestimmten Personen angeleint und mit Maulkorb ausgeführt werden.

Doch diese Anweisung wurde am 21. April per Beschluss vom Kasseler Verwaltungsgericht (VG) kassiert. Gemäß der Hundeverordnung, so das Gericht, dürfe ein als gefährlich eingestuftes Tier überhaupt nicht ausgeführt werden, solange der Halter dafür keine Erlaubnis erhalten und eine Eignung nachgewiesen habe. Bis dahin müsse der Hund in der Wohnung oder auf eingefriedetem Gelände gehalten werden.

Schäferhund

Diesen Beschluss legte das Kaufunger Ordnungsamt nun auch in einem zweiten Fall an: Im Frühjahr dieses Jahres war ein Jogger nahe des Rehheckenweges in Niederkaufungen von einem Schäferhund angefallen und mehrfach in Unterarme und Knie gebissen worden, berichtete Wassel.

Burkhard  Wassel

Der Hundehalter bestritt die Darstellung des Joggers. Der sei dem angeleinten Hund aggressiv begegnet, zudem habe sich der Vorfall an anderer Stelle ereignet. Und hier kommt die Satellitentechnik ins Spiel: Der Jogger nämlich konnte seine Laufstrecke per GPS-Gerät genau nachweisen, die dokumentierte Wegführung stütze seine Darstellung, erklärte Wassel. „Das ist völlig neu, sonst steht in solchen Fällen immer Aussage gegen Aussage.“

Auch der Schäferhund wurde als gefährlich eingestuft, der Halter erhielt dieselben Auflagen wie der des Labrador-Mischlings – auch die sind durch den Gerichtsbeschluss nun hinfällig.

Der Schäferhund-Halter hat laut Wassel inzwischen vor dem Verwaltungsgericht geklagt, um die Auflagen aufheben zu lassen. Kaufungen wiederum hat über den Hessischen Städte- und Gemeindebund beantragt, diese Klage abzuweisen. Mit einer Entscheidung rechnet Wassel nicht vor Februar.

Das Dilemma: Einen Schäferhund nur in der Wohnung oder im Garten zu halten, ist angesichts des Bewegungsdrangs der Tiere nicht artgerecht. Der Halter müsse eine Erlaubnis beantragen, einen gefährlichen Hund zu halten – oder die Gemeinde müsste den Hund „einziehen“.

Der Antrag des Halters steht laut Wassel aus. Das Verfahren ist aufwändig: Der Hund muss eine Wesensprüfung ablegen, der Halter einem Eignungstest unterzogen werden. Zudem muss er ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und den Hund mit einem Chip kenntlich machen.

Bis dahin müsste der Schäferhund unter Verschluss bleiben. Ob der Halter dem nachkommt, weiß aber niemand. Wassel: „Wir haben nicht das Personal, um die Einhaltung der gerichtlichen Auflagen dauerhaft zu überwachen.“

Von Thomas Stier

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