Beschlussvorlage für Mai avisiert

Stromnetze: 24 Kommunen im Landkreis feilschen mit Eon Mitte um Kaufpreis

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Wer zieht künftig die Strippen beim Stromnetz? Für 24 Kommunen im Kreis Kassel gibt es eine Empfehlung, künftig mit dem Energieversorger Eon Mitte zu kooperieren, aber noch keine Entscheidungen. Die sollen ab Mai fallen. Das Bild entstand in Südhessen.

Kreis Kassel. Momentan tut sich nach außen hin wenig in der Frage der Zukunft der Stromnetze von 24 Kommunen im Landkreis Kassel. Der Eindruck täuscht: Hinter den Kulissen wird um Geld gefeilscht. Mit dem Energieversorger Eon Mitte, mit dem ein gemeinsames Versorgungswerk entstehen soll, liefen Gespräche über Netzumfang und Kaufpreis.

Das sagt Baunatals Erste Stadträtin Silke Engler-Kurz. Sie gehört zu den kommunalen Verhandlungsführern. Dem Baunataler Stadtparlament hat sie für 23. Mai eine Beschlussvorlage avisiert.

Über Einzelheiten herrscht Schweigen. Engler-Kurz sagt nur, es gehe um Definitionen. „In der Abgrenzung schwierig“ sei, was zur Mittelspannungsebene (20 kV) und damit zum geplanten Versorgungswerk gehöre.

Für den Kunden hat das zunächst keine Bedeutung. Abnahmepreise sind nicht betroffen, er kann auch weiterhin seinen Anbieter frei wählen.

Die kommunale Seite verspricht sich von 51 Prozent Anteil an dem von Fachleuten empfohlenen Versorgungswerk aber Einfluss auf den Anteil erneuerbarer Energien. Sie will ferner sicherstellen, dass dünn besiedelte und damit wenig lukrative Landstriche auch künftig ausreichend mit Elektrizität beliefert werden. Bisher hat Eon Mitte auf Basis von Konzessionsverträgen, die Ende 2011 auslaufen, ein Wegerecht für Leitungen und zahlt dafür Abgaben an die Städte und Gemeinden.

Die Spannung bleibt jedoch nicht nur wegen des Millionenpokers um den Wert der Stromnetze, von Summen zwischen 75 und 113 Mio. Euro ist die Rede. Die Spannung nährt auch, dass jede der 24 Kommunen trotz gemeinsamen Vorgehens doch noch ausscheren kann.

Denn am Ende muss jedes Stadt- und Gemeindeparlament allein entscheiden, ob es sich am geplanten Versorgungswerk mit Eon Mitte beteiligt, ob es ein eigenes gründet, einen anderen Anbieter wählt oder wieder einen Konzessionsvertrag eingeht. Die Landkreis-CDU etwa plädiert für Letzteres in Form erneuter Vereinbarungen mit Eon. Sie sieht in einem Versorgungswerk zu hohe finanzielle Risiken für die Kommunen.

Allerdings bestehe die Gefahr juristischen Ärgers für eine ausscherende Kommune, sagt Engler-Kurz. Grund: Die 24 Kommunen hatten selbst Kriterien für die Bewertung aufgestellt, sie sind ferner per Gesetz verpflichtet, keinen Bewerber zu diskriminieren und transparent zu handeln.

Zwei weitere Bewerber

Aus dem Recht jeder Kommune, frei zu entscheiden, erklärt sich zum Beispiel, dass die Städtischen Werke Kassel weiter das Gespräch mit Parlamentariern suchen. Die Kasseler Energieversorger hatten sich wie Eon Mitte und die Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg um ein gemeinsames Versorgungswerk beworben.

Aus regionalpolitischen Gründen hatte sich die Bürgermeisterriege für Eon Mitte entschieden – der Konzern beschäftigt allein in seiner Niederlassung Baunatal mehr als 200 Menschen, im gesamten Landkreis Kassel über 300.

Von Ingrid Jünemann

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