Protest von Bürgerinitiative

Strommasten werden erhöht: Eon Netz will mehr Leistung durch 110 kV-Leitung schicken

Lohfelden/Niestetal/Fuldabrück. Die Eon Netz GmbH (Bayreuth) hat am Donnerstag damit begonnen, die 110 kV-Hochspannungsleitung zwischen Niestetal und Bergshausen um einige Meter zu erhöhen. Grund ist laut Eon die geplante Erhöhung der Übertragungsleistung auf der 11 Kilometer langen Leitung.

Sie soll der allgemeinen Stromversorgung dienen. Laut Eon sollen vier bestehende Masten auf der Strecke um jeweils acht Meter erhöht werden. Dazu werden vorgefertigte Teilstücke unten eingefügt. 163.000 Euro investiert Eon in die Baumaßnahme, im März soll das Projekt abgeschlossen sein.

Am Donnerstagmorgen begannen zwischen Lohfelden und Vollmarshausen die Bauarbeiten. Zwei schwere Autokräne nahmen einen 30 Meter hohen Stahlriesen an den Haken und hievten ihn in die Höhe. Dann wurde unten das Erhöhungsstück eingefügt.

Vedat Kahya vor dem Mast, der erhöht werden soll.

„Wir nehmen eine Leistungserhöhung vor“, erklärte Eon-Sprecherin Michaela Fiedler auf Nachfrage der HNA. Künftig solle Strom in einer Stärke von 100 bis 500 Ampere durch die 110.000 Volt-Leitung geschickt werden, bisher habe die Bandbreite darunter gelegen.

Im Gegenzug müssten die Leitungen höher gelegt werden. Der Grund liegt in der Physik: Denn je stärker der Strom ist, der durch die dicken Kabelstränge fließt, desto heißer werden sie. Durch die größere Wärme dehnen sich die Kabel stärker aus und hängen somit tiefer durch. Um die Abstände und Grenzwerte einzuhalten, sei die Erhöhung nötig.

Strommasten werden erhöht: Eon Netz will mehr Leistung durch 110 kV-Leitung schicken

Mit Beschwerden von Anwohnern in Lohfelden hätten die Arbeiten nichts zu tun, versicherte die Eon-Sprecherin, die Arbeiten seien schon länger geplant gewesen.

In der Gemarkung von Lohfelden führen die Stromseile teilweise nur knapp über die Bäume. Auch am Casselweg in Vollmarshausen hängen die 110.000 Volt führenden Leitungen bedrohlich tief nur wenige Meter über den Gärten der Wohnhäuser.

Vedat Kahya, Sprecher der Lohfeldener Bürgerinitiative gegen die örtlichen Hochspannungsleitungen, der selbst direkt unter der parallel verlaufenden 380 kV-Leitung lebt, will die Masterhöhung der 110 kV-Leitung nicht hinnehmen. Er sieht darin eine Vorentscheidung über die künftige Trassenführung. Die Bürgerinitiative fordert, dass die beiden Hochspannungsleitungen im Zuge des Baus der Trasse Wahle-Mecklar aus Lohfelden herausverlagert werden. „Eon will vollendete Tatsachen schaffen“, meint Kahya, „wenn die die Masten erhöhen, dann bleibt die Leitung auch da“.

Kahya vermutet, dass die 110.000 Volt-Leitung schon in der Vergangenheit mit höherer Leistung gefahren worden ist. „Durch die Proteste der Anwohner bekommt Eon jetzt kalte Füße“, meint Kahya.

Er wollte am Donnerstagmorgen beim Verwaltungsgericht Kassel einen Eilantrag gegen die Baumaßnahme erwirken. Dies scheiterte jedoch am Geld. Kahya hätte wegen des hohen Streitwerts 5000 Euro hinterlegen müssen.

Von Holger Schindler

Das sagt die Behörde: Von Leistungserhöhung nichts bekannt

Wer ist eigentlich für die Genehmigung der Leitungs- und Leistungserhöhung zuständig? Wir nicht, heißt es aus dem Rathaus Lohfelden. Der Gemeindeverwaltung sei nur mitgeteilt worden, dass Instandsetzungsarbeiten an der Leitung nötig seien. Die Gemeinde habe daraufhin die Benutzung von Feldwegen genehmigt. Auch bei der Bauaufsicht des Landkreises heißt es: Wir sind nicht zuständig, wenn vorhandene Leitungen optimiert werden. Das Regierungspräsidium (RP) Kassel sei zuständig. Doch dort ist von einer Leistungserhöhung bei der 110 kV-Leitung nichts bekannt. „Die Leistung wird nicht erhöht, sondern sie wird optimiert“, sagt RP-Sprecher Michael Conrad auf Nachfrage der HNA. Dies sei von der Eon Netz so mitgeteilt worden. Eon Netz wolle die Leitungsausnutzung verbessern; Schwankungen in der Stromstärke gebe es immer, „die Leitungen laufen nicht immer unter der gleichen Last“, meint Conrad. Bei der Gemeinde Lohfelden geht man davon aus, dass die Investition ins Leitungsnetz keine Vorentscheidung für den künftigen Trassenverlauf bedeutet. „Ich sehe da keinen zwingenden Zusammenhang“, sagt Bauamtsleiter Rolf Schweitzer, denn die Planungszeiträume seien sehr lang. Das Gemeindeparlament fordert bei einem möglichen Bau der neuen 380 kV-Leitung Wahle – Mecklar durch den Landkreis Kassel die Ausverlagerung der bestehenden Hochspannungsleitungen, die Lohfelden durchschneiden. Bürgermeister Michael Reuter (SPD) verweist auf eine Zusage der Netzbetreiber vom vergangenen November. Danach wolle man sich nach Abschluss des Raumordnungsverfahrens zusammensetzen und über eine Bündelung der alten und neuen Leitungen im Raum Lohfelden sprechen. (hog)

Das sagt das RP: Grenzwerte sind nicht überschritten

Werden die Grenzwerte der Hochspannungsleitungen in den Wohnhäusern, die direkt unter den Stromtrassen stehen, eingehalten? Ja, sagt das Regierungspräsidium (RP). Die Behörde hatte auf die Forderung der Lohfeldener Bürgerinitiative hin, die Einwohner vor Elektrosmog zu schützen, Untersuchungen in Auftrag gegeben. Das Ergebnis für die 110 000 Volt-Leitung: „Die Grenzwerte werden nicht überschritten“, sagte RP-Sprecher Michael Conrad. Für die 380 000 Volt-Leitung liege das Ergebnis noch nicht vollständig vor. Hier müssen die Messungen noch mit den Angaben der Netzbetreiber, wieviel Strom in der Messphase auf der Leitung war, ins Verhältnis gesetzt werden. Das Regierungspräsidium hatte die Fachhochschule Gießen damit beauftragt, die Belastung in den Wohnhäusern unter den beiden 380 und 110 kV-Leitungen zu messen. Untersucht wurden die magnetische Flussdichte und das elektrische Feld. Laut 26. Verordnung des Bundesimissionsschutzgesetzes (BImSchG) liegt der Grenzwert für das elektrische Feld bei 5 kV/Meter, der Wert für die magnetische Flussdichte bei 100 µT (Mykrotesla). Für Vollmarshausen wurden laut RP 1,1 kV/m und 16,4 µT gemessen. (hog)

Rubriklistenbild: © Schindler

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