Linke gegen Überwachung der Schulen – Kreistag diskutiert Freitag über Thema

Streit um Videokontrolle

+
Elektronische Überwachung: Die Kontrolle der Schulgebäude im Landkreis ist umstritten. Während SPD und Kreisverwaltung Erfahrungen in einem Pilotprojekt sammeln möchten, lehnt die Linke das Vorhaben strikt ab.

Kreis Kassel. Die Linken lehnen zur Bekämpfung des Vandalismus eine Videoüberwachung der 75 Schulen im Landkreis Kassel strikt ab.

Christian Knoche

Im Vorfeld der Kreistagssitzung am Freitag (4. Mai, ab 13 Uhr in Reinhardshagen, Wesertalhalle) erklärte Fraktionsvorsitzender Dr. Christian Knoche, statt „nach Orwell’schen Überwachungsmaßnahmen zu rufen“, solle man auf mehr Schulsozialarbeit, aufsuchende Jugendarbeit und Präventionsräte setzen. Knoche kritisiert das Konzept der SPD und der Verwaltung, das unter anderem auf Videoüberwachung baut und ein Pilotprojekt an einer Schule fordert. Die Schäden durch Vandalismus an den Kreisschulen sind beträchtlich. Das geht aus einem Bericht hervor, den der Kreisausschusses jetzt vorgelegt hat.

Danach entstanden vor allem durch nächtliche Exzesse von alkoholisierten Jugendlichen zwischen 2008 und 2011 Vandalismusschäden in Höhe von zusammen 803 000 Euro. 90 Prozent der Schäden haben Versicherungen übernommen, 78 000 Euro blieben beim Kreis als Schulträger hängen.

Um die Kosten zu reduzieren, schlägt die Verwaltung nun vor, weitere Einbruchmelder anzuschaffen und erstmals auch Videokameras zu installieren. An elf Schulen, bei denen die Schäden besonders hoch waren, solle die Videoüberwachung geprüft werden.

Vor allem die großen Gesamtschulen werden von Vandalen heimgesucht. An der Gesamtschule Hofgeismar schlugen die Schäden mit 53 000 Euro zu Buche, an der Theodor-Heuss-Schule in Baunatal waren es 19 000 Euro. Wohl eher die Ausnahme, aber finanzieller Spitzenreiter war eine Brandstiftung an der Grundschule Immenhausen im Jahr 2008 mit 183 000 Euro Schaden.

„Wir wollen zusammen etwas entwickeln“, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn der HNA. Man wolle nicht gegen die betroffenen Schulen und Kommunen tätig werden, sondern das Gespräch suchen. „Es geht nicht darum, Schüler, Eltern und Lehrer zu überwachen“, so Kühlborn weiter. Aber der Kreis müsse sein Eigentum schützen. Schließlich gehe es hier um das Geld der Steuerzahler.

Nach der Vorstellung der Kreisverwaltung sollen die Videokameras nur nachts eingeschaltet werden. Nur wenn Schäden festgestellt wurden, werde man die Videoaufnahmen heranziehen, um sie der Polizei zur Ermittlung der Täter zu übergeben, sagt Kühlborn. Ansonsten würden die Bänder am nächsten Tag überschrieben und die Aufnahmen damit gelöscht.

Damit wollen sich die Linken nicht zufriedengeben. Schüler, Lehrer und Eltern hätten einen Rechtsanspruch auf Wahrung einer unbeobachteten Privatsphäre. Dass die Kameras erst nach Schulschluss angeschaltet werden sollen, sei Augenwischerei, meint Knoche. Denn nach Schulschluss nutzen Vereine, Eltern bei Elternabenden und andere Gruppen die Räume.

Von Holger Schindler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.