DRK: Brauchen das Geld

Streit um geplante Bebauung von Wiese in Oberkaufungen – Nabu: Nicht an dieser Stelle

Kaufungen. Der Trägerverein der DRK-Klinik und des Altenpflegeheims in Oberkaufungen will ein 8000 Quadratmeter großes Wiesengrundstück in Oberkaufungen verkaufen, um dort Bauland zu entwickeln. Proteste von Bürgern verhindern jedoch vorerst die Verwirklichung des Projekts.

Neben einer erst jüngst gegründeten Bürgerinitiative spricht sich auch der Naturschutzbund (Nabu) gegen die Bebauung der Pferdeweide unterhalb der DRK-Klinik aus.

„Wir kennen und beobachten das Gebiet seit vielen Jahren“, sagte Manfred Henkel (72) der HNA. „Dabei haben wir eine hohe Artenvielfalt auf der Wiese festgestellt“, berichtet der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Kaufungen-Lohfelden mit 400 Mitgliedern.

So wachse hier die Breitblättrige Stendelwurz (lat. Epipactis helleborine), eine in unserer Region seltene Orchideenart, die – wie alle Orchideen – streng geschützt sei. Außerdem fliegen an der Wiese abends die Fledermäuse. Auch die seltene Zauneidechse sei zu finden. Am Hohlweg in der Verlängerung der Straße „In der Rose“ stünden alte Eichen. „Die sollen bei einer Bebauung wohl weg“, meint Henkel.

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All dies sei bei der bisherigen Planung nicht berücksichtigt worden. „Nur die Vogelwelt wurde erfasst“, bemängelt Henkel. Daher habe der Nabu Eingaben bei der Unteren und der Oberen Naturschutzbehörde gemacht, die zum vorläufigen Planungsstopp führten, bis die neuerliche Untersuchung von Flora und Fauna vorliegt.

Natürlich seien Baugrundstücke notwendig, meint der Nabu-Vorsitzende. „Aber man muss abwägen, wo.“ Auch angesichts der immer intensiver betriebenen Landwirtschaft seien Randbereiche wie diese, die zwischen Ortsbebauung und Wald liegen, die letzten Rückzugsgebiete für viele Arten. „Es ist nicht erforderlich, dass gerade diese Wiese bebaut wird“, meint Henkel.

Das sieht der gemeinnützige Trägerverein „DRK Heime und Anstalten Bezirk Kassel“ ganz anders. Man habe keine anderen Grundstücke, die man verwerten könne, sagte Geschäftsführer Norbert Schwarz der HNA. „Wir brauchen die Erlöse aus dem Verkauf – nicht aus Gewinnsucht, sondern um die umfangreichen Baumaßnahmen an unserer Klinik für Geriatrie und unserem Altenpflegeheim finanzieren zu können.“ Für 20 Millionen Euro werden die beiden Einrichtungen seit 2005 zukunftsfähig gemacht, die Arbeiten werden bis Frühjahr 2016 andauern.

Die Klinik mit 100 Betten und das Altenheim mit 104 Plätzen sind mit knapp 300 Arbeitsplätzen einer der größten Arbeitgeber in Kaufungen. „Ich gehe davon aus, dass das Projekt nicht scheitert“, sagt der DRK-Geschäftsführer. „Bei möglicherweise entstehenden Beeinträchtigungen des Naturschutzes kommen wir selbstverständlich für alle erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen auf.“

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