Hermann-Schafft-Schüler üben sich in Gewaltprävention

Streiten will gelernt sein

Rollenspiel: Jennifer und Felix lernen, wie sie den Streit um einen Ball vermeiden oder beilegen können. Im Hintergrund beoachtet Klassenlehrerin Frederike Lefrançois die Szene. Foto: Kothe

Fuldabrück. Was tun, wenn mir jemand meinen Ball wegnimmt? Soll ich streiten? Oder richtig wütend werden? Mit diesen Fragen setzen sich Jennifer und Felix in einem Rollenspiel auseinander. Die beiden Achtjährigen tasten sich an eine Lösung des Problems heran.

Seit einem Jahr arbeitet die Hermann-Schafft-Schule in Fuldabrück mit dem Gewaltpräventionsprogramm Faustlos, das für Schulen und Kindergärten entwickelt wurde. Auch die Klasse 2b nimmt teil, angeleitet von Klassenlehrerin Frederike Lefrançois.

Jennifer holt erst einmal tief Luft. „Gib mir bitte den Ball zurück.“ Felix schaut sie an, schüttelt den Kopf und spielt mit dem Ball, der ihm gar nicht gehört. „Ach nö!“, murmelt Jennifer. Sie ärgert sich. Was soll sie nun tun? Hilfe suchend schaut sie zu Frederike Lefrançois. Diese ermuntert sie, einen Vorschlag zu machen, um einem Streit vorzubeugen.

„Felix, wir könnten doch zusammen mit dem Ball spielen.“ Der entgegnet knapp: „Nein.“ Jennifer versucht es erneut: „Ich möchte bitte meinen Ball zurück haben.“ Felix denkt kurz nach: „Ok.“

Friedliche Lösungen für Konflikte zu finden, Streit nicht eskalieren zu lassen, den Umgang mit Gefühlen wie Wut, Ärger und Aggression zu lernen - das sind Ziele von Faustlos. Einmal in der Woche steht das Thema Gewaltprävention auf dem Stundenplan. Die Hermann-Schafft-Schule hat dafür im Vorjahr das Lernmaterial angeschafft, finanziert durch die Aktion „Kinder für Nordhessen“.

Das Programm für die Grundschüler umfasst 51 Lektionen, die über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren durchgenommen werden. „Wir beginnen in der ersten Klasse“, sagt Lefrançois. In allen Lektionen setzen sich die Kinder auf verschiedenen Ebenen mit einer breiten Palette sozialer und emotionaler Kompetenzen auseinander. Das Programm ist so kindgerecht aufgebaut, dass die Übertragung in den Alltag leicht fällt.

Faustlos ist in Deutschland etabliert. Es gehört mittlerweile in über 10 000 Institutionen zum festen Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Lefrançois und ihre Kollegen sind von den positiven Effekten überzeugt: „Es kann damit gelingen, ein gutes Klima in den Klassen zu schaffen.“ Zudem animiere es die Schüler, Konflikte selbstständig zu lösen. Und auch für die Lehrer sei es ein gutes Hilfsmittel.

Auch ihren Schülern macht es Freude, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Denn Streit und Prügelei - das muss nicht sein. Darin sind sich die Jungen und Mädchen einig. Somit sind sie auch stolz darauf, was sie durch Faustlos lernen.

Jennifer und Felix erzählen: „Eine Lösung für Probleme finden. Zuhören und fragen. Gefühle zeigen.“ Einfach tief Luft holen anstatt auszuflippen.“ Das finden die beiden Zweitklässler gut. (pke)

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