Eklat im Parlament: CDU wollte nicht über Fracking diskutieren

Arbeit rund um die Uhr: So könnte es aussehen, wenn die Erdgas-Suche in unserer Region umgesetzt werden würde. Das Bild zeigt eine Fracking-Anlage in Pennsylvania / USA. Unter hohem Druck wird mit Sand und Chemikalien versetztes Wasser tief in den Boden gepresst, um gashaltiges Gestein aufzusprengen. Archivfoto: dpa

Lohfelden. Die beabsichtigte Suche nach Erdgas in tiefen Gesteinsschichten nach dem umstrittenen Fracking-Verfahren (siehe Stichwort) erhitzt in Nordhessen die Gemüter.

Der Kasseler Kreistag hat sich bereits dagegen ausgesprochen, auch in vielen Kommunalparlamenten wird über den Antrag des kanadischen Bergbaukonzerns BNK diskutiert. In Lohfelden führte das Thema jetzt zu einem Eklat: Die Fraktionen der CDU und der Unabhängigen (U2L) zogen bei einer Ausschusssitzung aus dem Parlamentssaal aus, weil sie das Thema nicht kurzfristig behandelt sehen wollten.

Die SPD hatte das Thema Fracking per Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung setzen lassen. Es bestehe Gefahr für die Trinkwasserquellen, hieß es zur Begründung. Die Dringlichkeit sei nicht gegeben, meinte dagegen CDU-Fraktionsvorsitzende Birgit Kaiser-Wirz.

In dem schließlich verabschiedeten Antrag spricht sich das Parlament gegen Fracking auf Lohfeldener Gebiet aus. Die zuständigen Behörden werden aufgefordert, keine Genehmigung zu erteilen. Außerdem müsse das Bergrecht geändert werden, um eine angemessene Beteiligung der Kommunen und die bisher nicht vorgesehene Umweltverträglichkeitsprüfung zu erreichen.

Kurzclip aus dem Archiv

„Fracking ist alles andere als sicher“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert Thiele, „hier handelt es sich um eine Risikotechnologie.“ Da das Bergrecht sehr restriktiv sei, müsse man befürchten, dass die BNK nach dem Zuschlag für das Untersuchungsgebiet mit der Bezeichnung „Adler-South“ auch die Genehmigung zum Bohren erhalten werde. Zurzeit wisse niemand, wo konkret BNK bohren werde, die Firma könne überall in dem Gebiet tätig werden.

Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) hat Ende April für Hessen ein Moratorium verkündet; sie will keine Anträge bearbeiten, solange die Ungefährlichkeit nicht belegt ist.

Trotzdem erwartet das Regierungspräsidium Kassel bis 30. August die Stellungnahmen der nordhessischen Kommunen. Das werde man erst zum 1. Oktober schaffen, sagte Bürgermeister Michael Reuter (SPD). Für eine fundierte Stellungnahme werde die Gemeinde die Expertise eines Geologen einholen, der die Gesteinsschichten unter Lohfelden analysiere. Er unterstütze es, wenn die Bürger gegen Fracking auf die Straße gehen, sagte Reuter.

Tatsächlich hat sich in der Region mittlerweile eine Bürgerinitiative gegen Fracking mit Sitz in Kassel gegründet.

„Wir brauchen keine neue Risikotechnologie“, sagte der Vollmarshäuser Biolandwirt Henner Gröschner der HNA. Er wirbt in Lohfelden für Unterschriften gegen Fracking. Zusammen mit Mitstreitern will er die Kommunen dabei unterstützen, in Infoveranstaltungen in den Gemeinden die Bürger über das Verfahren aufzuklären.

Weitere Infos

• zur Exploration der Firma BNK auf http://zu.hna.de/fracking2806 (dort rechts: Downloads „Vortrag“)

• zur Bürgerinitiative gegen Fracking auf http://fracking.jimdo.com

Von Holger Schindler

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