Niestetal will Kooperation mit Eon Mitte beenden – Ziel: Firma mit Städtischen Werken

Strom und Gas aus einer Hand?

Andreas Siebert

Niestetal. Die Gemeinde Niestetal will aus dem Gasversorgungszweckverband des Landkreises Kassel aussteigen. Bis es so weit ist, wird es allerdings noch einige Jahre dauern. Denn erst zum 1. März 2013 war der Vertrag für 20 Jahre verlängert worden.

So lange will man in Niestetal aber nicht warten. Der Energieausschuss hat jetzt in einem einstimmigen Votum der Gemeindevertretung empfohlen, aus dem Zweckverband auszutreten und den Gaskonzessionsvertrag zu kündigen. Als Ausstiegszeitpunkt angepeilt werden soll der Februar 2021. Der Vertrag sieht ein Sonderkündigungsrecht nach acht Jahren vor. Die Entscheidung über den Ausstieg muss das Gemeindeparlament fällen.

Ausgangspunkt der Debatte im Ausschuss war ein Dringlichkeitsantrag der Union. CDU-Fraktionsvorsitzender Erich Schaumburg begründete den Vorstoß im Vorfeld der Sitzung gegenüber der HNA mit Versäumnissen der Gemeinde. Bereits im September 2011 hätten alle drei Fraktionen im Parlament die Verwaltung aufgefordert, den Ausstieg aus dem Gasverbund zu prüfen. „Ohne Not wurde eine rechtlich saubere Lösung verspielt, weil die Verwaltung es vergessen oder nicht geprüft hat“, sagte Schaumburg der HNA. Vor der Verlängerung des Vertrags zum 1. März hätte man gut aussteigen können, meinte er.

Der Ausstieg würde laut Schaumburg Sinn machen, um eine Gasversorgung aus einer Hand für beide Ortsteile hinzubekommen. Bisher wird Sandershausen von den Städtischen Werken mit Gas beliefert, für Heiligenrode ist der Gasversorgungszweckverband zuständig. Bürgermeister Andreas Siebert (SPD) weist den Vorwurf der Untätigkeit zurück. Man habe sich erst mal mit dem vordringlichen Thema Strom beschäftigt. „Wir haben nichts verschlafen“, sagte der Niestetaler Verwaltungschef der HNA. „Aber man kann nicht einfach kündigen, ohne zu wissen, wie es weitergehen soll.“ Bisher habe die Perspektive für die Zukunft gefehlt.

Das könnte sich nun ändern. Denn Niestetal strebt gemeinsam mit den Kasseler Städtischen Werken die Gründung einer Netzgesellschaft an. Die Gesellschaft soll das Stromnetz von Eon Mitte übernehmen und Niestetal mit Strom versorgen. Die Verhandlungen laufen, im kommenden Jahr will man das Netz übernehmen. Denkbar ist, dass die Netzgesellschaft nicht nur Strom, sondern irgendwann auch Gas liefert und dann beide Ortsteile gleichermaßen versorgt. Archivfotos: nh HINTERGRUND

Von Holger Schindler

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