Streit in Niestetal: Bad-Kooperation war schon mal Thema

Baden gegangen: Die Idee für eine Beteiligung von Nachbarkommunen an einem Bad in Niestetal wurde schon früher zu den Akten gelegt. Foto. dpa

Niestetal. Ganz aus der Luft gegriffen ist der Vorstoß der Niestetaler CDU nicht: In der heißen Phase vor dem Bürgerentscheid am 8. November über den Neubau eines Hallenbads an der A 7 hat Parteichef Jens Horstmann angeregt, bei dem auf 6,5 Millionen Euro bezifferten Projekt Nachbarkommunen ins Boot zu holen, um die finanzielle Belastung der noch immer unter den Auswirkungen der SMA-Krise leidenden Gemeinde zu reduzieren.

Diese Idee beschäftigte die Politik schon vor Jahren, als Bürgermeister Andreas Siebert (SPD) erstmals einen Ersatzbau für das schon damals marode Wichtelbrunnenbad in Sandershausen präsentierte. Das Zehn-Millionen-Euro-Projekt wurde am Ende wegen unabsehbarer Folgekosten und der sich abzeichnenden Haushaltskrise zu den Akten gelegt. Vorab hatte Siebert im Auftrag des Gemeindeparlaments eine Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen sondiert, und zwar jenen, aus denen nachweislich viele Badegäste stammten.

Staufenberg

Ein Brief ging im August 2007 auch an den damaligen Staufenberger Bürgermeister Volker Zimmermann (CDU). Doch der Verwaltungschef der südniedersächsischen Gemeinde zeigte Siebert in seiner Antwort die kalte Schulter.

Die Besucher aus Staufenberg trügen mit ihren Eintrittgeldern bereits direkt zur Finanzierung des Bades bei und förderten so nicht zuletzt die Kaufkraft in der Gemeinde, erklärte Zimmermann. Die Haushaltssituation Staufenbergs biete im Übrigen grundsätzlich keinen Spielraum für freiwillige Leistungen, so Zimmermann seinerzeit.

Die Situation heute: Die Finanzlage Staufenbergs ist nach wie vor angespannt. In diesem Jahr verzeichnet die Kommune ein Defizit von rund 300 000 Euro. Schon für notwendige Investitionen innerhalb der Gemeinde, zum Beispiel für die Feuerwehr, fehlt das Geld.

Kaufungen

Die Nachbarkommune Kaufungen habe seinerzeit grundsätzlich Interesse an einer Bad-Kooperation gezeigt, sagte Siebert. Der damalige Verwaltungschef Peter Klein (parteilos) habe einen Standort nahe der Wilhelm-Leuschner-Schule ins Gespräch gebracht. Letztlich, so Siebert, sei es aber bei einem Meinungsaustausch geblieben.

Die Situation heute: Die Gemeinde Kaufungen hat im Zuge ihres Sparprogramms die finanzielle Unterstützung für das Freibad in Helsa eingestellt. Es gibt kaum Spielraum für größere Investitionen. „Eine Beteiligung in Niestetal ist kein Thema“, sagte Bürgermeister Arnim Roß (SPD).

Kassel

Die intensivsten Gespräche gab es zwischen Niestetal und der Stadt Kassel. Der damalige Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD) schlug ein gemeinsames Hallenbad vor, auch um den Weg für einen Abriss des Stadtbades Mitte frei zu machen. Am Ende wurde aus der Kooperation nichts.

Die Situation heute: Kassel hat mit dem Auebad in Eigenregie ein neues Bad gebaut, das sich großer Beliebtheit erfreut.

Der CDU-Vorstoß stößt bei Siebert auf Kritik. „Es wird suggeriert, dass hier eine Chance verpasst worden ist.“ Dies sei aber nicht der Fall. Die Nachbarkommunen seien zwar für ein Hallenbad in Niestetal. Eine Beteiligung sei aber unrealistisch.

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