Streit um "Scharlatanerie" bei  Eco-Magnete wieder vor Gericht

Streitobjekt: Laut der Fuldabrücker Firma SCS Schneider kann man mit dem Energiesparmagnet Ecojet, an der Heizung installiert, 5 bis 7 Prozent des Energieverbrauchs einsparen. Archivfoto: Sangerhausen

Fuldabrück. Die juristische Auseinandersetzung um die Wirksamkeit von Energiespar-Magneten der Fuldabrücker Firma SCS Schneider geht in eine neue Runde.

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshof muss das Oberlandesgericht den Fall neu aufrollen. Der Kasseler Ingenieur Thomas Berger behauptet, die Magnete seien wirkungslos.

Der Streit währt schon seit Jahren, und ein Ende ist nicht in Sicht. Es geht um den Energiesparmagnet Ecojet. Die Fuldabrücker Herstellerfirma SCS Schneider ist davon überzeugt, dass sich mit den Magneten, leicht an jeder Heizung zu installieren, fünf bis sieben Prozent der Brennstoffe einsparen lassen. „Wir haben 1500 Messergebnisse, die das belegen“, sagte Marcus Schneider (40), Geschäftsführer und Mitinhaber von SCS, der HNA.

Berger: Scharlatanerie 

Der Kasseler Ingenieur Thomas Berger (58) wirft der Firma „Schwindel und Scharlatanerie“ vor. Dass Brennstoffe durch Magnete besser verbrannt würden, sei „haarsträubender Unsinn“. Dies widerspreche den physikalischen Gesetzen, der Energieerhaltungssatz werde verletzt, „das würde einem Perpetuum mobile entsprechen“, sagte Berger der HNA. „Wenn es funktionieren würde, dann könnte man damit weltweit sechs Prozent der Energie einsparen. SCS würde reicher als Bill Gates“, so der Kritiker. „Die Firma bräuchte nur nachweisen, dass es funktioniert.“

Der Bundesgerichtshof hat gesprochen: Der Rechtsstreit zwischen dem Ingenieur Thomas Berger (Bild) und der Firma SCS Schneider muss neu aufgerollt werden. Am 18. März wird die Sache vor dem Oberlandesgericht in Kassel verhandelt. Foto: Schindler

Genau das habe man bereits getan, meint Marcus Schneider. „Unser Produkt ist von der SwissTS zertifiziert.“ Auch die Dekra habe die Wirkungsgradsteigerung durch die Eco-Magnete bestätigt. 6500 Heizanlagen in Industrie und Unternehmen seien inzwischen installiert worden. Die Kunden seien zufrieden, denn ihnen werde eine auf ihre Anlage bezogene konkrete Einsparung garantiert - oft zwischen fünf und sieben Prozent. „Der Kunde zahlt nur dann, wenn die Einsparung durch eine unabhängige Messung auch belegt ist“, sagte Schneider der HNA.

„Was Herr Berger betreibt, ist existenzbedrohend“, so der SCS-Geschäftsführer. In seiner Firma arbeiten 25 Mitarbeiter. Fünf davon sind in Fuldabrück beschäftigt, „das waren hier schon mal zehn“, sagt er. „Uns wird der Boden unter den Füßen weggezogen“, meint Schneider - durch falsche Behauptungen und das Anprangern von Kunden von SCS.

Nach Frankreich geflohen

Der Streit wurde seit 2011 zunächst vor dem Landgericht, dann vor dem Oberlandesgericht geführt. In beiden Instanzen wurde gegen Berger entschieden. Ihm wurde auferlegt, seine Schmähkritik gegen die Firma SCS nicht mehr zu wiederholen und aus dem Internet zu entfernen. Als das nicht geschah, wurde er mit einem Ordnungsgeld von 5000 Euro, ersatzweise zehn Tagen Haft, später zu 20 000 Euro oder 100 Tagen Haft belegt. Berger dazu: „Ein Löschen ist im Internet gar nicht möglich.“

Im Februar 2014 trat der Kritiker eine zehntägige Haft in der Vollzugsanstalt in Wehlheiden an. Danach sollte er für hundert Tage in den Bau. Doch Berger entzog sich dem Haftbefehl durch Flucht nach Frankreich und lebte fünf Monate in Südfrankreich in einem Wohnmobil.

Von dort betrieb er das Verfahren vor dem Bundesgerichtshof. Mit Erfolg. Am 16. Dezember 2014 verwiesen die Karlsruher Bundesrichter den Streit zurück an das Oberlandesgericht. Das muss den Fall am 18. März (Beginn: 14 Uhr) im Gerichtsgebäude in der Frankfurter Straße 7 in Kassel neu aufrollen. HINTERGRUND

Von Holger Schindler

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